Verbio sprengt Analystenrange, Ørsted erneuert Führung — fünf Grünstrom-Aktien im Fokus
Wenn ein Biokraftstoff-Produzent seinen eigenen Aktienkurs über das höchste Analystenkursziel hinausschießen lässt, ist das ein Signal. Verbio hat mit einer überraschenden EBITDA-Prognoseanhebung genau das geschafft — und damit den Takt für eine Woche vorgegeben, in der sich im Erneuerbare-Energien-Sektor Gewinner und Nachzügler deutlich voneinander trennen. Siemens Energy verdaut den Rücksetzer vom Allzeithoch, Ørsted baut den Aufsichtsrat um, Vulcan Energy sichert sich eine historische Lizenz, und ABO Wind notiert auf Mehrjahrestiefs. Ein Sektor, fünf Geschwindigkeiten.
Verbio: EBITDA-Upgrade katapultiert Aktie auf 52-Wochen-Hoch
Die Nachricht der Woche kam aus Leipzig. Am Mittwoch hob Verbio die EBITDA-Prognose für das Geschäftsjahr 2025/26 auf 100 bis 140 Millionen Euro an — ein deutlicher Sprung gegenüber der bisherigen Erwartung. Getrieben wird das Upgrade von anhaltend hohen Absatzpreisen bei emissionsarmen Biokraftstoffen, einem verschärften regulatorischen Umfeld zugunsten konventioneller Biokraftstoffe und geopolitischen Rückenwinden.
Die operative Basis dafür lieferte bereits das zweite Quartal: Mit einem EBITDA von 30,1 Millionen Euro lag das Ergebnis 45 Prozent über dem Vorjahr und fast doppelt so hoch wie im Vorquartal. In Europa erreichte die Biodieselproduktion im ersten Halbjahr Rekordniveau.
Der Kurs spiegelt die Dynamik wider. Bei 44,24 Euro markierte die Aktie gestern ein neues 52-Wochen-Hoch — ein Anstieg von knapp 25 Prozent allein in der letzten Woche. Bemerkenswert: Die Aktie handelt damit oberhalb des höchsten Analystenkursziels von 44 Euro. Jefferies hatte erst Anfang März das Ziel auf 25 Euro angehoben. Der Durchschnitt der drei kaufempfehlenden Analysten liegt bei rund 32 Euro. Der Markt ist also weit vorausgelaufen.
Ob die Prognoseanhebung konservativ ausfällt oder ob Rohstoffkosten und schwankende Treibhausgasquoten-Preise noch für Gegenwind sorgen, bleibt die zentrale Frage bis zum Geschäftsjahresende. Ein weiterer Meilenstein steht bevor: Die Ethanolysis-Anlage in Bitterfeld soll im zweiten Halbjahr 2026 erste Moleküle für den Spezialchemie-Markt liefern — ein bewusster Schritt über den Transportkraftstoff hinaus.
Siemens Energy: Rekordrückstand trotz Kurskorrektur
Der Rücksetzer bei Siemens Energy hat wenig mit operativen Problemen zu tun. Vom Allzeithoch bei 171,65 Euro Ende Februar hat die Aktie rund elf Prozent abgegeben und schloss gestern bei 150,40 Euro. In den vergangenen zwölf Monaten steht dennoch ein Plus von über 159 Prozent.
Die Zahlen zum ersten Fiskalquartal (per Dezember 2025) liefern die Erklärung für das hohe Bewertungsniveau. Auftragseingang: 17,6 Milliarden Euro, ein Anstieg von 34 Prozent auf vergleichbarer Basis und 22 Prozent über dem Konsens. Das Segment Gas Services sprang mit einem Plus von 81 Prozent auf 8,8 Milliarden Euro besonders hervor. Der Auftragsbestand erreichte 146 Milliarden Euro — ein Book-to-Bill-Verhältnis von 1,82. Der Nettogewinn stieg auf 746 Millionen Euro.
