In der aktuellen Episode „Börsepeople im Podcast S24/07" begrüßt Host Christian Drastil den Juristen Bernd Braunstein, der als Director Legal and Compliance bei der börsennotierten Reploid tätig ist – und dabei auf einen bemerkenswerten Werdegang durch Österreichs Unternehmenslandschaft zurückblickt.

Was verbindet MaxMobil, Wienerberger und Marinomed? Auf den ersten Blick wenig. Doch für Bernd Braunstein bilden diese Stationen einen roten Faden, der sich durch mehr als zwei Jahrzehnte Unternehmensrecht und Kapitalmarkt-Compliance zieht. Der Jurist, der heute bei der börsennotierten Reploid die Bereiche Legal und Compliance verantwortet, hat in seiner Laufbahn ganz unterschiedliche Unternehmenskulturen kennengelernt – vom dynamischen Mobilfunk-Startup über den traditionsreichen ATX-Konzern bis hin zu innovativen Biotech-Unternehmen. Sein Weg zeigt, wie sich ein Unternehmensjurist in Österreichs Kapitalmarktlandschaft breit aufstellen kann.

Dieser Artikel ist eine Added Value Version zu den Key-Insights einer Podcastfolge von audio-cd.at, aufgewertet durch Archivbausteine. Die hier veröffentlichten Gedanken/Schlüsse sind weder als Empfehlung noch als ein Angebot oder eine Aufforderung zum An- oder Verkauf von Finanzinstrumenten zu verstehen und sollen auch nicht so verstanden werden. Der Handel mit Finanzprodukten unterliegt einem Risiko. Sie können Ihr eingesetztes Kapital verlieren.

Die Anfänge bei MaxMobil: Aufbruchsstimmung in den Nullerjahren

Braunsteins Karriere begann bei MaxMobil, dem damals als jung, frech und dynamisch geltenden Mobilfunkanbieter, der dem etablierten Monopolisten den Markt streitig machte. Direkt nach dem Gerichtsjahr stieg er dort als Corporate Lawyer ein – und erlebte hautnah das Rebranding zu T-Mobile, als die Deutsche Telekom die Übernahme auch nach außen sichtbar machte. „Das hat nicht nur Euphorie ausgelöst, leider", erinnert sich Braunstein an diese Phase des Eigentümerwechsels, eine Erfahrung, die viele österreichische Unternehmen mit großen internationalen Mutterkonzernen teilen.

Fünf Jahre lang arbeitete er dort mit großer Eigenständigkeit an einem breiten Aufgabenspektrum: Werbefreigaben, Nutzungsbedingungen, allgemeine Geschäftsbedingungen für Kundenbindungsprogramme, Kundenverträge und Standortmietverträge für Mobilfunkmasten. Die Übersiedlung ins markante T-Center am Rennweg, das bis heute ein architektonisches Landmark an der Wiener Südostangente darstellt, erlebte er noch ein Jahr vor seinem Weggang. Es war eine Zeit, in der der Mobilfunkmarkt extrem umkämpft war – mit wechselseitigen Wettbewerbsklagen zwischen den Anbietern, etwa um freche Werbespots und Werbeauftritte, die auch rechtlich angefochten wurden.

17 Jahre Wienerberger: Kapitalmarktrecht im ATX-Konzern

Der Wechsel zu Wienerberger im November 2005 markierte einen Wendepunkt in Braunsteins Karriere. Wolfgang Reithofer stellte ihn damals als Mitarbeiter in der kleinen Rechtsabteilung ein. Als die Leiterin der Rechtsabteilung einige Jahre später das Unternehmen verließ, wurde Braunstein gefragt, ob er sich die Leitung zutraue. Er sagte Ja – und übernahm damit eine verantwortungsvolle Position bei einem der traditionsreichsten Unternehmen an der Wiener Börse, das auf eine über 200-jährige Börsenhistorie zurückblickt.

