ZEW-Beben, Australiens Zinsschock und das Billionen-Versprechen aus dem Silicon Valley
Liebe Leserinnen und Leser,
gestern beschrieb ich Ihnen drei Fronten – Frankfurt, den Persischen Golf, die Krypto-Welt. Heute hat das Mannheimer ZEW-Institut eine vierte eröffnet. Minus 58,8 Punkte bei den Konjunkturerwartungen. Das ist kein statistisches Rauschen. Das ist die Kapitulation der Zuversicht.
Während sich die geopolitische Krise am Golf in den Ölpreis frisst, zeigt das Stimmungsbarometer, was das für die Realwirtschaft bedeutet: Die Erwartungen sind ins Minus gerutscht, auf minus 0,5 Punkte. Entgegen sämtlicher Analystenprognosen. Und während die traditionelle Industrie unter dieser Last ächzt, scheint die digitale Ökonomie aus KI und Krypto in einem Paralleluniversum zu operieren.
Mannheims Warnschuss – und Sewings Klartext
Helaba-Ökonom Ulrich Wortberg spricht von „tiefen Spuren\", die der Ölpreis jenseits der 100-Dollar-Marke hinterlässt. Der Iran-Konflikt, die gesperrte Straße von Hormus, die Energiekosten – all das verdichtet sich im ZEW-Index zu einer einzigen Zahl, die schwerer wiegt als jede Analystenumfrage.
Auch in den Frankfurter Chefetagen ist die Botschaft angekommen. Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing warnte auf einer Konferenz unmissverständlich: Der Iran-Krieg könne zum handfesten Rückschlag für die deutsche Wirtschaft werden. Die Aktie quittierte das mit einem Minus von 1,8 Prozent auf 25,44 Euro im XETRA-Handel. Dass der DAX sich zur Mittagszeit dennoch mit einem hauchdünnen Plus von 0,1 Prozent bei 23.592 Punkten hielt, verrät weniger über Stärke als über eine womöglich trügerische Hoffnung auf ein rasches Ende der Kampfhandlungen.
Australien prescht vor – Europa zögert
Die Inflationsangst ist zurück, und sie kommt diesmal nicht aus Washington. Die Reserve Bank of Australia hat als erste große Notenbank auf die neue Energiepreisrealität reagiert: 25 Basispunkte nach oben, Leitzins jetzt bei 4,1 Prozent – ein Zehn-Monats-Hoch. Die Entscheidung unter Gouverneurin Michele Bullock fiel mit 5:4 Stimmen denkbar knapp aus. Die Kerninflation bei 3,4 Prozent ließ ihr kaum eine Wahl.
Für Europa ist das ein Warnsignal. Die Bank of America rechnet damit, dass die Bank of England im März die Zinsen unverändert lässt – der Energieschub birgt handfeste Stagflationsrisiken für das Vereinigte Königreich. Die Märkte, die noch vor wenigen Wochen auf breite Zinssenkungen gewettet hatten, werden gerade eines Besseren belehrt. Gestern schrieb ich Ihnen, die Handlungsblockade der Notenbanken bleibe vollständig intakt. Australiens Zinsschritt zeigt nun: Manche Zentralbanken sehen sich sogar zum Gegenteil gezwungen.
Huangs Billionen-Wette – und ihr physischer Preis
Vom Zinsdilemma in die Zukunft. Jensen Huang hat auf der GTC-Konferenz geliefert, wie gestern erwartet. Der Nvidia-CEO sieht bis 2027 eine Umsatzchance von mindestens einer Billion Dollar im Bereich der KI-Chips – Blackwell- und Rubin-Architektur als Fundament. Goldman Sachs und Stifel bestätigten prompt ihre Kursziele von 250 Dollar.
Die digitale Revolution hat allerdings eine sehr physische Komponente, die gern übersehen wird. Wer KI will, braucht Rechenzentren. Wer Rechenzentren baut, braucht Kupfer, Silber und vor allem Energie. Wie lukrativ diese Brücke zwischen digitaler und analoger Welt sein kann, zeigen die Jahreszahlen des BlackRock World Mining Trust: 74,2 Prozent NAV-Gesamtrendite für 2025. Der Treiber? Neben der Energiewende ist es der gewaltige KI-Infrastrukturausbau, der die Metallnachfrage explodieren lässt. Die alte Welt profitiert von der neuen – nur eben nicht dort, wo man es erwartet.
