Liebe Leserinnen und Leser,

gestern blickten wir an dieser Stelle auf die Ernüchterung des Black Friday, an dem der menschliche Konsument trotz Rabattschlachten die Geldbörse zuließ. Die Ironie der Geschichte ließ nicht lange auf sich warten: Während der Mensch spart, bereitet die Wall Street die Bühne für einen Konsumenten, der niemals schläft, niemals zweifelt und niemals "zu teuer" sagt.

Die Rede ist von der "Agentic AI". Wenn es nach den Strategen von Morgan Stanley geht, stehen wir unmittelbar vor einer ökonomischen Zäsur. Der Kühlschrank, der Milch bestellt, war gestern. Morgen verhandelt Ihr digitaler Agent an der Rohstoffbörse und bucht den Tisch beim Italiener, noch bevor Sie selbst wissen, dass Sie Hunger haben. Es ist der Übergang von der Spielerei zur Transaktion – und damit zum großen Geld.

Doch während die Technologie in den Himmel wächst, bröckelt am Boden das Fundament: In Berlin streitet der Mittelstand über die politische Haltung zur AfD, und in China führen Sicherheitsmängel zu einem bürokratischen Stillstand.

Lassen Sie uns die Themen ordnen, die das Wochenende prägen.

Wenn Software shoppen geht: Der neue 400-Milliarden-Markt

Es ist eine stille Revolution, die sich zum Wochenausklang in den Analysten-Kommentaren an der Wall Street bahnbrach. Der Begriff der Stunde lautet „Agentic Commerce". Wir verlassen die Ära der passiven KI-Modelle, die uns Texte dichten oder Bilder malen, und betreten das Zeitalter der autonomen Agenten. Software wird vom Werkzeug zum Akteur.

Morgan Stanley veröffentlichte dazu am Freitag eine Prognose, die aufhorchen lässt: Die Bank sieht einen direkten Pfad zu einem Marktvolumen von fast 400 Milliarden US-Dollar. Die Logik ist bestchend: KI-Agenten werden zu den neuen Gatekeepern des Konsums. Wer die Schnittstelle kontrolliert, an der der Agent „bezahlt", kontrolliert den Markt. Mizuho Securities sprang gestern Morgen mit einer eigenen Analyse bei und wischte Bedenken beiseite, das Thema sei überhypt. Im Gegenteil: Wir stünden erst am Anfang einer Entwicklung, in der der Algorithmus nicht mehr nur Produktvorschläge macht, sondern die Kaufentscheidung trifft.

Für Sie als Anleger verschiebt sich der Fokus dramatisch. Die Frage ist nicht mehr, wer den besten Chatbot hat, sondern wer die Plattform für die Transaktionen der Zukunft stellt.

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Genau zu diesem Thema hat Chefanalyst Carsten Müller eine umfassende Strategie entwickelt, die sich auf die nächste Generation von Tech-Giganten konzentriert. In seinem kostenlosen Webinar zum "Projekt Future Money" stellt er 20 handverlesene Zukunftsaktien vor – aus KI-Infrastruktur, Raumfahrt, Biotech und Robotik – mit einem durchschnittlichen Potenzial von jeweils 517 Prozent bis 2026. Das zugrunde liegende NextGen-20-Depot hat bereits über 400 Prozent Gesamtperformance erzielt, mit Einzelwerten wie Palantir (+1186%), Rocket Lab (+1019%) oder AST SpaceMobile (+1604%). Müller zeigt konkret, wie er mit seiner dreistufigen Future-Money-Formel die Gewinner von morgen identifiziert, bevor sie die breite Masse entdeckt. Sie erhalten zudem einen Sonderreport zu den fünf mächtigsten Zukunftstrends für 2026. Details zur Future-Money-Strategie und den 20 Zukunftsaktien

Risse in der Brandmauer: Der gefährliche Flirt der Familienunternehmer

Während das Silicon Valley die Zukunft plant, kämpft die deutsche Wirtschaftselite mit den Geistern der politischen Gegenwart. Ein seit Tagen schwelender Konflikt im Verband der Familienunternehmer erreichte gestern eine neue Eskalationsstufe.