Bei Wienerberger verlagerte sich Braunsteins Tätigkeitsschwerpunkt deutlich in Richtung Kapitalmarkt. Er begleitete Emissionen, arbeitete eng mit dem Finanzteam und dem Treasury zusammen, verantwortete die Kapitalmarkt-Compliance und kümmerte sich um Corporate-Governance-Themen wie die Vorbereitung von Aufsichtsratssitzungen und Hauptversammlungen. Auch die jährliche Erstellung des Geschäftsberichts gehörte zu seinen wiederkehrenden Aufgaben – insbesondere der Corporate-Governance-Bericht und der Risikobericht, also alle rechtslastigen Komponenten.

Zehn Jahre lang war Braunstein zudem Mitglied im Arbeitskreis für Corporate Governance, wo er die Praktikersicht einbrachte. Auch M&A-Transaktionen, die Wienerberger in dieser langen Zeitspanne durchführte, liefen über seinen Tisch – er begleitete und unterstützte dabei das interne M&A-Team. Sein Ressort war direkt unter dem CEO angesiedelt, zunächst unter Wolfgang Reithofer, später unter Heimo Scheuch, wobei er betont, dass es sich dabei um die börsennotierte Wienerberger handelte, nicht um die österreichische Landesgesellschaft.

Die Pandemie als Katalysator: Virtuelle Gremienarbeit und neue Arbeitsformen

Die COVID-19-Pandemie stellte auch für Braunstein und sein Team besondere Herausforderungen dar. Die Unsicherheit darüber, wie man mit Mitarbeitern umgeht, ob generelles Homeoffice verhängt wird oder sporadische Bürotreffen stattfinden, beschäftigte alle Unternehmensleitungen weltweit. Braunstein beschreibt die Situation als eine Art arbeitsrechtlichen Blindflug, in dem höhere Gewalt zunächst nur für einen kurzen Zeitraum als Erklärung diente.

Eine nachhaltige Veränderung ergab sich im Bereich der Gremienarbeit: Aufsichtsratssitzungen und Ausschusssitzungen wurden zunehmend über Wege der Fernkommunikation abgehalten. Wo zuvor großer Wert darauf gelegt wurde, dass sich Aufsichtsratsmitglieder von Angesicht zu Angesicht treffen, setzte sich neben der virtuellen Hauptversammlung vor allem die virtuelle Aufsichtsratssitzung durch. Damit verbunden waren natürlich auch neue Sicherheits- und IT-Themen, die in den Verantwortungsbereich eines Unternehmensjuristen hineinspielten.

Von Marinomed zu Reploid: Biotech-Kompetenz am Kapitalmarkt

Nach 17 Jahren Wienerberger wechselte Braunstein im Oktober 2022 zur börsennotierten Marinomed, einem Biotech-Unternehmen, das bereits 2019 an die Börse gegangen war. Sein bei Wienerberger aufgebautes Fachwissen im Kapitalmarktrecht und sein Netzwerk konnte er dort gut einbringen, da das rechtliche Umfeld ähnlich war. Hinzu kamen die speziellen regulatorischen Anforderungen eines Biotech-Unternehmens, die allerdings von spezialisierten Kolleginnen und Kollegen im Haus bearbeitet wurden.

Host Drastil merkt an, dass Marinomed in der Pandemie aus seiner Sicht stärker hätte gefördert werden können – Österreich hätte mehr für die Produkte des Unternehmens tun können. Braunstein selbst war zu dieser Zeit noch nicht bei Marinomed. Das Jahr 2024 brachte dann eine schwierige Phase mit einer unternehmenskritischen Restrukturierung, die das Unternehmen nach Einschätzung beider Gesprächspartner souverän meisterte. Marinomed führte als erstes börsennotiertes österreichisches Unternehmen in einer solch schwierigen Situation nicht nur eine, sondern sogar zwei Kapitalerhöhungen durch. „Und die Zeichner sind durchaus schon im Plus jetzt gemessen am Markt", stellt Drastil fest – ein wichtiger Aspekt, da Kapitalerhöhungen immer auch aus dem Blickwinkel der bestehenden Aktionäre betrachtet werden müssen.

Der neue Hafen: Reploid an der Wiener Börse

Seit Jahresbeginn 2026 ist Braunstein als Director Legal and Compliance bei Reploid tätig, einem Unternehmen, das im Sommer zuvor an der Wiener Börse im Direct Market notiert wurde. Der Kontakt kam über Hans Lang zustande, der ebenfalls den Schritt zu Reploid gewagt hatte und Braunstein auf das Unternehmen aufmerksam machte.

