ATX pendelt weiter um den Wert vom Jahresstart – PORR mit Rekordjahr, Bajaj Mobility erstarkt wieder
In Episode #1123 der Wiener Börse Party ordnet Moderator Christian Drastil die aktuelle Marktlage am Donnerstag, den 26. März 2026, ein – ein Tag, an dem der ATX nach starken Vortagesgewinnen wieder nachgibt, während gleich mehrere Unternehmen mit bemerkenswerten Geschäftszahlen aufwarten.
ATX im Pendelmodus – Jahresstartniveau als Anker
Der österreichische Leitindex bleibt auch im März 2026 ein Spielball wechselnder Tagesdynamiken. Nach einem kräftigen Anstieg am Vortag gab der ATX zur späten Mittagszeit 0,9 Prozent nach und notierte bei 3.356 Punkten – de facto auf dem Niveau des Jahresbeginns. Die Year-to-Date-Performance bewegt sich damit weiterhin um die Nulllinie, was angesichts des geopolitisch und wirtschaftlich herausfordernden Umfelds allerdings keineswegs als schlechtes Ergebnis zu werten ist.
Die Handelsaktivität bleibt bemerkenswert hoch. Am Vortag wurden 398 Millionen Euro umgesetzt, der neue Tagesdurchschnitt liegt bei 372 Millionen Euro. Zum Vergleich: Im Jahr 2025 lag der durchschnittliche Tagesumsatz noch bei 247 Millionen Euro – ein deutlicher Anstieg, der auf ein gesteigertes Interesse institutioneller und privater Anleger am Wiener Markt hindeutet.
Tagesgewinner im ATX war Bajaj Mobility mit einem Plus von 3 Prozent, gefolgt von der Agrana und der Telekom Austria. Der Blick nach Frankfurt zeigte ein differenziertes Bild: Der DAX verlor 1,59 Prozent auf 22.591 Punkte und weist im Gegensatz zum ATX bereits ein Year-to-Date-Minus von 6,26 Prozent auf. Gewinner im DAX waren Brenntag mit plus 1,3 Prozent, BASF mit plus 1 Prozent und Beiersdorf mit plus 0,5 Prozent.
PORR schreibt Geschichte – bestes Jahr des ältesten Börsenotierten
Das Bauunternehmen PORR, immerhin das älteste börsenotierte Unternehmen Österreichs, hat das abgelaufene Geschäftsjahr 2025 als das beste seiner Unternehmensgeschichte abgeschlossen. CFO Klemens Eiter konnte bei der Präsentation der Jahreszahlen stolz von einem historischen Rekordergebnis berichten. Besonders hervorzuheben ist die Verbesserung der EBIT-Marge, die von 2,6 Prozent im Vorjahr auf 3,1 Prozent kletterte – ein in der margenschwachen Baubranche durchaus beachtlicher Sprung.
Gelungen sei diese Steigerung laut Unternehmensangaben durch eine Kombination aus Effizienzsteigerung und Kostensenkung. Die Aktionäre profitieren direkt: Die Dividende wird von 0,90 Euro im Jahr 2024 auf 1,05 Euro für das Geschäftsjahr 2025 angehoben – ein Plus von rund 17 Prozent. .
Die wesentliche Botschaft für Anleger liegt jedoch im Ausblick: Das Jahr 2026 hat aus heutiger Sicht das Potenzial, noch besser zu werden als das Rekordjahr 2025. Zur internationalen Positionierung gab Konzernchef Karl-Heinz Strauss ein Update zur Präsenz in Katar. Man habe dort vor Jahren ein Büro errichtet und arbeite derzeit noch bestehende Aufträge mit einem kleinen Team vor Ort ab. Ob es zu weiteren Aufträgen kommen wird, speziell im Zusammenhang mit einem möglichen Wiederaufbau, sei derzeit noch nicht absehbar.
