Valneva stellt seine Chikungunya-Strategie neu auf – und das mitten in einer ohnehin angespannten Phase für den wichtigen Impfstoff IXCHIQ. Die überraschende Auflösung der Indien-Partnerschaft, ein Verkaufsstopp in den USA und eine gesenkte Umsatzprognose zeichnen ein Bild tiefgreifender Umbrüche. Wie ordnet sich dieser Kurswechsel in die Gesamtstrategie des französischen Impfstoffspezialisten ein?

Strategiewechsel bei der Chikungunya-Vermarktung

Zum Jahreswechsel hat Valneva die erst im Dezember 2024 geschlossene Lizenzvereinbarung mit dem Serum Institute of India (SII) für IXCHIQ einvernehmlich beendet. SII ist nach Dosen gemessen der weltweit größte Impfstoffhersteller – entsprechend deutlich ist der Schritt: Valneva verzichtet bewusst auf diese externen Produktionskapazitäten.

Stattdessen will das Unternehmen die Kontrolle über Lieferkette und Vermarktung in endemischen Hochrisikogebieten selbst übernehmen. Die Versorgung von Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen soll künftig über die bereits im Juli 2024 vereinbarte CEPI-Förderung mit EU-Kofinanzierung laufen. Valneva rückt damit von einem Lizenzmodell hin zu einem stärker zentral gesteuerten Vermarktungsansatz.

Wesentliche Punkte des Strategiewechsels im Überblick:

  • Auflösung der IXCHIQ-Lizenzvereinbarung mit dem Serum Institute of India nach nur einem Jahr
  • Fokus auf direkte Kontrolle von Produktion und Vertrieb in endemischen Regionen
  • Nutzung der CEPI-Fördervereinbarung mit EU-Kofinanzierung für LMIC-Versorgung
  • Abkehr von ausgelagerter Kapazität hin zu mehr Eigenregie in der Wertschöpfungskette

FDA-Verkaufsverbot und Wettbewerbsdruck

Der Strategiewechsel fällt in ein ohnehin turbulentes Jahr für IXCHIQ. Das Chikungunya-Präparat ist derzeit in den USA durch ein Verkaufsverbot der FDA belastet. Die US-Behörde hatte im August 2025 nach Berichten über schwerwiegende Nebenwirkungen den Vertrieb untersagt; der Impfstoff darf dort aktuell weder verkauft noch ausgeliefert werden.

Bereits zuvor hatte die europäische Seite für Unsicherheit gesorgt: Im Juli 2025 wurde eine temporäre Einschränkung für IXCHIQ in Europa wieder aufgehoben. Parallel hat sich das Wettbewerbsumfeld verschärft. Bavarian Nordic brachte im Februar 2025 mit Vimkunya einen Konkurrenzimpfstoff gegen Chikungunya auf den Markt und greift damit direkt das gleiche Indikationsfeld an.

Die Summe dieser Faktoren – regulatorische Hürden in den USA, zeitweilige Einschränkungen in Europa und neuer Wettbewerb – erhöht den Druck auf Valnevas Flaggschiff-Produkt deutlich. Vor diesem Hintergrund wirkt der Wechsel hin zu mehr Kontrolle in endemischen Märkten auch als Versuch, die Positionierung von IXCHIQ neu zu justieren.

Zahlen, Prognose und Kostensenkungen

Die Belastungen durch IXCHIQ schlagen sich in den Finanzdaten nieder. Im Neunmonatsbericht 2025 hat Valneva seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr nach unten angepasst. Statt der zuvor angepeilten 170 bis 180 Millionen Euro erwartet das Management nun nur noch 155 bis 170 Millionen Euro.

Parallel dazu treibt das Unternehmen Strukturmaßnahmen voran. Im November 2025 kündigte Valneva an, einen französischen Standort mit Betriebs- und F&E-Aktivitäten zu schließen. In diesem Zuge fallen 30 Arbeitsplätze weg. Das deutet auf eine gezieltere Ressourcenbündelung hin, um das Portfolio in einem herausfordernden Umfeld schlanker aufzustellen.

Anzeige

Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Valneva?

Ein Blick auf die operativen Erlöse zeigt aber auch: Das Geschäft läuft in Teilen weiterhin robust. Im ersten Halbjahr 2025 erzielte Valneva Produktumsätze von 91 Millionen Euro – ein Plus von 33 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Treiber sind neben IXCHIQ vor allem die etablierten Reiseimpfstoffe IXIARO/JESPECT (Japanische Enzephalitis) und DUKORAL (Cholera).

Aus Marktsicht spiegelt sich die Mischung aus Wachstumschancen und Risiken in der Kursentwicklung wider. Die Aktie schloss am Freitag bei 4,20 US‑Dollar und liegt damit deutlich über dem 52‑Wochen-Tief von 2,06 US‑Dollar, aber noch rund 19 Prozent unter dem Hoch von 5,16 US‑Dollar. Der 50‑Tage-Durchschnitt von 3,85 US‑Dollar wurde zuletzt klar überschritten, was auf eine gewisse Kurserholung nach der Schwächephase hinweist.

Pipeline: Borreliose, Shigella und Zika im Fokus

Trotz aller Turbulenzen rund um IXCHIQ hält Valneva an seiner Drei-Säulen-Strategie fest. Neben dem Chikungunya-Impfstoff stützen IXIARO/JESPECT und DUKORAL das kommerzielle Geschäft. Den entscheidenden Hebel für die mittelfristige Entwicklung dürfte jedoch die Pipeline liefern.

Kernprojekt ist der Borreliose-Impfstoffkandidat VLA15, der gemeinsam mit Pfizer entwickelt wird. Es handelt sich um den einzigen Borreliose-Impfstoff in fortgeschrittener klinischer Entwicklung. Die Phase‑3-Daten werden für Ende 2025 erwartet. Bei positivem Verlauf plant Pfizer, 2026 Zulassungsanträge bei der US‑Behörde FDA und der europäischen EMA einzureichen.

Daneben arbeitet Valneva an weiteren Infektionszielen:

  • einem weltweit am weitesten fortgeschrittenen tetravalenten Shigella-Impfstoffkandidaten
  • einem Impfstoffkandidaten gegen das Zika-Virus

Diese Projekte unterstreichen, dass das Unternehmen seine Strategie klar auf indikationsspezifische Nischen mit hohem medizinischem Bedarf ausrichtet, auch wenn die aktuelle Aufmerksamkeit stark auf IXCHIQ und den regulatorischen Hürden liegt.

Fazit: Zwischen Gegenwind und Optionen

Valneva steht mit IXCHIQ vor einer anspruchsvollen Übergangsphase: Das Verkaufsverbot in den USA, der zunehmende Wettbewerb und der Strategiewechsel bei der Vermarktung in Hochrisikogebieten belasten das kurzfristige Bild. Gleichzeitig zeigt der Konzern mit der gesenkten Umsatzprognose und der Standortschließung, dass er Kosten und Ressourcen aktiv anpasst.

Entscheidend für die weitere Entwicklung werden zwei Stränge: Zum einen, ob es Valneva gelingt, IXCHIQ außerhalb der USA – insbesondere in endemischen Regionen über die CEPI-Struktur – wirtschaftlich stabil zu positionieren. Zum anderen, ob der Borreliose-Kandidat VLA15 und die übrigen Pipeline-Projekte wie Shigella und Zika die Basis für zusätzliches Wachstum ab 2026 legen.

Valneva-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Valneva-Analyse vom 3. Januar liefert die Antwort:

Die neusten Valneva-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Valneva-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 3. Januar erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Valneva: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...