Liebe Leserinnen und Leser,

in Frankfurt herrscht heute die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm. Wer zur Mittagszeit auf den DAX blickt, der wie hypnotisiert knapp unter der Marke von 24.900 Punkten verharrt, könnte meinen, den Akteuren sei die Fantasie abhandengekommen. Nach dem gestrigen, gescheiterten Anlauf auf die 25.000er-Marke scheint das Parkett kollektiv den Atem anzuhalten.

Doch der Schein trügt gewaltig. Während die Händler in Deutschland auf das Signal aus Washington warten, knallten im niederländischen Veldhoven heute Morgen die Sektkorken so laut, dass das Echo den gesamten europäischen Tech-Sektor wachrüttelte. Wir erleben einen klassischen „Sandwich-Tag": Eingeklemmt zwischen einem spektakulären fundamentalen Ausrufezeichen am Morgen und der wohl politischsten Notenbank-Sitzung seit Jahren am Abend.

Werfen wir einen Blick auf die Kräfte, die diesen Mittwoch prägen.

ASML: Der 13-Milliarden-Realitätscheck

Wer in den letzten Wochen zweifelte, ob der KI-Boom noch über industrielle Substanz verfügt oder bereits im Stadium der Blasenbildung angekommen ist, erhielt heute Morgen eine Antwort im Wert von 13,2 Milliarden Euro.

Der niederländische Chipausrüster ASML hat mit seinen Zahlen zum vierten Quartal 2025 die Erwartungen nicht nur übertroffen, sondern die Prognosen der Analystenzunft regelrecht pulverisiert. Der Markt hatte mit einem Auftragseingang von rund 7 Milliarden Euro gerechnet – geliefert haben die Niederländer fast das Doppelte. Die Kausalität ist eindeutig: Die Nachfrage nach EUV-Lithographie-Systemen, jenen komplexen Maschinen, ohne die kein moderner KI-Chip das Licht der Welt erblickt, ist ungebrochen.

Die Reaktion an den Märkten glich einer Befreiung. Die ASML-Aktie schoss in den ersten Handelsstunden nach oben und riss den Sektor aus seiner Lethargie. In Frankfurt profitiert vor allem Infineon: Das Papier führt heute Mittag die DAX-Liste mit einem Plus von zeitweise über 5 Prozent an. Flankenschutz kommt aus Südkorea, wo SK Hynix – ein Schlüssellieferant für Nvidia – seinen operativen Gewinn dank der Gier nach KI-Speicherchips verdoppeln könnte.

Die Erkenntnis: Die Infrastruktur-Phase der digitalen Revolution ist noch lange nicht abgeschlossen. Die Capex-Budgets der Big-Tech-Konzerne fließen weiter – und zwar massiv.

Washington: Powells Spießrutenlauf

Während Europa Tech feiert, blickt der Rest der Welt nervös auf die Uhr. Heute Abend um 20:00 Uhr MEZ wird die US-Notenbank Fed ihre Zinsentscheidung verkünden.

Ökonomisch scheint die Sache klar: Die Märkte haben eine Zinspause eingepreist, der Leitzins dürfte in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent verbleiben. Doch die eigentliche Brisanz liegt heute nicht in den Basispunkten, sondern in der politischen Arena.

Fed-Chef Jerome Powell steht unter enormem Druck. Es ist ein offenes Geheimnis, dass US-Präsident Trump auf aggressivere Zinssenkungen drängt. Erschwerend kommen strafrechtliche Untersuchungen im Umfeld der Notenbankführung hinzu (Stichwort: Renovierungskosten der Zentrale), die die Position des Chairman schwächen könnten. Wenn Powell heute vor die Presse tritt, wird jedes Adjektiv seziert werden: Wie unabhängig kann die Fed noch agieren? Und wie reagiert sie auf die Schwäche des US-Dollars, der gestern auf ein Vier-Jahres-Tief rutschte?

Für den DAX ist dies der entscheidende Impulsgeber. Bleibt Powell standhaft („hawkish"), könnte die jüngste Rallye Risse bekommen.

BaFin: Der Mahner in der Wüste

Mitten in die Rekordlaune platzte heute Vormittag Mark Branson. Der Präsident der deutschen Finanzaufsicht BaFin nutzte die Vorstellung des Berichts „Risiken im Fokus 2026", um Wasser in den Wein der allgemeinen Euphorie zu gießen.

