Liebe Leserinnen und Leser,

„Cash ist King" – so lautet heute das Motto an den Märkten. Und das sagt eigentlich alles. Denn wenn Aktien fallen, ist das normal. Wenn gleichzeitig Anleihen fallen, ist das beunruhigend. Wenn aber Aktien, Anleihen und Gold gemeinsam abrutschen, dann läuft etwas grundlegend schief. Genau das erleben wir heute Morgen – und der Auslöser ist bekannt: Der Iran-Krieg tritt in seine vierte Woche, Trump hat Teheran ein Ultimatum gestellt, und die Finanzmärkte fragen sich, wie tief dieser Strudel noch reichen kann. Heute schaue ich mir an, warum diese Krise anders wirkt als die letzten, was das für Immobilien- und Rüstungsaktien bedeutet – und warum Bitcoin sich in diesem Chaos bemerkenswert still verhält.

Das Ultimatum und seine Folgen: Kein sicherer Hafen mehr in Sicht

Trumps 48-Stunden-Frist an Teheran, die Straße von Hormuz zu öffnen, hat die Märkte heute Morgen in eine neue Panikwelle getrieben. Der DAX fiel zur Eröffnung unter die 22.000-Punkte-Marke – das erste Mal seit dem Zoll-Schock vom April 2025. Brent-Öl notiert bei rund 114 Dollar, weit entfernt von den 70 Dollar vor Kriegsausbruch Ende Februar.

Was diese Situation von früheren Ölkrisen unterscheidet, beschreibt Marktstratege Stephen Innes von SPI Asset Management treffend: „Wenn die Ölarterie sich verengt, atmet das ganze System durch einen Strohhalm." Es geht längst nicht mehr um einzelne Eskalationsereignisse. Es geht um die schiere Länge des Konflikts – und die Erkenntnis, dass niemand weiß, wie er endet.

Besonders beunruhigend ist das, was Innes als „Flucht über alle Assetklassen" beschreibt. Gold verliert heute rund 5 Prozent auf etwa 4.250 Dollar je Unze – nachdem es in der vergangenen Woche bereits über 10 Prozent eingebüßt hatte, den stärksten Wochenverlust seit Februar 1983. Der Grund: Märkte fürchten, dass anhaltend hohe Energiepreise die Inflation anheizen und Zentralbanken zu Zinserhöhungen zwingen. Ein Umfeld steigender Zinsen macht Gold, das keine Rendite abwirft, schlicht unattraktiv.

Goldman Sachs erwartet inzwischen zwei EZB-Zinserhöhungen – im April und im Juni – mit einem Einlagensatz von dann 2,5 Prozent. Das ist eine dramatische Kehrtwende gegenüber der noch vor wenigen Wochen erwarteten Zinssenkungsserie.

Immobilienaktien im freien Fall: Stagflation trifft die verwundbarste Branche

Kaum eine Branche leidet stärker unter diesem Szenario als Immobilien. Der europäische Sektorindex Stoxx Europe 600 Real Estate verlor heute zeitweise 3,6 Prozent – der tiefste Stand seit dem Zoll-Schock vom April 2025. Seit Kriegsausbruch hat der Sektor 17 Prozent verloren.

Vonovia, größter DAX-Verlierer des Tages, büßte zeitweise fast 5 Prozent ein. Im MDAX verloren TAG Immobilien, Aroundtown und LEG Immobilien bis zu 5 Prozent. Der Mechanismus dahinter ist einfach: Steigende Anleiherenditen – die zehnjährige Bundesanleihe erreichte heute den höchsten Stand seit 2011 – verteuern die Refinanzierung von Immobilienunternehmen direkt. Gleichzeitig schwächt eine drohende Stagflation die Mietentwicklung.

Stagflation ist das Schlimmste, was einer Zentralbank passieren kann: Sie kann nicht stimulieren, ohne Inflation anzufachen, und sie kann nicht straffen, ohne die Wirtschaft abzuwürgen. Für Immobilienaktien bedeutet das: Der Gegenwind kommt von allen Seiten gleichzeitig.

Rüstung im Rückwärtsgang – aber aus welchem Grund?

Eigentlich sollte man meinen, ein eskalierender Nahostkonflikt sei Wasser auf die Mühlen der Rüstungsbranche. Doch Rheinmetall verlor heute im DAX rund 3 Prozent, HENSOLDT und RENK im MDAX sogar bis zu 6 Prozent. Das klingt paradox.

Die Erklärung liegt im breiteren Marktumfeld: Wenn Panik herrscht und Geld schlicht abgezogen wird – ohne Rotation in andere Sektoren –, dann fallen auch Rüstungstitel mit. Hinzu kommt, dass Rheinmetall trotz einer konkreten Milliardenchance unter Druck gerät: Das Unternehmen rechnet damit, im Sommer als Generalunternehmer für den Bau der Fregatte F126 beauftragt zu werden – ein Programm mit einem Gesamtvolumen von rund zehn Milliarden Euro. Die erste Fregatte soll demnach im zweiten Halbjahr 2031 ausgeliefert werden. Gute Nachrichten – die der Markt heute trotzdem ignoriert.

Eine Ausnahme bildet Vincorion, die nach ihrem erfolgreichen Börsengang vergangene Woche heute gegen den Trend um weitere 1,2 Prozent zulegen konnte. Kleiner Lichtblick in einem düsteren Umfeld.

