Apple steckt zum Jahresstart in einer ungewöhnlich zähen Phase. Acht Wochen in Folge hat die Aktie nachgegeben – begleitet von einer milliardenschweren Kartellklage in Großbritannien, widersprüchlichen Analystenstimmen und hohen Erwartungen an die anstehenden Quartalszahlen. Entscheidend ist nun, ob Zahlen und mögliche Produktneuheiten die verunsicherten Anleger wieder überzeugen können.

Kartellklage in UK und gespaltene Analystenlage

Zum Wochenschluss prägten zwei Themen das Bild: rechtlicher Gegenwind in Europa und deutlich auseinanderliegende Einschätzungen von US-Investmenthäusern.

In Großbritannien wurde beim Competition Appeal Tribunal eine Sammelklage über rund 1,5 Milliarden Pfund eingereicht. Der Vorwurf: Apple soll seine Marktmacht missbraucht haben, indem der Zugang zum NFC-Chip des iPhones beschränkt und Banken sowie Kartenanbieter durch Gebühren für Apple-Pay-Transaktionen belastet wurden. Die Klage, die sich auf rund 50 Millionen Verbraucher bezieht, argumentiert, diese Kosten seien letztlich bei den Kontoinhabern gelandet.

Apple weist die Vorwürfe zurück und bezeichnet die Klage als „fehlgeleitet“. Der Konzern verweist auf Beiträge zur Betrugsbekämpfung und darauf, dass der Zugang zur NFC-Schnittstelle zuletzt für Drittentwickler geöffnet wurde. Ob die Klage tatsächlich zu finanziellen Belastungen führt, ist offen – sie kommt jedoch zu einem Zeitpunkt, an dem die Aktie ohnehin unter Druck steht.

Parallel dazu meldeten sich mehrere große Häuser mit teils gegensätzlichen Einschätzungen:

  • Goldman Sachs empfiehlt, die Schwächephase vor den Zahlen am 29. Januar zum Einstieg zu nutzen. Die Analysten halten den jüngsten Rückgang für überzogen und setzen auf robuste iPhone-Erneuerungszyklen sowie Wachstum im Servicegeschäft als Treiber für eine Erholung.

  • KeyBanc Capital Markets bleibt dagegen vorsichtig und bestätigt ein „Hold“. Analyst Brandon Nispel sieht das Bewertungsniveau im Verhältnis zum Wachstum als anspruchsvoll und spricht von einem „neutralen“ Chancen-Risiko-Profil auf kurze Sicht. Die Schätzungen wurden zwar leicht angehoben, vor allem wegen höherer durchschnittlicher Verkaufspreise bei iPhones, ein klarer Kaufimpuls ergibt sich daraus aber nicht.

  • Wedbush zeigt sich deutlich optimistischer: Dan Ives hält an einem „Outperform“-Rating fest und nennt mit 350 US-Dollar ein Kursziel am oberen Ende der Analystenspanne. Er sieht 2026 als „Meilensteinjahr“ mit einem KI-getriebenen Superzyklus für Apple.

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Der Schlusskurs vom Freitag bei 249,36 US-Dollar spiegelt diese Gemengelage wider: Die Aktie liegt etwa 9 % unter ihrem 52-Wochen-Hoch, notiert aber weiter klar über dem Tief des vergangenen Jahres.

Produktgerüchte: Neues MacBook als Stimmungsfaktor

Für zusätzliche Spannung sorgt ein exklusives „Apple Experience“-Event für Kreative, das vom 27. bis 29. Januar in Los Angeles stattfinden soll. Einladungen sind Ende dieser Woche aufgetaucht und haben Spekulationen angeheizt, Apple könnte die Bühne für neue Hardware nutzen.

In der Branche wird vor allem über die Einführung von M5-basierten MacBook-Pro-Modellen spekuliert. Nachdem Apple den M5-Basischip bereits Ende 2025 vorgestellt hat, wäre ein Update der Profi-Notebooks ein logischer nächster Schritt. Ein solcher Launch kurz vor den Quartalszahlen hätte gleich zwei Effekte: Er könnte eine frische Umsatzstory für den restlichen Jahresverlauf liefern und zugleich Sorgen über steigende Speicher- und Komponentenpreise in der Hardwarebranche etwas relativieren.

Bestätigt ist die Produktvorstellung bisher nicht, doch zeitliche Nähe zum Earnings-Termin und die Ausrichtung des Events auf Kreative nähren die Erwartungen im Markt.

Unter Druck im Vergleich zur „Mag 7“

Auffällig ist, dass Apples Schwäche nicht aus einem generellen Tech-Abverkauf resultiert. Während viele Titel der „Magnificent Seven“ zuletzt stabil oder freundlich tendierten, belastet bei Apple vor allem die Kombination aus Margendruck im Hardwaregeschäft und Fragen zur Geschwindigkeit der KI-Integration.

Seit dem Hoch im Dezember 2025 hat die Aktie merklich korrigiert, was die Bewertung etwas entschärft hat. Auf Basis der aktuellen Schätzungen liegt das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis laut Morningstar nun bei rund 29. Die Analysten sehen Apple damit in etwa auf ihrem Fair-Value-Niveau von 240 US-Dollar, also nicht mehr so deutlich überteuert wie zuvor.

Ein gewisser Stabilisierungsfaktor ist die jüngst bestätigte Partnerschaft mit Google: Künftig sollen Gemini-Modelle in Siri integriert werden. Das eröffnet Apple eine schnelle Anbindung an leistungsfähige KI-Systeme und liefert eine Argumentationshilfe gegenüber Investoren, die eine klare KI-Strategie einfordern. Gleichzeitig bleibt offen, wie schnell diese Funktionen tatsächlich im Alltag der Nutzer ankommen und sich in Umsatz- und Gewinnwachstum übersetzen.

Ausblick: Zahlen und Termine im Fokus

Der nächste zentrale Prüfstein ist der Quartalsbericht für das Fiskaljahr Q1 2026 am Donnerstag, 29. Januar, nach US-Börsenschluss. Der Konsens rechnet mit einem Gewinn je Aktie von 2,67 US-Dollar bei Erlösen von rund 138,4 Milliarden US-Dollar – ein Plus von etwa 11 % gegenüber dem Vorjahresquartal.

Wichtige Termine der kommenden Wochen im Überblick:

  • 27. Januar: Start des „Apple Experience“-Events in Los Angeles (potenzielles neues MacBook Pro / M5-Newsflow).
  • 29. Januar: Veröffentlichung der Q1-Zahlen (16:30 Uhr ET).
  • 18. Februar: Inkrafttreten einer neuen Gebührenstruktur für Apple-Cash-Sofortüberweisungen.

Charttechnisch nähert sich die Aktie einer Unterstützungszone um 245 US-Dollar. Ein Bruch darunter könnte den Abwärtstrend noch einmal beschleunigen, während ein besser als erwarteter Zahlenbericht oder eine bestätigte M5-MacBook-Pro-Vorstellung dem Titel kurzfristig Auftrieb geben und die seit Wochen laufende Schwächephase beenden dürfte.

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