Anfang März setzte das Management nach: Ein Aktienrückkaufprogramm über zwei Milliarden Euro wurde angekündigt, die mittelfristigen Margenziele für 2028 auf 14 bis 16 Prozent angehoben. Für das laufende Fiskaljahr bestätigte der Vorstand die Prognose eines Umsatzwachstums von 11 bis 13 Prozent und eines Nettogewinns zwischen drei und vier Milliarden Euro.
Die Analystenlandschaft bleibt bullish. J.P. Morgan hält an der Kaufempfehlung mit Ziel 200 Euro fest. Berenberg hob das Kursziel von 130 auf 195 Euro an und verwies auf eine freie Cashflow-Generierung von 2,9 Milliarden Euro. Die Spanne der 25 Analysten reicht allerdings von 89 bis 220 Euro — ein Ausdruck der Unsicherheit über Siemens Gamesas Weg zum Breakeven und die Nachhaltigkeit der Gasturbinenmargen. Nächster Katalysator: die Quartalszahlen am 12. Mai.
Ørsted: Vorstandsumbau vor entscheidender Hauptversammlung
Ørsted bereitet sich auf einen Führungswechsel vor. Die Hauptversammlung am 9. April in Gentofte wird über eine deutliche Neuaufstellung des Boards entscheiden. Die bisherigen Mitglieder Judith Hartmann und Annica Bresky treten ab. Als Nachfolger schlägt der Vorstand drei Kandidaten vor:
- Karen Boesen — CFO bei DFDS, stärkt die Finanzexpertise
- Karl Johnny Hersvik — CEO von Aker BP, bringt Offshore-Energie-Erfahrung
- Samuel Leupold — ehemaliger Chef von Ørsted Wind Power, kennt das operative Kerngeschäft
Die Neubesetzung zielt erkennbar auf eine Mischung aus finanzieller Steuerungskompetenz und operativer Offshore-Erfahrung. Ørsted betreibt über 18 GW installierte Erneuerbare-Kapazität weltweit und erzielte 2025 einen operativen Gewinn von 25,1 Milliarden DKK.
Analysten bewerten den dänischen Konzern mehrheitlich positiv. Kepler Cheuvreux stufte die Aktie jüngst von Hold auf Buy hoch und hob das Kursziel auf 175 DKK an. Die Begründung: Ab 2028 sinken die Investitionsausgaben erheblich, wodurch der starke freie Cashflow sichtbarer wird. Die zugrunde liegende Bewertung deutet auf 219 DKK je Aktie — selbst unter Berücksichtigung eines Totalverlusts der beiden gestoppten US-Projekte. Citi erhöhte das Ziel leicht auf 142 DKK, hält aber an der neutralen Einstufung fest. Der Konsens aus 23 Analysten liegt bei 150,48 DKK — bei einem gestrigen Schlusskurs von 145,25 DKK ein begrenztes, aber vorhandenes Aufwärtspotenzial.
Vulcan Energy: Historische Produktionslizenz für das Oberrheintal
Vulcan Energy hat einen Meilenstein erreicht, der über das Unternehmen hinausreicht. Die sogenannte LiThermEx-Lizenz für das Lionheart-Projekt in Rheinland-Pfalz wurde erteilt — die erste Produktionslizenz dieser Art im Oberrheingraben. Sie gilt zunächst für sechs Jahre, mit geplanter Verlängerung auf mindestens 30 Jahre. Das Genehmigungsgebiet umfasst die geothermische Produktionsfläche Insheim, wo bereits erneuerbare Wärme und Strom erzeugt werden.
Lionheart ist vollständig finanziert. Die Finanzierungsrunde über 2,2 Milliarden Euro wurde Ende 2025 abgeschlossen. Die Anlage soll ab 2028 rund 24.000 Tonnen Lithiumhydroxid-Monohydrat pro Jahr produzieren — ein zentraler Baustein für eine geothermisch betriebene, inländische Lithium-Lieferkette in der EU. Parallel liefert Expro Group Bohrtestdienste für die erste Schleidberg-Bohrung im Rahmen des Projekts.