Genau diese Logik – dass die eigentlichen Gewinner im Schatten der Giganten operieren – steht im Mittelpunkt eines kostenlosen Webinars der „Depot-Architekten". Die Strategen Dr. Bernd Heim und Jörg Mahnert zeigen darin, wie man nicht auf Nvidia oder Rheinmetall selbst setzt, sondern auf die hochspezialisierten Zulieferer, die diese Konzerne erst funktionsfähig machen – von Kühlsystemen für KI-Serverfarmen bis zu Antriebskomponenten für Verteidigungssysteme. Das Konzept basiert auf zwei Depots: einem Value-Fundament aus bis zu zehn soliden Zuliefererwerten und einem Chancen-Depot, das mit gezielten Hebelpositionen auf kurzfristige Kursimpulse setzt. Den Einstieg können Interessierte 30 Tage lang kostenlos testen – inklusive konkreter Kaufempfehlungen mit ISIN, Kursziel und Stop-Loss direkt zum Start. Webinar: Zulieferer-Strategie der Depot-Architekten kostenlos testen
Bitcoin bei 75.000 Dollar – Flucht oder Überzeugung?
Am Kryptomarkt setzt sich die Dynamik fort, die ich in den letzten Tagen beschrieben habe. Bitcoin durchbrach kurzzeitig die 75.000-Dollar-Marke und pendelt sich bei über 74.000 Dollar ein. Ethereum kletterte auf über 2.317 Dollar.
Warum steigen hochriskante Assets inmitten eines drohenden Flächenbrands am Golf? Die Kapitalflüsse liefern die Antwort: Allein am Montag flossen 1,3 Milliarden Dollar netto in US-Bitcoin-ETFs, davon 139,4 Millionen in den BlackRock IBIT. Krypto-Vordenker Arthur Hayes formuliert eine These, die an der Wall Street zunehmend Resonanz findet: In Zeiten extremer geopolitischer Unsicherheit werde Bitcoin von institutionellen Investoren als Wertaufbewahrungsmittel dem physischen Gold vorgezogen. Letzte Woche waren es 767 Millionen Dollar ETF-Zuflüsse, diese Woche fast das Doppelte an einem einzigen Tag. Die Beschleunigung ist bemerkenswert – und sie relativiert regulatorische Nadelstiche wie die heutige 25-Millionen-Dollar-Strafe gegen die südkoreanische Börse Bithumb.
Lichtblicke aus Ingolstadt und Frankfurt
Abseits der Makro-Verwerfungen sendet die deutsche Unternehmenslandschaft durchaus positive Signale. Audi meldet für 2025 einen Gewinn nach Steuern von 4,6 Milliarden Euro – ein Plus von zehn Prozent. Zur analytischen Ehrlichkeit gehört allerdings: Der Anstieg verdankt sich vor allem einer Ausgleichszahlung des Mutterkonzerns Volkswagen, die das Finanzergebnis auf 2,2 Milliarden Euro verdoppelte. Organisch sieht die Lage weniger rosig aus.
Bei der Lufthansa gibt es Bewegung im festgefahrenen Tarifkonflikt. Der Konzern hat der Vereinigung Cockpit ein Angebot vorgelegt, das über eine clevere Überführung der Übergangsversorgung die Betriebsrente um bis zu 50 Prozent verbessern könnte – ohne Mehrkosten für das Unternehmen. In Zeiten, in denen fast jede Verhandlung zum Nullsummenspiel wird, ein seltener konstruktiver Ansatz.
Quintessenz
Zwei Welten, ein Portfolio. Die Realwirtschaft wird durch teures Öl und geopolitische Schocks in Richtung Stagnation gedrückt – der ZEW-Index ist der jüngste Beleg, Australiens Zinserhöhung der nächste. Gleichzeitig treiben ein beispielloser KI-Investitionsboom und die Suche nach digitalen Fluchtpunkten Technologiewerte und Krypto-Assets auf neue Höhen. Für Anleger bedeutet das: Diversifikation war selten so komplex – und selten so zwingend wie in diesen Wochen.
Herzlichst, Ihr
Eduard Altmann








