Mit dem Amtsantritt von Luka Mucic beginnt für Vonovia eine Phase der Neujustierung. Nur wenige Tage nach dem Wechsel an der Konzernspitze nutzt der neue CEO internationale Anlegerkonferenzen, um seine Prioritäten zu setzen. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob der DAX-Konzern den Übergang von der Expansions- zur Konsolidierungsphase glaubwürdig gestalten kann.

Neuer CEO, neuer Fokus

Seit 1. Januar 2026 steht mit Luka Mucic ein Finanzspezialist an der Spitze von Vonovia. Er folgt auf Rolf Buch, der den Konzern über Jahre durch Übernahmen stark vergrößert hat. Jetzt erwarten Investoren eine klare Verschiebung des Schwerpunkts: weg von Wachstum um jeden Preis, hin zu Bilanzstärke und Effizienz.

Mucic tritt heute auf der Barclays European Real Estate Equity & Credit Conference in London erstmals vor internationalem Publikum auf. Von Marktseite wird damit gerechnet, dass er vor allem drei Themen adressiert:

  • Schuldenabbau und Deleveraging
  • Optimierung der Kapitalstruktur
  • Steigerung der internen Effizienz

Die Erwartungshaltung ist hoch. Nach einem schwachen Start ins Jahr 2026 und deutlichen Verlusten im Vorjahr sucht der Markt nach einem belastbaren Fahrplan für das angekündigte Konsolidierungsjahr.

Charttechnisch bewegt sich die Aktie derzeit um 25 Euro und damit klar unter früheren Niveaus. Im Zwölfmonatsvergleich liegt der Kurs rund 10 % im Minus, der Abstand zum 52‑Wochen-Hoch von 30,39 Euro beträgt etwa 17 %. Gleichzeitig notiert der Titel etwa 8 % unter seinem 200‑Tage-Durchschnitt – ein Signal für anhaltende Vorsicht im Markt.

Ex-CEO Buch setzt langfristiges Signal

Parallel zum Führungswechsel rücken Transaktionen des ehemaligen Vorstandschefs in den Blick. Rolf Buch hat Ende Dezember zwar Aktienpakete veräußert, den Erlös aber teilweise genutzt, um Call-Optionen auf Vonovia mit Laufzeit bis Ende 2027 und einem Ausübungspreis von 28 Euro zu erwerben.

Strukturell bedeutet das:

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  • Reduktion des direkten Aktienbestands
  • Aufbau eines gehebelten, langfristigen Engagements
  • Zielniveau oberhalb des aktuellen Kursniveaus von rund 25 Euro

Marktteilnehmer interpretieren dieses Vorgehen überwiegend als Vertrauenssignal in eine spürbare Kurserholung in den kommenden zwei Jahren. Buch reduziert sein unmittelbares Risiko, beteiligt sich aber weiter an einem möglichen Aufwärtsszenario über die Marke von 28 Euro hinaus.

Operative Weichenstellungen und Vorstandsausbau

Auch operativ steht der Konzern vor Anpassungen. Ein aktuelles Gerichtsurteil verpflichtet Vonovia, Mietern die Installation von Balkonkraftwerken vorbehaltlos zu gestatten. Das erleichtert den Ausbau dezentraler Stromerzeugung in den Beständen und könnte die Solarstrategie des Unternehmens beschleunigen.

Zudem wird die Vorstandsebene weiter gestärkt. Ab Juni 2026 ergänzt Katja Wünschel das Gremium als neue Chief Development Officer (CDO). Ihre Aufgabe: die Entwicklungssparte neu ausrichten und Projekte in einem Umfeld hoher Zinsen und gesunkener Bewertungen gezielter priorisieren.

Diese Personalie signalisiert, dass Vonovia die Projektentwicklung nicht einfrieren, sondern strukturiert weiterentwickeln will – allerdings stärker eingebettet in die neuen Finanz- und Effizienzvorgaben.

Branchenumfeld und Bewertung

Der Führungswechsel fällt in eine empfindliche Marktphase. Die Zinsen haben sich zwar stabilisiert, doch die Immobilienwerte leiden weiterhin unter:

  • Bewertungsabschlägen auf Portfolios
  • Refinanzierungsdruck bei hohen Schuldenständen
  • Zurückhaltender Nachfrage institutioneller Investoren

Im Kurs spiegeln sich diese Risiken bereits deutlich wider. Das aktuelle Niveau um 25 Euro liegt weit unter den Hochs der Nullzins-Ära. Bewertungskennzahlen wie das Kurs-Buch-Verhältnis deuten darauf hin, dass der Markt viele Belastungsfaktoren eingepreist hat, aber klare operative Impulse für eine Neubewertung abwartet.

Technisch betrachtet versucht die Aktie, im Bereich knapp oberhalb von 24 Euro eine stabile Basis auszubilden. Der Relative-Stärke-Index (RSI) um 37 signalisiert, dass der Titel zwar kein akutes Überverkauft-Niveau erreicht, aber weiterhin in einer schwächeren Phase steckt.

Nächste Termine im Fokus

Die kommenden Tage dürften entscheidend dafür sein, ob sich ein stabilerer Trend entwickeln kann. Auf den heutigen Auftritt bei Barclays folgen weitere Präsentationen:

  • Morgen: ODDO BHF Forum
  • Montag: Commerzbank German Investment Seminar

Mucic hat damit innerhalb weniger Tage mehrere Plattformen, um seine Agenda zu präzisieren und institutionelle Investoren zu überzeugen. Gelingt es ihm, ein konsistentes Paket aus Schuldenabbau, Margenverbesserung und effizienterer Entwicklung zu skizzieren, könnte die aktuell niedrige Bewertung den Boden für eine Gegenbewegung bereiten. Entscheidend wird sein, ob seinen Ankündigungen in den kommenden Quartalen konkrete Maßnahmen und messbare Resultate im operativen Geschäft folgen.

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