Die Aktie notiert mit 1,88 Euro allerdings nur knapp über dem 52-Wochen-Tief von 1,80 Euro und hat seit Jahresbeginn rund 28 Prozent verloren. Konventionelle Bewertungskennzahlen greifen bei einem Unternehmen im Bau-Stadium kaum — der Nettoverlust liegt bei 82,8 Millionen Euro bei Umsätzen von 7,8 Millionen Euro. Entscheidend sind die Projektfortschritte. Der am Donnerstag veröffentlichte Konzernlagebericht setzt die operative Baseline für 2026.
ABO Wind: Hohe Dividendenrendite als Boden im Abwärtstrend
ABO Wind — inzwischen unter dem Namen ABO Energy firmierend — ist der deutlichste Verlierer in dieser Runde. Die Aktie notierte zuletzt bei rund 6 Euro, ein Minus von über 51 Prozent seit Jahresbeginn. Das 52-Wochen-Hoch bei 46,70 Euro wirkt wie aus einer anderen Zeitrechnung.
Frische Katalysatoren fehlen. Kein neuer Großauftrag, keine Prognoseanhebung, keine strategische Neuausrichtung — der Nachrichtenfluss ist dünn. Der Kurs liegt unter dem 20-Tage-Durchschnitt und verharrt in einem technischen Abwärtstrend. Operativ entwickelt und betreibt das Unternehmen Wind- und Solarparks in mehreren europäischen Ländern mit einer Gesamtkapazität von über 2.500 Megawatt.
Was die Aktie für geduldige Anleger interessant macht: Die Dividendenrendite liegt bei 10,5 Prozent auf Basis der zuletzt gezahlten 0,65 Euro je Aktie. Ein einzelner Analyst sieht ein Kursziel von 8 Euro — ein Aufwärtspotenzial von gut 33 Prozent. Der Weg zur Erholung führt entweder über eine grundlegende Verbesserung der europäischen Windprojekt-Ökonomie oder ein Ereignis, das die Bewertung neu justiert.
Regulierung als gemeinsamer Nenner, Ausführung als Trennlinie
Die fünf Aktien repräsentieren drei Phasen des Investitionszyklus im Erneuerbare-Sektor:
- Etablierte Großkonzerne (Siemens Energy, Ørsted): Hohe Umsatzbasis, Neubewertung nach starken Kursläufen, Fokus auf Margensteigerung und Cashflow-Freisetzung
- Operativer Turnaround (Verbio): Fundamentale Wende übersetzt sich direkt in Hochstufungen — der Markt belohnt den Beweis
- Frühphase/Strukturelle Herausforderung (Vulcan Energy, ABO Wind): Meilensteine und Geduld statt kurzfristiger Gewinndynamik
Der gemeinsame Faden: Regulierung treibt alle fünf. EU-Biokraftstoffmandate stützen Verbios Margen. Der EU Critical Raw Materials Act sichert Vulcan Energys Finanzierungsbasis ab. Ørsteds Investitionsthese basiert auf stabilen europäischen Offshore-Wind-Rahmenbedingungen. Siemens Energys Rekordaufträge speisen sich aus dem Ausbau von Rechenzentren und Netzinfrastruktur.
Dichter Katalysator-Kalender für das zweite Quartal
Der April wird zeigen, ob der Sektor seinen zweigeteilten Charakter beibehält. Ørsteds Hauptversammlung am 9. April testet, ob der Vorstandsumbau bei Aktionären Vertrauen schafft — und ob das Management neue Signale zu den gestoppten US-Projekten gibt. Siemens Energys Quartalsbericht am 12. Mai liefert den nächsten Realitätscheck für die Auftragsflut. Bei Verbio entscheidet sich, ob die neue EBITDA-Spanne von 100 bis 140 Millionen Euro hält oder ob der Markt die Rallye bereits vollständig eingepreist hat. Vulcan Energy muss die Bau-Fortschritte am Lionheart-Projekt in operative Meilensteine übersetzen. Und für ABO Wind bleibt die Frage, ob die attraktive Dividendenrendite allein reicht, um den Abwärtstrend zu brechen.
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