Braunstein beschreibt Reploid als extrem innovativ, im Biotech-Sektor tätig – allerdings nicht im Pharma-Bereich, aus dem er bei Marinomed kam – mit einem zukunftsträchtigen Geschäftsmodell. Drastil sieht in Reploid einen Upgrade-Kandidaten an der Wiener Börse und hat das Unternehmen im Vorjahr mit der Auszeichnung für den Börsegang des Jahres bedacht.

Ganz aktuell hat Reploid ein Crowdfunding über die Plattform Investorix gestartet – eine Maßnahme, die typischerweise über Braunsteins Schreibtisch läuft. Er prüft die vertragliche Dokumentation im Vorfeld und trägt seinen Teil dazu bei, dass solche Transaktionen erfolgreich abgewickelt werden. Als Standorte nennt er Wien und Wels, wobei das Headquarter in Oberösterreich liegt. Braunstein pendelt ein- bis zweimal pro Woche mit der Bahn nach Wels und nutzt die eineinhalb Stunden Fahrzeit produktiv zum Arbeiten. „Manchmal ist es so, man vertieft sich in die Arbeit und dann hört man plötzlich den Bahnhof Wels", beschreibt er die Effizienz dieser Arbeitsweise.

Die Philosophie des Einzeljuristen: Vielfalt als Antrieb

Eine Konstante in Braunsteins jüngeren Karrierestationen ist seine Rolle als Einzeljurist – eine Position, die eine enorme Bandbreite an Aufgaben und Erledigungen mit sich bringt. Statt dies als Belastung zu empfinden, schätzt er den damit verbundenen Freiraum: das berufliche Umfeld selbst gestalten zu können, Aufgaben eigenständig zu planen und anzugehen, natürlich immer in enger Abstimmung mit den internen Kunden.

Seinen Karriereweg hat Braunstein bewusst nicht starr durchgeplant. Statt nach dem Universitätsabschluss eine feste Stationenfolge abzuarbeiten, hat er sich nach Chancen umgesehen, sich einzubringen und umzusetzen. Dabei hat er auch immer nach neuen Möglichkeiten Ausschau gehalten – sei es ein anderes Unternehmen, eine andere Unternehmensgröße oder ein anderes Setting. „Ich habe das immer so gepflegt und gehandhabt und bin eigentlich ganz gut damit gefahren", resümiert er seinen opportunitätsgetriebenen Ansatz.

Neben dem Beruflichen spielt auch das Netzwerken eine zentrale Rolle. Über die Jahre hat Braunstein ein breites Netzwerk aufgebaut – zu Juristen in anderen Unternehmen, zu Beratern, im Bereich Communications und Investor Relations. Dieses Netzwerk setzt er täglich im Berufsleben ein. Auch das regelmäßige Laufen – seine sportliche Leidenschaft, der er mehrmals wöchentlich für jeweils 50 bis 55 Minuten nachgeht – bietet ihm Gelegenheit zum Austausch, etwa bei den von Drastil organisierten Plauderläufen im Wiener Prater.

Fazit: Ein Karrieremodell für den österreichischen Kapitalmarkt

Bernd Braunsteins Werdegang illustriert, wie ein Unternehmensjurist in Österreich durch verschiedenste Branchen und Unternehmensgrößen navigieren kann, wenn der Kapitalmarkt als verbindendes Element dient. Von der Vertragsarbeit im Mobilfunk über die Kapitalmarkt-Compliance im ATX-Konzern bis hin zur Begleitung von Restrukturierungen und Börsengängen im Biotech-Sektor – die Bandbreite seiner Erfahrung ist beachtlich. Seine Karrierephilosophie, offen für Chancen zu bleiben statt einem starren Plan zu folgen, und sein Bekenntnis zum Netzwerken und zum menschlichen Austausch machen ihn zu einem interessanten Gesprächspartner an der Schnittstelle von Recht und Kapitalmarkt. Mit seiner neuen Rolle bei Reploid steht er nun vor der Aufgabe, ein junges börsennotiertes Unternehmen auf seinem weiteren Weg am österreichischen Kapitalmarkt rechtlich zu begleiten.