Anzeige: Was bedeutet das konkret für uns als Anleger, wenn selbst Rüstungstitel wie Rheinmetall trotz guter Nachrichten fallen? Marktanalyst Carsten Müller hat in seiner Cash-Rallye-Strategie gezeigt, dass genau solche Volatilitätsphasen die besten Einstiegspunkte liefern können – Rheinmetall war in seinem System zuletzt ein Gewinnertrade mit +136,5 %. In seinem Webinar erklärt er, wie er zweimal wöchentlich konkrete Handelssignale aus Aktien, Rohstoffen und Kryptos ableitet – unabhängig davon, ob die Märkte steigen oder fallen. Webinar: Cash-Rallye – Handelssignale für volatile Märkte

BGH-Urteil: BMW und Mercedes behalten ihren Spielraum

Abseits der großen Makrogeschichte gab es heute auch ein juristisches Urteil mit Relevanz für zwei DAX-Schwergewichte. Der Bundesgerichtshof wies die Klimaklagen der Deutschen Umwelthilfe gegen BMW und Mercedes-Benz ab. Die DUH hatte versucht, den Autoherstellern per Zivilklage zu untersagen, nach November 2030 noch Verbrenner-Neuwagen zu verkaufen.

Das Gericht stellte klar: Klimaziele sind Sache des Gesetzgebers, nicht der Rechtsprechung. Privatpersonen können solche Forderungen nicht gegen Unternehmen durchsetzen. Für BMW und Mercedes ist das eine Entlastung – auch wenn beide Aktien heute trotzdem im Minus notieren. BMW verlor rund 2 Prozent, Mercedes etwa 1,7 Prozent. Der Gesamtmarkt drückt eben alles nach unten. Die DUH prüft nun eine Verfassungsbeschwerde – das letzte verbleibende Mittel.

Alphabet und Meta: EU-Druck wächst – und die Aktien reagieren sofort

Wer glaubte, Big Tech sei von der aktuellen Krise weitgehend verschont, lag falsch. Alphabet und Meta verloren heute vorbörslich rund 1,6 beziehungsweise 1,2 Prozent – ausgelöst durch eine neue Runde im EU-Regulierungspoker.

EU-Wettbewerbskommissarin Teresa Ribera reist diese Woche in die USA, um die CEOs von Google, Meta, OpenAI und Amazon persönlich zu treffen. Ihre Botschaft vorab: Eine Entscheidung im Google-DMA-Verfahren kommt. Wann genau, ließ sie offen – aber der Druck ist spürbar. Lobby-Gruppen beklagen, dass die Untersuchung der Google-Suche seit fast zwei Jahren läuft, ohne Ergebnis. Parallel dazu hat Meta gerade angeboten, konkurrierenden KI-Chatbots gegen eine Gebühr Zugang zu WhatsApp zu gewähren – ein taktisches Zugeständnis, kurz bevor die EU eine einstweilige Verfügung androhte.

Für Anleger mit Positionen in Alphabet oder Meta bleibt die Frage offen, wie hoch eine mögliche Strafe ausfallen könnte. Googles letzte EU-Geldbuße belief sich auf 2,95 Milliarden Euro – schmerzhaft, aber für ein Unternehmen dieser Größe verkraftbar. Strukturelle Auflagen wären deutlich gefährlicher.

Bitcoin: Ruhig im Sturm – aber wie lange noch?

Zum Abschluss ein Blick auf Krypto. Bitcoin notiert heute bei rund 68.500 Dollar – ein leichtes Plus von 0,5 Prozent gegenüber gestern. Das klingt unspektakulär, ist aber im Kontext bemerkenswert: Während Aktien, Anleihen und Gold heute allesamt fallen, hält sich Bitcoin stabil.

Allerdings sollte man das nicht überbewerten. Bitcoin hat seit seinem Rekordhoch von rund 136.000 Dollar – das war Anfang des Jahres – bereits fast die Hälfte verloren. Die aktuelle Stabilität könnte einfach bedeuten, dass der Markt bereits ausreichend ausverkauft ist. Oder dass Krypto-Anleger gerade schlicht nicht wissen, in welche Richtung sie handeln sollen. Systematische Fonds – sogenannte CTAs – bauen laut Bank of America derzeit Short-Positionen in Aktien auf und verkaufen US-Staatsanleihen. Krypto taucht in dieser Analyse kaum auf. Das ist kein Freifahrtschein, aber auch kein Alarmsignal.

Ausblick: Die Woche, die alles entscheiden könnte

Diese Woche stehen mehrere wichtige Daten an. Am Dienstag erscheinen die Einkaufsmanagerindizes für die Eurozone – Analysten der DekaBank erwarten breitbasierte Rückgänge aufgrund des Kriegs. Am Mittwoch folgt der ifo-Geschäftsklimaindex, der nach Einschätzung der Commerzbank ebenfalls deutlich fallen dürfte. Und am Donnerstag gibt das GfK-Konsumklima Aufschluss darüber, wie stark die Kaufkraftängste bei deutschen Verbrauchern bereits angekommen sind.

Das eigentliche Schlüsselereignis lässt sich jedoch nicht in einen Kalender eintragen: Trumps Ultimatum läuft heute Abend aus. Ob die USA tatsächlich iranische Energieinfrastruktur angreifen, ob Iran die Straße von Hormuz vollständig schließt oder ob doch noch Diplomatie greift – diese Frage überlagert alles andere. Charttechniker Christoph Geyer bringt es auf den Punkt: „Eine nachhaltige Verbesserung der Lage ist nur mit einem Ende der Kampfhandlungen zu erwarten."

Bis dahin gilt: Kühlen Kopf bewahren, Positionen kennen, nicht in Panik handeln.

Auf eine informierte Woche,

Andreas Sommer