Deutschlands Wohnungsmarkt ist eingefroren. Das war die düstere Bilanz des 17. Wohnungsbau-Tags in Berlin. Während die Politik an rechtlichen Erleichterungen wie dem „Gebäude-Typ E“ arbeitet, legt die Branche einen Vier-Punkte-Plan vor. Ihr Ziel: den drohenden Kollaps abwenden.

Warum Umzüge zum finanziellen Risiko werden

Der Markt ist erstarrt. Eine aktuelle Studie zeigt: Die Fluktuation im Wohnungsbestand kommt fast zum Erliegen. Der Grund? Ein Umzug lohnt sich für viele Mieter finanziell nicht mehr. Wer aus einer alten, großen Wohnung in eine kleinere, moderne zieht, zahlt oft mehr Kaltmiete als zuvor.

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Die Folgen sind dramatisch. Fast 10 Millionen Menschen leben in überbelegten Wohnverhältnissen – 1,4 Millionen mehr als zu Beginn des Jahrzehnts. Besonders betroffen ist die junge Generation: Fast jedes fünfte Kind wächst in einer zu kleinen Wohnung auf. Die Verbände warnen vor einer Gefährdung des sozialen Friedens.

Neubau stürzt ab – 200.000er-Marke wackelt

Die Nachfrage ist riesig, doch der Neubau bricht ein. Experten prognostizieren für dieses Jahr weniger als 200.000 Fertigstellungen. Das wäre nicht einmal die Hälfte des politischen Ziels von 400.000 neuen Wohnungen jährlich.

Die Kosten sind explodiert. In deutschen Großstädten kostet ein Quadratmeter Wohnfläche im Schnitt über 4.630 Euro – ohne Grundstück. Mit Bodenpreisen sind es rund 5.400 Euro. Folge: Neu gebaute Wohnungen sind kaum noch unter 18 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter rentabel. Der Neubau entkoppelt sich komplett von der Zahlungsfähigkeit breiter Schichten.

Politik setzt auf „Gebäude-Typ E“ und Bau-Turbo

Die Antwort der Politik sind regulatorische Erleichterungen. Bundesbauministerin Verena Hubertz treibt die Einführung des „Gebäude-Typ E“ voran. Das neue Gesetz soll Abweichungen von teuren Komfortstandards erlauben, um Baukosten zu senken.

Ergänzt wird das vom „Bau-Turbo“ nach Paragraf 246e. Erste Daten aus Hamburg zeigen Wirkung. Doch die Branche mahnt: Bauunternehmer brauchen rechtliche Sicherheit. Ein reduzierter Standard darf nicht Jahre später zu kostspieligen Haftungsklagen führen. Ein begleitendes Gesetz zur Aktualisierung des Bauvertragsrechts sei unerlässlich.

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Externe Schocks heizen die Krise an

Geopolitische Spannungen und steigende Zinsen verschärfen die Lage. Der Konflikt im Iran sorgt für Unsicherheit bei den Energiepreisen. Das verteuert Baustoffe und den Betrieb von Maschinen.

Gleichzeitig knackten die Bauzinsen für zehnjährige Darlehen wieder die Marke von 4,0 Prozent. Das schreckt private Bauherren und Investoren ab. Ein Warnsignal sind auch ausgesetzte Rücknahmen bei Immobilienfonds. Experten sehen darin eine tiefgreifende Vertrauenskrise.

Vier-Punkte-Plan gegen den Kollaps

Zum Abschluss des Gipfels präsentierte die Branche einen konkreten Fahrplan. Sie fordert eine verlässliche, von der Haushaltslage unabhängige Förderung. Wohnungsbau müsse als Teil der staatlichen Daseinsvorsorge begriffen werden.

Neben dem „Gebäude-Typ E“ verlangen die Verbände eine Vereinfachung der Genehmigungsverfahren durch Digitalisierung und bundesweit einheitliche Bauordnungen. Die kommenden Monate werden zeigen, ob diese Maßnahmen ausreichen, um das Eis am Wohnungsmarkt zu brechen.