Trotz – oder gerade wegen – der Börsenhochs sei das Potenzial für „plötzliche Markt- und Preiskorrekturen hoch", warnte Branson. Bemerkenswert ist, dass die Aufsicht erstmals sehr konkrete, zeitgeistige Verbraucherrisiken ins Visier nimmt:

  1. Die Schuldenfalle per App: Unter dem Schlagwort „Buy now, pay later" wächst eine Generation heran, die den Überblick über ihre Finanzen verliert. 5,7 Millionen Überschuldete zählt Deutschland bereits.
  2. Krypto & Finfluencer: Die Behörde beobachtet mit Sorge, wie soziale Medien riskante Krypto-Investments als sichere Wetten framen.
  3. Lebensversicherungen: Hier stehen überhöhte Kostenstrukturen und Stornoquoten im Fokus der Aufseher.

Es ist die undankbare, aber notwendige Rolle der Aufsicht, auf der Party das Licht anzuschalten, bevor die Musik zu laut wird.

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Während die BaFin vor Marktrisiken warnt, zeigt Börsenexperte Jörg Mahnert in seinem Webinar, wie Anleger gerade die aktuelle Volatilität strukturiert nutzen können. Seine Point & Figure Methode arbeitet mit klaren Ja/Nein-Entscheidungen und definierten Ein- und Ausstiegssignalen – ohne Rätselraten oder Bauchgefühl. Mahnert demonstriert anhand konkreter Trades wie Renk (+68% in 62 Tagen), Aurubis (+26% in 58 Tagen) oder Rheinmetall (+108% in 60 Tagen), wie sich mit durchschnittlich ein bis zwei Trades pro Woche planbare Ergebnisse erzielen lassen. Sein „Absahnplan" verfolgt dabei ein klares Ziel: Aus 1.000 Euro Startkapital schrittweise bis zu 25.000 Euro aufzubauen. Sie erhalten bei Teilnahme sofort den ersten vorbereiteten Trade mit konkretem Einstieg, Kursziel und Zeitfenster. Details zum strukturierten Trading-Ansatz

Was den Tag sonst noch bewegt

  • Bayer holt Luft: Nach einem beeindruckenden Jahresstart (+22 Prozent seit Januarbeginn) kehrt heute die Schwerkraft zurück. Anleger nehmen Gewinne mit, die Aktie verliert knapp 3 Prozent. Die Hoffnung auf ein Ende der Glyphosat-Klagen in den USA hatte den Kurs zuletzt getrieben, doch nun folgt die nüchterne Neubewertung.
  • Politische Stabilität: In Magdeburg wurde Sven Schulze (CDU) heute zum neuen Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt gewählt. Ein erwarteter Wechsel, der in unruhigen Zeiten zumindest regional für klare Verhältnisse sorgt.
  • Earnings-Watch: Nach Börsenschluss in den USA legen heute Abend zwei Schwergewichte Zahlen vor. Bei Microsoft muss das Cloud-Wachstum (Azure) überzeugen, um die enormen KI-Ausgaben zu rechtfertigen. Bei Tesla schauen wir genau hin, wie Elon Musk den Rückgang der Auslieferungen im Jahr 2025 (-8,6 Prozent) erklären und die Robotaxi-Fantasie am Leben erhalten will.

Mein Fazit

Der heutige Tag ist ein Stresstest für die Nerven. Die fundamentalen Daten aus der Tech-Industrie (ASML) sind exzellent, doch die makroökonomische Wolke über Washington wirft lange Schatten.

Für Sie als Anleger bedeutet das: Lassen Sie sich von der Volatilität, die uns heute Abend ab 20 Uhr erwarten könnte, nicht verunsichern. Die Botschaft aus Veldhoven ist langfristig gewichtiger als der Tonfall von Jerome Powell. Die digitale Transformation der Wirtschaft findet statt – unabhängig davon, ob die Zinsen heute oder erst im Juni sinken.

Ich wünsche Ihnen ein glückliches Händchen und starke Nerven für den heutigen Abend.

Herzlichst,

Ihr

Eduard Altmann