Starke Buchungszahlen für den Sommer 2026 auf der einen Seite, diametral entgegengesetzte Analystenurteile auf der anderen: Bei TUI prallen aktuell zwei Welten aufeinander. Während das operative Geschäft allmählich in ruhigeres Fahrwasser zurückkehrt, sorgt die Frage nach der fairen Bewertung für Reibung. Wie stabil ist der jüngste Kursanstieg tatsächlich?

Die Fakten im Überblick

  • Aktueller Kurs: 9,02 Euro (Schlusskurs gestern)
  • Veränderung 7 Tage: -4,10 %
  • Veränderung 12 Monate: +20,19 %
  • Abstand zum 52‑Wochen-Hoch (9,45 Euro): rund -4,5 %
  • Abstand zum 52‑Wochen-Tief (5,86 Euro): rund +54 %
  • 200‑Tage-Durchschnitt: 7,84 Euro → Kurs liegt gut 15 % darüber
  • RSI (14 Tage): 45,0 (neutraler Bereich)

Mit gut 9 Euro bewegt sich die Aktie nahe an ihrem 52‑Wochen-Hoch und deutlich über den mittelfristigen Durchschnittslinien. Der Aufwärtstrend der vergangenen Monate ist damit intakt, auch wenn der Titel in der laufenden Woche leichte Rücksetzer verzeichnet hat.

Analysten mit klaren Gegensätzen

Ungewöhnlich groß ist derzeit die Spannbreite in den Einschätzungen der Investmentbanken. Zwei Häuser markieren dabei die Pole.

Barclays zählt klar zum Lager der Optimisten. Die britische Bank hat ihr „Buy“-Votum am 14. Januar bestätigt und das Kursziel auf 12,00 Euro angehoben. Vom aktuellen Niveau aus entspricht das einem theoretischen Aufwärtsspielraum von gut einem Drittel. Die Analysten setzen damit offensichtlich auf eine nachhaltige Erholung des Geschäfts und sehen die Marktposition des Konzerns positiv.

Auf der Gegenseite steht Bernstein Research. Dort lautet die Einstufung unverändert „Market-Perform“, also neutral. Das Kursziel von 7,90 Euro liegt spürbar unter dem aktuellen Kurs. Aus dieser Perspektive wirkt der Titel bereits ambitioniert bewertet. Die Differenz von mehr als 4 Euro zwischen beiden Kurszielen unterstreicht, wie unterschiedlich Risiko und Ertragspotenzial derzeit interpretiert werden.

Für den Markt bedeutet diese Diskrepanz: Es gibt zwar einen klaren operativen Erholungspfad, aber keinen Konsens darüber, wie hoch dieser schon im Kurs eskomptiert ist.

Sommer 2026: Nachfrage zieht an

Rückenwind kommt aus dem Kerngeschäft Tourismus. TUI Suisse meldete am 15. Januar einen sehr soliden Start in das Reisejahr 2026. Das Buchungsvolumen für das Sommergeschäft liegt bereits jetzt doppelt so hoch wie das des Winters – ein Hinweis auf eine starke Hauptsaison.

Besonders gefragt sind klassische Sonnenziele am Mittelmeer:

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  • Nahe Ziele: Antalya, Kreta, Mallorca
  • Fernziele: Thailand, Malediven

Die starke Frühbuchernachfrage signalisiert eine robuste Reiselust, insbesondere in etablierten Warmwasserregionen. Damit deckt sich die operative Entwicklung mit der charttechnischen Erholung der Aktie.

Nicht alle Regionen laufen jedoch rund. Das USA-Geschäft hinkt den Erwartungen hinterher. Hinzu kommen geopolitische Risiken: Wie andere europäische Airlines umfliegt auch TUI weiterhin den Luftraum über Iran und Irak. Das erfordert operative Anpassungen und kann Kosten- sowie Planungsdruck erhöhen, auch wenn dazu keine konkreten Belastungszahlen genannt wurden.

Short-Seller ziehen sich teilweise zurück

Ein weiterer Baustein im Stimmungsbild ist die Aktivität der Leerverkäufer. Berichte vom 15. Januar deuten darauf hin, dass der Hedgefonds Marshall Wace seine Short-Position reduziert hat. Die Short-Quote wird in aktuellen Marktkommentaren im Bereich von rund 3,7 bis 5,6 % verortet.

Ein Rückgang solcher Positionen wird häufig so interpretiert, dass das Abwärtspotenzial als begrenzt gilt oder dass auf steigende Kurse zur Eindeckung gesetzt wird. In Kombination mit den positiven Buchungstrends stützt dies die These, dass der Markt weniger stark auf eine deutliche erneute Schwächephase setzt als noch vor einigen Monaten.

Sparprogramm, Flotte und Dividende

Finanziell stellt der Konzern die Weichen für das Geschäftsjahr 2026 eher konservativ. Die Prognose sieht ein Umsatzwachstum von 2 bis 4 % vor – also ein moderates, aber stabiles Plus. Um die Profitabilität in diesem Rahmen zu sichern, wurde ein striktes Kostensenkungsprogramm aufgelegt, das vor allem die Airline-Sparte betrifft.

Parallel fließen Mittel in die Modernisierung der Flotte. Geplant ist die Erneuerung mit 20 neuen Boeing-Maschinen. Das dürfte mittelfristig Effizienzgewinne etwa beim Treibstoffverbrauch und in der Wartung ermöglichen, ist kurzfristig aber mit Investitionen verbunden.

Für Dividendenanleger setzt der Konzern mit einer angekündigten Ausschüttung von 0,10 Euro je Aktie ein Signal der Normalisierung nach den Krisenjahren. Gemessen am aktuellen Kurs ergibt sich zwar nur eine niedrige Rendite, wichtiger ist hier die Botschaft: TUI kehrt zur regelmäßigen Ausschüttungspolitik zurück.

Fazit: Solide Erholung, Bewertungsfrage offen

Operativ zeigt die Entwicklung klar nach oben: kräftige Sommerbuchungen, ein strukturiertes Sparprogramm und Investitionen in eine effizientere Flotte. Der Aktienkurs spiegelt diese Erholung bereits wider und liegt deutlich über den zentralen Durchschnittslinien, bei nur geringem Abstand zum 52‑Wochen-Hoch.

Die zentrale Unsicherheit bleibt jedoch die Bewertung. Während Barclays deutlich zweistelliges Aufwärtspotenzial sieht, stuft Bernstein das aktuelle Niveau als eher ambitioniert ein. Für die weitere Kursentwicklung dürften daher zwei Faktoren entscheidend sein: Zum einen, ob sich die starken Sommerbuchungen tatsächlich in Ergebnissen im Rahmen oder über der Prognose (2–4 % Umsatzplus) niederschlagen, zum anderen, ob das Sparprogramm und die Flottenerneuerung die Marge spürbar verbessern.

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