Amazon stellt seine Infrastruktur leise, aber deutlich neu auf. Statt wie bisher vor allem Strom einzukaufen, steigt der Konzern mit einem Großprojekt direkt in die eigene Energieproduktion ein. Parallel dazu baut AWS Partnerschaften in Industrie und Sport aus, während in Indien eine regulatorische Strafe die Schattenseite des Plattformmodells zeigt. Wie zahlt dieses Gesamtpaket auf Amazons Wachstumsstory ein?

Direkter Einstieg in Solarstrom

In den USA hat sich Amazon in einer Insolvenzauktion das Sunstone-Projekt gesichert – eines der weltweit größten kombinierten Solar- und Speicherprojekte. Für 83 Millionen US‑Dollar erhielt der Konzern am Mittwoch, 14. Januar, den Zuschlag durch ein Gericht.

Das Projekt in Oregon umfasst 1,2 Gigawatt Solarkapazität und 1,2 Gigawatt Speicherkapazität und ist baureif („shovel-ready“). Damit geht Amazon einen Schritt über die bisher üblichen langfristigen Stromabnahmeverträge hinaus und erwirbt direkt ein großes Erzeugungs- und Speicherasset.

Treiber ist der rasch steigende Strombedarf der Rechenzentren in der Region – insbesondere durch KI-Anwendungen. Eigene Kapazitäten sollen helfen, die Energieversorgung langfristig zu sichern und Kosten besser zu kontrollieren. Die Übernahme deutet damit auf einen strukturellen Wandel in Amazons Energie-Strategie hin.

AWS setzt auf Industrie und Sport

Auch die Cloud-Sparte AWS meldete in der vergangenen Woche mehrere Weichenstellungen. Am 15. Januar hat AWS eine zweijährige strategische Partnerschaft mit dem Bergbaukonzern Rio Tinto geschlossen.

Kernpunkte der Zusammenarbeit:

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  • AWS wird erster Kunde für Rio Tintos emissionsärmeren Nuton-Kupfer.
  • Das Kupfer soll in Komponenten für US-Rechenzentren von Amazon eingesetzt werden.
  • Im Gegenzug stellt AWS Cloud-basierte Daten- und Analyselösungen bereit, um die Nuton-Bioleaching-Technologie zu optimieren.

Damit verknüpft Amazon Versorgungssicherheit für kritische Materialien mit der eigenen Nachhaltigkeitsagenda und bindet gleichzeitig einen großen Industriepartner tiefer an die AWS-Plattform.

Zudem hat AWS seine Kooperation mit der PGA Tour ausgebaut und ist nun globaler offizieller Cloud-Anbieter für die PGA Tour und die PGA Tour Champions. Der Fokus liegt auf Datenanalyse, Übertragungsformaten und Fan-Interaktion – ein weiterer Baustein, um AWS-Technologie in breiten Konsumenten- und Sportumfeldern sichtbar zu machen.

Regulierung in Indien als Mahnung

Auf der anderen Seite der Bilanz steht ein regulatorischer Rückschlag in Indien. Die dortige Central Consumer Protection Authority (CCPA) verhängte am 16. Januar eine Geldbuße von 10 Lakh Rupien gegen Amazon Seller Services.

Auslöser war eine Untersuchung, die den großflächigen Verkauf illegaler Walkie-Talkies auf der Plattform feststellte. Viele Geräte funken auf Frequenzen, die eigentlich Sicherheits- und Notdiensten vorbehalten sind. Für einen Konzern in Amazons Größenordnung ist das finanzielle Volumen der Strafe gering, die Maßnahme unterstreicht aber die operative Herausforderung, ein riesiges Drittanbieter-Marktplatzgeschäft mit lokalen Regulierungen in Einklang zu bringen.

Einordnung und Ausblick

Strategisch zeigt sich ein klares Muster: Amazon versucht, zentrale Inputfaktoren für sein Kerngeschäft – Energie und Schlüsselmaterialien – stärker unter eigene Kontrolle zu bringen, während AWS seine Technologie in unterschiedlichen Branchen verankert. Die Kombination aus dem Sunstone-Projekt und dem Nuton-Kupferdeal adressiert sowohl Versorgungssicherheit als auch Nachhaltigkeit, zwei zentrale Themen für den weiteren Ausbau von KI- und Cloud-Infrastruktur.

Die erweiterte PGA-Kooperation dient dagegen eher der Reichweite und Demonstration von AWS-Fähigkeiten in Echtzeitdaten, Analyse und Fan-Engagement. Die Strafe in Indien verdeutlicht, dass regulatorische Risiken im Plattformgeschäft trotz ausgereifter Systeme nicht verschwinden und lokales Compliance-Management ein Dauerbrenner bleibt.

An der Börse hat die Aktie zuletzt nach einer starken Rally etwas Luft abgelassen: Auf Wochensicht liegt das Papier rund 3 % im Minus, im 30‑Tage-Vergleich jedoch deutlich im Plus. Mit einem Schlusskurs von 239,12 US‑Dollar am Freitag bleibt die Aktie nur wenige Prozent unter ihrem 52‑Wochen-Hoch und klar über ihren gleitenden Durchschnitten – ein Hinweis auf einen weiterhin intakten Aufwärtstrend.

Der nächste größere Prüfstein steht bereits fest: Ende Januar legt Amazon seine Quartalszahlen vor. Dann rücken vor allem die Entwicklung von AWS, das Wachstum im E‑Commerce und die Investitionen in KI‑Infrastruktur in den Fokus. Zudem dürfte der Markt genauer darauf schauen, wie sich die neuen Energie- und Rohstoffinitiativen in den künftigen Investitions- und Kostenzahlen widerspiegeln.

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