Tesla: US-Behörde verschärft FSD-Untersuchung nach Unfällen
Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA hat ihre Untersuchung zu Teslas „Full Self-Driving“-System (FSD) deutlich verschärft. Grund sind Bedenken, dass das System bei schlechter Sicht versagt – mit möglicherweise tödlichen Folgen.
Von der Prüfung zur tiefgreifenden Analyse
Was als vorläufige Bewertung begann, ist nun eine formelle Engineering Analysis mit der Bezeichnung EA26002. Dieser Schritt ist für die NHTSA typischerweise die letzte Stufe vor einer möglichen Rückrufaktion. Im Fokus stehen rund 3,2 Millionen Tesla-Fahrzeuge der Modelle S, X, 3, Y und des Cybertruck aus den Baujahren 2016 bis 2026.
Der Kern der Untersuchung: Kann das rein kamerabasierte „Vision“-System von Tesla gefährliche Sichtbehinderungen wie Sonnenblendung, Nebel, Staub oder starken Regen zuverlässig erkennen? Die Behörde hat Hinweise, dass genau dies in mehreren Unfällen nicht der Fall war. Das wirft grundlegende Fragen zur Tauglichkeit von Kamera-only-Lösungen für das autonome Fahren auf.
System versagt bei schlechter Sicht – mit fatalen Konsequenzen
Die NHTSA prüft aktuell neun konkrete Vorfälle, die mit der FSD-Leistung bei schlechter Sicht in Verbindung stehen könnten. Darunter sind ein tödlicher Unfall mit einem Fußgänger und zwei Crashs mit Verletzten. Sechs weitere Vorfälle werden ebenfalls untersucht.
Die vorläufigen Erkenntnisse der Behörde sind alarmierend. In mehreren analysierten Unfällen soll das FSD-System entweder die beeinträchtigte Sicht gar nicht erkannt oder erst unmittelbar vor dem Aufprall eine Warnung ausgegeben haben. In zahlreichen Fällen verlor das System zudem ein vorausfahrendes Fahrzeug aus den Augen oder erkannte es von vornherein nicht.
Doch wie reagierte Tesla auf die Sicherheitsbedenken? Nach einem tödlichen Crash im November 2023, der der Behörde erst im Juni 2024 gemeldet wurde, entwickelte der Konzern ein Software-Update für sein Erkennungssystem. Die NHTSA bezweifelt jedoch dessen Wirksamkeit: Selbst bei Installation hätte es wahrscheinlich nur bei drei der neun untersuchten Unfälle einen Unterschied gemacht.
Datenprobleme und globale Implikationen
Ein weiterer kritischer Punkt: Die NHTSA vermutet, dass interne Daten- und Meldefehler bei Tesla zu einer Untererfassung von Vorfällen mit aktiviertem FSD geführt haben könnten. Dies unterstreicht die immense Bedeutung transparenter Daten für die Entwicklung solcher Assistenzsysteme.
Die verschärfte Untersuchung ist ein schwerer Schlag für Teslas ambitionierte Pläne, insbesondere für die angekündigte Robotaxi-Flotte. Die Aktien des Unternehmens reagierten prompt mit Kursverlusten auf die Nachricht. Für die gesamte Branche stellt sich die Frage: Reicht eine reine Kamera-Lösung aus, oder braucht es zwingend zusätzliche Sensorik wie Radar oder Lidar für mehr Redundanz?
Was kommt jetzt auf Tesla zu?
Die Engineering Analysis bedeutet intensivere technische Tests und detaillierte Informationsanfragen der NHTSA an Tesla. Zwar führt sie nicht zwangsläufig zu einem Rückruf, doch sie ist die unmittelbare Vorstufe dazu. Sollte die Behörde einen zu behebenden Fehler identifizieren, würde Tesla diesen aller Voraussicht nach per „Over-the-Air“-Software-Update beheben.
Die Untersuchung ist nicht die einzige regulatorische Baustelle für FSD. Weitere Bundesbehörden prüfen Verkehrsverstöße von FSD-Fahrzeugen und die Unfallmeldepraxis des Konzerns. Auch international wächst der Druck: Einige Zulassungsbehörden haben die Freigabe von FSD bereits aufgrund von Bedenken zur Hardware-Redundanz verschoben.
Der Ausgang dieses Verfahrens könnte nicht nur Teslas Technologiestrategie, sondern auch künftige Industriestandards für autonomes Fahren maßgeblich beeinflussen.