Bajaj Mobility: Vom Sorgenkind zum Hoffnungsträger
Bajaj Mobility, im Vorjahr noch eines der am kritischsten beäugten Unternehmen am Wiener Markt, meldet eine starke Erholung im zweiten Halbjahr 2025. Die Retail-Verkäufe stiegen gegenüber dem ersten Halbjahr um beeindruckende 60 Prozent. Noch entscheidender für die Bewertung des Turnarounds ist der massive Lagerabbau: Die Bestände wurden um 101.153 Einheiten reduziert – von 248.580 auf 147.427 Fahrzeuge. Das Niveau ist zwar noch immer hoch, doch der Trend zeigt klar in die richtige Richtung.
Weltweit wurden über den Partner Bajaj insgesamt 275.593 Fahrzeuge der Marken KTM, Husqvarna, GasGas und MV Agusta verkauft. CFO Petra Preining unterstrich, dass 2025 mit verschiedenen Maßnahmen die Voraussetzungen für ein profitables Jahr 2026 geschaffen worden seien. Noch deutlicher wurde CEO Gottfried Neumeister: „Wir sind fulminant in das Jahr 2026 gestartet. Besonders erfreulich ist, dass unsere neuen Modelle sehr positiv von unseren Kunden angenommen werden."
Kontron setzt auf Cashflow und strategisches Wachstum
Kontron verzeichnete im Jahr 2025 einen Umsatzrückgang auf 1 Milliarde Euro, verglichen mit 1,2 Milliarden Euro im Vorjahr. Dieser Rückgang ist allerdings maßgeblich auf Portfolioanpassungen zurückzuführen – insbesondere die Entkonsolidierung des COM-Geschäfts und die Schließung einzelner Standorte. Die operative Stärke zeigt sich vielmehr im Cashflow: Der operative Cashflow des Konzerns erreichte mit 167 Millionen Euro ein neues Rekordniveau, nach 99 Millionen Euro im Vorjahr – ein Anstieg von knapp 69 Prozent.
Für die Zukunft plant Kontron gezielte Akquisitionen zur Stärkung der strategischen Kernbereiche und erwartet einen Umsatzanstieg auf rund 1,75 bis 1,8 Milliarden Euro. Jefferies hat die Kaufempfehlung und das Kursziel von 27 Euro für Kontron nach Vorlage dieser Zahlen bestätigt.
Andritz, Post und der potenzielle Börse-Neuling Emerald Horizon
Andritz konnte einen weiteren Auftrag vermelden:E s geht um die Lieferung von zehn neuen Turbinen für die Modernisierung der Vlasinski-Wasserkraftwerke . Der Auftragswert liegt im niedrigen zweistelligen Millionenbereich.
Die Österreichische Post startet am 1. April mit ihrer Mobilfunkmarke Yelllow und bietet vier verschiedene Tarife an. CEO Walter Oblin setzt dabei auf eine klare Positionierung: einfach, günstig und nah bei den Menschen. Der Claim lautet: „Immer da, wenn du uns brauchst."
Für Aufmerksamkeit sorgt zudem das Unternehmen Emerald Horizon, das mit einem möglichen IPO in Verbindung gebracht wird. Auf Anfragen von Hörerinnen und Hörern hat Drastil das Unternehmen zu einem Free Podcast eingeladen, um die Unternehmensgeschichte näher zu beleuchten. Eine Rückmeldung würde freuen.
Fazit: Stabilität bei hoher Aktivität
Der Wiener Markt zeigt sich in einer Phase bemerkenswerter Stabilität – die Nulllinie beim ATX ist angesichts des schwierigen Umfelds kein schlechtes Zeichen, zumal die Handelsvolumina deutlich über dem Vorjahresniveau liegen. PORR liefert mit dem besten Jahr der Firmengeschichte und einer kräftigen Dividendenerhöhung, Bajaj Mobility überzeugt mit Erholungssignalen und einem fulminanten Jahresstart 2026, und Kontron glänzt trotz Umsatzrückgang mit Rekord-Cashflow. Spannend bleibt, ob mit Emerald Horizon bald ein neuer Name auf dem Wiener Kurszettel auftaucht.








