Amazon lockert ausgerechnet dort seine strikte Büropräsenz-Regel, wo es am heikelsten ist: bei internationalen Tech-Beschäftigten mit Visaproblemen. Parallel dazu setzt der Konzern seine Effizienzmaßnahmen mit kleineren Stellenkürzungen fort, während professionelle Investoren ihr Engagement ausbauen. Die zentrale Frage lautet: Wie stark belasten diese Personal- und Politikthemen die Aktie kurz vor den Quartalszahlen tatsächlich?

Ausnahme von der Präsenzpflicht

Im Mittelpunkt steht eine ungewöhnliche Ausnahme von Amazons strikter „Return-to-Office“-Politik. Intern hat der Konzern eine befristete „Work-from-India“-Regelung für Mitarbeitende beschlossen, die wegen Verzögerungen bei H‑1B‑Visa derzeit nicht in die USA einreisen können.

Laut internen Memos, auf die sich US-Medien berufen, dürfen diese Beschäftigten bis zum 2. März 2026 aus Indien arbeiten. Damit weicht Amazon erstmals sichtbar von der Vorgabe von CEO Andy Jassy ab, die eine Anwesenheit im Büro an fünf Tagen pro Woche vorsieht.

Die Freigabe kommt aber mit deutlichen Einschränkungen. Die betroffenen Kräfte bleiben zwar auf der Gehaltsliste, dürfen aus Indien heraus aber keine Kernaufgaben übernehmen: kein Coding, keine Softwaretests, keine Code-Deployments. Auch strategische Entscheidungen oder Vertragsunterzeichnungen sind untersagt. Hintergrund sind steuerliche und regulatorische Vorgaben, die Amazon strikt einhalten will.

Faktisch entsteht so eine Art „bezahlte Reservebank“, die vor allem ein logistisches Problem lösen soll: Rückstaus in US-Konsulaten haben verhindert, dass Hunderte Tech-Mitarbeiter nach den Feiertagen rechtzeitig in die USA zurückkehren konnten.

Stellenkürzungen und Investorenaktivität

Parallel zur Visa-Sonderregelung werden weitere kleinere Anpassungen beim Personalbestand bekannt. Am Markt kursieren Hinweise auf den Abbau von rund 370 Stellen weltweit. Damit setzt Amazon die Linie fort, nach den größeren Umbauten im späten Jahr 2025 nun gezielt Strukturen zu straffen.

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Auf der Investorenseite zeigen sich institutionelle Adressen weiter engagiert. Neue Meldungen vom Freitag belegen, dass Blue Zone Wealth Advisors LLC seine Position in Amazon ausgebaut hat. Das signalisiert, dass einige Vermögensverwalter trotz des zähen Jahresstarts 2026 am langfristigen Potenzial festhalten.

Kursseitig steht der Titel aktuell bei 230,82 US‑Dollar und damit leicht im Minus gegenüber gestern. Nach dem kräftigen Anstieg der vergangenen 30 Tage um gut 16 % bewegt sich die Aktie nur knapp unter ihrem jüngsten 52‑Wochen-Hoch – ein Zeichen, dass der Markt die Nachrichtenlage eher als normalbetrieblichen Anpassungsprozess einordnet als als Schock.

RTO-Konflikt und Einordnung

Die jetzige Ausnahme ist vor allem vor dem Hintergrund des internen Kulturkonflikts rund um die Präsenzpflicht bemerkenswert. 2025 hatte Amazon eine der härtesten Regelungen im Tech-Sektor durchgesetzt und verlangte von Corporate-Mitarbeitenden durchgängig Büroanwesenheit an allen fünf Arbeitstagen.

Dass der Konzern nun eine – wenn auch stark eingeschränkte – Remote-Option bis März 2026 zulässt, zeigt, wie operative Zwänge auf starre Vorgaben treffen. Ohne die befristete Lösung würden gut ausgebildete Fachkräfte monatelang brachliegen, obwohl sie formell beschäftigt sind.

An der Börse spiegelt sich dieser Spannungsbogen in einer gewissen Vorsicht wider. Die Aktie notiert unter der psychologisch wichtigen Marke von 250 US‑Dollar und eher im unteren Bereich ihrer jüngsten Handelsspanne. Marktteilnehmer verweisen dabei auf zwei zentrale Belastungsfaktoren: regulatorische Unsicherheiten einerseits und hohe Investitionen in den Ausbau der eigenen KI-Infrastruktur andererseits, die kurzfristig auf die Margen drücken können.

Blick auf die nächsten Wochen

Für den weiteren Kursverlauf rückt nun ein klarer Termin in den Fokus: Am 29. Januar 2026 legt Amazon Zahlen für das vierte Quartal und das Gesamtjahr vor. Besonders im Blick steht dann die Produktivitätskennzahl „Umsatz je Mitarbeiter“, weil sich daran ablesen lässt, ob die einschränkenden RTO-Regeln, die Visa-Sonderlösungen und die erneuten, wenn auch kleinen, Stellenkürzungen tatsächlich zu einer effizienteren Organisation führen.

Analysten erwarten trotz der aktuellen Seitwärtsphase Kursniveaus deutlich über dem heutigen Bereich; die genannten Zielspanne reicht von 250 bis 360 US‑Dollar je Aktie. Aus technischer Sicht wäre ein nachhaltiges Überwinden des Bereichs um 233 US‑Dollar ein Signal, dass die kurzfristige Skepsis abebbt, während Schlusskurse klar unter 230 US‑Dollar zusätzlichen Verkaufsdruck in die stille Phase vor den Zahlen bringen könnten.

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