Alibaba steht an einem kritischen Punkt seiner Wachstumsstory: Das Cloud-Geschäft, lange als wichtiger Kurstreiber gehandelt, trifft auf neue Konkurrenz ausgerechnet im lukrativen KI-Segment. Gleichzeitig investiert der Konzern massiv in eigene und externe KI-Lösungen – und erzielt beeindruckende Nutzungserfolge mit seinem Modell Qwen. Entscheidend wird nun, ob diese technologische Stärke reicht, um den wachsenden Wettbewerb abzufedern.

ByteDance als neuer KI-Gegenspieler

Auslöser für den jüngsten Kursrückgang am Dienstag waren neue Marktdaten zum rasanten Ausbau von ByteDance im Unternehmens-Cloudgeschäft. Dessen „Volcano Engine“ hat sich in Chinas Markt für KI-Cloud-Dienste überraschend schnell etabliert.

Alibaba Cloud bleibt mit 35,8 % Marktanteil zwar klar die Nummer eins. Doch ByteDance hat sich mit 14,8 % bereits auf den zweiten Platz vorgearbeitet – und lässt damit Schwergewichte wie Huawei und Tencent hinter sich. Für Anleger steht damit ein zentraler Wachstumsbereich von Alibaba unter zusätzlicher Beobachtung.

Der Druck entsteht vor allem, weil es hier um ein besonders margenstarkes Geschäft geht: KI-Infrastruktur und -Clouddienste gelten als Kern der künftigen Profitabilität. Mehr Wettbewerb in diesem Segment nährt die Sorge vor langsamerem Wachstum und sinkenden Margen in der Cloud-Sparte.

Gestern schloss die Aktie bei 137,80 Euro und liegt damit rund 15 % unter dem 52‑Wochen-Hoch, bleibt aber deutlich über dem Zwischentief von 82 Euro; in den vergangenen zwölf Monaten steht dennoch ein Plus von gut zwei Dritteln zu Buche – ein Zeichen für die bisherige Erholung.

Strategische KI-Investments und Qwen-Erfolg

Alibaba reagiert auf den steigenden Konkurrenzdruck mit einer Doppelstrategie: externer Beteiligung an KI-Startups und dem Ausbau eigener Modelle.

So wurde am 20. Januar bestätigt, dass der Konzern sich an einer neuen Finanzierungsrunde für das chinesische KI-Startup Moonshot AI beteiligt. Die Bewertung des Unternehmens stieg dabei auf rund 4,8 Milliarden US‑Dollar, nach 4,3 Milliarden nur wenige Wochen zuvor. Das signalisiert nicht nur starkes Investoreninteresse an Moonshot AI, sondern unterstreicht auch Alibabas Ansatz, vielversprechende KI-Plattformen frühzeitig zu unterstützen und ins eigene Ökosystem einzubinden.

Parallel dazu feiert das hauseigene KI-Modell Qwen bemerkenswerte Erfolge. Anfang 2026 überschritt die Qwen-Modellfamilie die Marke von 700 Millionen Downloads auf der Entwicklerplattform Hugging Face. Damit gilt Qwen als das weltweit populärste Open-Source-KI-System. Im Dezember 2025 allein übertrafen die Downloads von Qwen die kumulierten Abrufe der acht nächstplatzierten Modelle – darunter Angebote von Meta und OpenAI.

Dieser Erfolg verdeutlicht, wie stark Alibabas Open-Source-Ansatz in der Entwicklercommunity ankommt. Für den Aktienkurs ist jedoch entscheidend, wie schnell und wie profitabel diese Popularität in zahlende Anwendungen und Dienste umgewandelt werden kann.

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Analysten werden vorsichtiger

Trotz der beeindruckenden KI-Meilensteine bleibt der Blick der Analysten nicht uneingeschränkt optimistisch. Ein wichtiges Signal kam bereits am 9. Dezember 2025 von Arete Research: Die Experten stuften die Aktie von „Buy“ auf „Neutral“ herab und setzten ein Kursziel von 172 US‑Dollar.

Die Begründung lag nicht in einer akuten Schwäche des Geschäfts, sondern eher in der wachsenden Unsicherheit rund um die künftige Dynamik im Cloud- und KI-Markt. Die Herabstufung trägt dazu bei, dass Anleger die Story differenzierter sehen – zwischen starkem operativem Momentum und neuen Wettbewerbsrisiken.

Gleichzeitig hat sich die Aktie in den vergangenen zwölf Monaten kräftig erholt. Rund 94 % Kursplus im US-Handel innerhalb eines Jahres spiegeln wider, dass der Markt Alibabas Abkehr von früheren regulatorischen und konjunkturellen Belastungen honoriert. Die Cloud-Intelligence-Sparte lieferte dabei mit einem Umsatzwachstum von 34 % im vergangenen Quartal einen wesentlichen Beitrag.

Dennoch notiert die Bewertung weiterhin unter dem Niveau vieler internationaler Tech-Schwergewichte. Marktbeobachter führen dies vor allem auf anhaltende geopolitische Risiken bei chinesischen Technologiewerten zurück – ein Abschlag, der trotz operativer Fortschritte bestehen bleibt.

Offene KI-Strategie als Differenzierungsfaktor

Spannend ist der strategische Unterschied im Umgang mit KI: Alibaba setzt mit Qwen auf ein offenes, quelloffenes Modell, das breite Nutzung und schnelle Verbreitung ermöglichen soll. ByteDance verfolgt dagegen eher eine geschlossene Plattformlogik, bei der KI stärker in eigene Dienste und Ökosysteme eingebunden wird.

Diese Weichenstellung könnte die technologische Landschaft in China prägen:

  • Offenes Ökosystem (Alibaba/Qwen): Starke Entwicklerbasis, hohe Verbreitung, gute Voraussetzungen für schnelle Innovation, aber zunächst begrenzte direkte Monetarisierung.
  • Geschlossene Modelle (u. a. ByteDance): Eng integrierte Anwendungen, klarere Bezahlmodelle, potenziell höhere direkte Erlöse pro Nutzer.

Für Alibaba wird damit zentral, wie effizient das Unternehmen aus seiner Reichweite im Open-Source-Bereich langfristig konkrete Umsätze in Cloud- und Softwarediensten generieren kann.

Ausblick: Marktanteil verteidigen, Qwen monetarisieren

In den kommenden Monaten rückt besonders ein Punkt in den Fokus: Alibaba muss seine führende Marktposition von 35,8 % im chinesischen KI-Cloudmarkt verteidigen, ohne die Profitabilität zu stark zu belasten. Preiskämpfe oder aggressive Investitionsprogramme könnten zwar das Wachstum sichern, aber auf die Margen drücken.

Das nächste Quartalsergebnis wird daher zum wichtigen Prüfstein. Anleger erwarten konkrete Aussagen des Managements zu:

  • geplanten Investitionen und Kapitalausgaben im KI- und Cloudbereich,
  • Strategien zur Monetarisierung des stark genutzten Qwen-Modells,
  • dem Umgang mit der wachsenden Konkurrenz, insbesondere durch ByteDance.

Analystenseitig bleibt die Stimmung trotz einzelner Herabstufungen überwiegend positiv, mit einem durchschnittlichen 12‑Monats-Kursziel von 203,66 US‑Dollar. Entscheidend für den mittelfristigen Trend wird sein, ob Alibaba in den kommenden Zahlen sowohl stabiles Wachstum in der Cloud-Sparte als auch einen nachvollziehbaren Pfad zur stärkeren finanziellen Nutzung seiner KI-Plattformen aufzeigen kann.

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