Führende Ökonomen übten scharfe Kritik an einer wahrnehmbaren Öffnung des Verbands gegenüber der AfD. Jens Südekum, Ökonom und Berater der SPD-Spitze, fand im „Handelsblatt" deutliche Worte: Er warnte davor, dass sich der Verband zum „Steigbügelhalter" degradiere. Die wirtschaftliche Brisanz liegt auf der Hand: Während einige Unternehmer offenbar auf pragmatische Kanäle zur Opposition hoffen, warnen die Ökonomen vor dem „inhaltlichen Vakuum" der Partei.

Für den Standort Deutschland, der von globaler Vernetzung und Export lebt, ist dieser Flirt mit dem Populismus ein Spiel mit dem Feuer. Dass Schwergewichte wie Rossmann und Vorwerk bereits ihren Austritt aus dem Verband erklärt haben, zeigt, wie tief der Riss geht. Es ist längst keine rein politische Debatte mehr – es wird zum handfesten Reputationsrisiko für die Marke „Made in Germany".

China zieht die Zügel an: Stillstand bis zum Stempel

Ein Blick nach Fernost zeigt, wie schnell physische Risiken ökonomische Realitäten schaffen können. Nach dem verheerenden Brand in Hongkong, der nach aktuellen Meldungen 128 Menschenleben forderte, reagiert Peking mit der Härte des Zentralstaats.

Das Ministerium für Notfallmanagement kündigte am Freitag landesweite Inspektionen von Hochhäusern an. Was zunächst nach einer notwendigen Sicherheitsmaßnahme klingt, hat das Potenzial, Lieferketten und Bauprojekte massiv zu verzögern. Investoren mit China-Erfahrung erinnern sich ungern an frühere Kampagnen, bei denen ganze Industrieparks über Nacht stillgelegt wurden. Besonders Gebäude im Renovierungsstatus stehen im Fokus. Für Unternehmen mit Produktion oder Büros in Chinas vertikalen Metropolen bedeutet dies in den kommenden Wochen: Stillstand bis zum behördlichen Stempel.

Apples Thronfolge: Die Ära nach Cook

Zum Schluss ein Blick nach Cupertino, wo sich an diesem Wochenende die Hinweise auf das Ende einer Ära verdichten. Tim Cook, 65 Jahre alt und Architekt des 3-Billionen-Dollar-Aufstiegs, bereitet offenbar seinen Abschied vor.

Die Nachfolgeplanung läuft auf Hochtouren, und der Name, der in Branchenkreisen immer lauter geflüstert wird, ist John Ternus, der aktuelle Hardware-Chef. Es ist eine Personalie, die für Kontinuität steht – genau das, was die Märkte schätzen. Cook hat Apple von einer Innovationsschmiede zu einer operativen Geldmaschine transformiert. Die Aufgabe seines Nachfolgers wird jedoch ungleich schwerer: Er muss Apple nicht nur verwalten, sondern in der Welt der oben erwähnten „Agentic AI" neu erfinden. Das nächste iPhone zu bauen, wird nicht genügen, wenn die Kunden der Zukunft Software-Agenten sind.

Das Fazit

Wir sehen an diesem Samstag ein faszinierendes Spannungsfeld: Auf der einen Seite die fast grenzenlose Fantasie der künstlichen Intelligenz, die unsere Kaufgewohnheiten revolutionieren will. Auf der anderen Seite die sehr realen, analogen Risiken – sei es durch politische Instabilität in Berlin oder Sicherheitsmängel in China.

Vielleicht ist das die wichtigste Lektion dieser Woche: Technologie kann Märkte schaffen, aber sie enthebt uns nicht der Verantwortung für die politischen und physischen Fundamente unseres Wirtschaftens.

Ich wünsche Ihnen einen inspirierenden restlichen Samstag und einen ruhigen Sonntag.

Herzlichst,

Ihr Eduard Altmann