Liebe Leserinnen und Leser,

wissen Sie, was das Jahr 1871 mit diesem Sonntag verbindet? Es liefert uns den historischen Maßstab für das, was wir gerade an den Aktienmärkten erleben – und der sollte jeden Anleger aufhorchen lassen.

Das vielbeachtete Shiller-KGV, jenes Bewertungsmaß, das Aktienkurse ins Verhältnis zu den inflationsbereinigten Gewinnen der letzten zehn Jahre setzt, erreichte in dieser Woche einen Wert von 40,02. Um das einzuordnen: Der zweithöchste Stand seit 155 Jahren. Nur auf dem absoluten Höhepunkt der Dotcom-Blase waren US-Aktien noch teurer bewertet. Historisch folgten auf Werte über 30 stets signifikante Marktkorrekturen.

Dieser historischen Überbewertung steht die harte geopolitische Realität gegenüber, die in den letzten Tagen mit voller Wucht auf das Parkett durchschlug. Die Wall Street erlebte die schlechteste Woche seit fast einem Jahr – der Dow Jones verlor zeitweise über 800 Punkte. Der "Trump-Bullenmarkt", der den S&P 500 allein in diesem Jahr durch Aktienrückkäufe von über einer Billion Dollar nach oben trieb, steht plötzlich auf dem Prüfstand.

Der Öl-Stresstest für die Weltwirtschaft

Der Auslöser für den Stimmungsumschwung liegt im Nahen Osten. Die eskalierenden, koordinierten Angriffe der USA und Israels auf den Iran haben eine neue Qualität erreicht. Am Wochenende bombardierte Israel erstmals ein Öllager im Süden Teherans – dichte Rauchschwaden verdunkelten den Himmel über der iranischen Hauptstadt. Gleichzeitig machte US-Präsident Donald Trump unmissverständlich klar, dass er an Verhandlungen nicht interessiert sei, solange die militärische Führung in Teheran nicht vollständig ausgeschaltet ist.

Die Reaktion der Rohstoffmärkte war brutal: Der Preis für US-Leichtöl schoss über 80 Dollar, in der Spitze sogar über 90 Dollar pro Barrel. Seit Ende 2025 hat sich Rohöl damit um rund 40 Prozent verteuert. Für die ohnehin nervösen Rentenmärkte ist das ein Alarmsignal. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kletterte im Wochenverlauf um über 20 Basispunkte auf 4,14 Prozent. Die Furcht der Investoren: Ein anhaltender Ölpreisschock könnte die Inflation neu entfachen und die Notenbanken in eine geldpolitische Schockstarre zwingen.

Stagflations-Sorgen und die europäische Realität

Dass diese Sorge berechtigt ist, zeigte der überraschend schwache US-Arbeitsmarktbericht vom Freitag. Die US-Wirtschaft verlor unerwartet 92.000 Stellen, die Arbeitslosenquote stieg auf 4,4 Prozent. Steigende Preise bei gleichzeitig schwächelndem Wachstum – das Gespenst der Stagflation geht wieder um.

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Für Europa kommt diese Entwicklung zur Unzeit. Während in den USA zumindest der Tech-Sektor noch glänzt, zeigt der Blick auf die heimische Industrie tiefe Risse. Jüngste Eurostat-Daten belegen, dass die Industrieproduktion in der Eurozone im Dezember 2025 im Monatsvergleich um weitere 1,4 Prozent geschrumpft ist.

Wie sich diese abstrakten Zahlen in der Realität anfühlen, lässt sich derzeit in Sachsen beobachten. Im VW-Werk Zwickau kämpfen die Beschäftigten um ihre Zukunft. Ein 60 Milliarden Euro schweres Sparprogramm, das die Kosten bis 2028 um 20 Prozent senken soll, hängt wie ein Damoklesschwert über dem Standort. „Lasst uns alle gemeinsam kämpfen, dass wir nach dem 31.12.2030 hier noch ein Volkswagen-Logo am Tor haben", appellierte der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Mike Rösler. Ein Sinnbild für den fundamentalen Umbruch der europäischen Kernindustrien.

Halbleiter-Poker: Europas gefährlicher Zwischenraum

Während die traditionelle Industrie kämpft, werden in der Technologiebranche die Daumenschrauben angezogen. Der taiwanische Chip-Gigant TSMC plant, die Preise für seine modernsten 2-Nanometer-Wafer in den kommenden Wochen um 10 Prozent auf rund 30.000 Dollar pro Stück anzuheben. Die Begründung? Massive Kosten für den Bau von Fabriken in Übersee und ein gigantisches Investitionsbudget von bis zu 42 Milliarden Dollar, das refinanziert werden muss.

Gleichzeitig eskaliert ein Streit, der Europas Verwundbarkeit in der Chip-Lieferkette schonungslos offenlegt. Das chinesische Handelsministerium hat den Niederlanden eine offizielle Warnung ausgesprochen. Im Zentrum steht der niederländische Chiphersteller Nexperia und dessen chinesische Tochter Wingtech. Nachdem die Zentrale in Europa offenbar chinesische Mitarbeiter-Accounts gesperrt und Wafer-Lieferungen ausgesetzt hat, droht Peking unverhohlen: Sollte dies zu einer globalen Lieferkettenkrise führen, trage Den Haag die „volle Verantwortung". Europa droht im Technologiekrieg zwischen den Blöcken einmal mehr zerrieben zu werden.

Die Woche der Wahrheit

Die kommenden Tage werden entscheidend für die kurzfristige Richtung der Märkte. Der Fokus richtet sich voll auf die US-Inflationsdaten: Am Mittwoch wird der Verbraucherpreisindex für Februar veröffentlicht, am Freitag folgt der für die Fed so wichtige Kern-PCE-Index. Sollten diese Daten die durch den Ölpreis befeuerte Inflationsangst bestätigen, dürfte die Luft für den historisch teuren Aktienmarkt noch dünner werden.

Zudem wird sich zeigen, ob das große Narrativ unserer Zeit – die Künstliche Intelligenz – die hohen Bewertungen noch stützen kann. Mit Oracle am Dienstag und Adobe am Donnerstag öffnen zwei Software-Giganten ihre Bücher, die als wichtige Barometer für die tatsächliche Monetarisierung von KI-Diensten gelten.

Quintessenz

Die Märkte wandern derzeit auf einem schmalen Grat zwischen technologischer Euphorie und geopolitischer Realität. In Zeiten, in denen das Shiller-KGV über 40 steht, ist die Fehlerverzeihung der Börse gleich null. Die Kombination aus explodierenden Energiekosten, schwächelndem Arbeitsmarkt und einer Industriebasis unter Druck bildet einen toxischen Cocktail – ganz gleich, wie viel KI-Fantasie in den Kursen steckt.

Ich wünsche Ihnen einen besonnenen Start in diese wichtige Handelswoche und noch einen schönen Rest des Wochenendes.

Herzlichst, Ihr

Eduard Altmann