Liebe Leserinnen und Leser,

150.504 Autos – so viele Teslas wurden 2025 in der EU zugelassen. Klingt nach viel? Ist es aber nicht. Denn im Vorjahr waren es noch 243.000 gewesen. Ein Absturz um fast 38 Prozent, während der chinesische Rivale BYD seine Verkäufe mehr als verdreifachen konnte. Gleichzeitig vollzieht sich bei Puma eine spektakuläre Machtverschiebung: Der chinesische Sportartikelriese Anta übernimmt 29 Prozent für 1,5 Milliarden Euro. Und ASML? Der niederländische Chipausrüster steht vor der Bilanzvorlage – mit Erwartungen, die kaum höher sein könnten. Drei Geschichten über Verdrängung, Expansion und die Frage, wer in den kommenden Jahren die Märkte dominieren wird.

Tesla verliert in Europa den Anschluss – BYD rückt näher

Der EU-Automarkt legte 2025 insgesamt um 1,8 Prozent auf 10,8 Millionen Neuzulassungen zu. Doch während die deutschen Hersteller ihre Marktanteile ausbauten – VW, BMW und Mercedes kamen zusammen auf 39,9 Prozent – musste Tesla einen drastischen Rückgang hinnehmen. Der Marktanteil des E-Auto-Pioniers schrumpfte von 2,3 auf 1,4 Prozent.

BYD hingegen verdreifachte seine Verkäufe auf 128.827 Fahrzeuge und erreichte einen Marktanteil von 1,4 Prozent – damit liegt der chinesische Konkurrent praktisch gleichauf. Der Vorsprung, den Tesla jahrelang hatte, ist aufgezehrt. Verantwortlich dafür sind vor allem günstigere Hybridmodelle, die BYD im Angebot hat und die bei kostenbewussten europäischen Käufern punkten. Reine Elektroautos machten 2025 zwar 17,4 Prozent der Neuzulassungen aus – ein deutlicher Anstieg gegenüber 13,6 Prozent im Vorjahr. Doch Hybride dominierten mit 34,5 Prozent den Markt, und genau hier hat Tesla nichts zu bieten.

Besonders bitter: In Deutschland, wo der E-Auto-Absatz um 43 Prozent zulegte, konnte Tesla nicht profitieren. Die Kontroversen um Elon Musk und seine politische Positionierung dürften das Image der Marke beschädigt haben. Am Mittwoch nach US-Börsenschluss legt Tesla die Zahlen für das vierte Quartal vor – Analysten erwarten einen Umsatzrückgang auf 94,9 Milliarden Dollar. Die Frage ist nicht mehr, ob Tesla wächst, sondern ob die Vision von Robotaxis und humanoiden Robotern die hohe Bewertung rechtfertigt.

Anta steigt bei Puma ein – und die Börse jubelt

1,5 Milliarden Euro für 29 Prozent der Anteile – das zahlt der chinesische Sportartikelkonzern Anta der französischen Familie Pinault für deren Puma-Beteiligung. Der Preis pro Aktie liegt bei 35 Euro, fast 62 Prozent über dem Xetra-Schlusskurs vom Montag. Die Puma-Aktie schoss daraufhin um zeitweise mehr als 17 Prozent nach oben, pendelte sich später bei einem Plus von rund sechs Prozent ein.

Anta, zu dem Marken wie Fila, Salomon und Jack Wolfskin gehören, will seine globale Präsenz ausbauen. Puma befindet sich seit der Übernahme durch den ehemaligen Adidas-Manager Arthur Hoeld im Umbau: 900 Stellen sollen gestrichen, Kosten gesenkt und die Produktpalette gestrafft werden. Ziel ist es, ab 2027 wieder zu wachsen. Für Anta bietet der Deal die Chance, in Europa Fuß zu fassen und gleichzeitig Pumas Präsenz in Asien zu stärken.

Analysten sind gespalten. DBS Group Research sieht Potenzial für Marktanteilsgewinne in Europa. Jefferies hingegen warnt vor Verwässerungsrisiken und bezweifelt, dass Anta Puma in China ein „Gefühl von Markenfrische" verleihen kann. Eine vollständige Übernahme schließt Anta vorerst aus – doch die Tür steht offen. Die Transaktion soll bis Ende 2026 abgeschlossen sein.

ASML vor den Zahlen – Analysten sehen weiteres Potenzial

Am Mittwoch legt der niederländische Chipausrüster ASML seine Quartalszahlen vor. Die Erwartungen sind hoch: Analysten rechnen mit Erlösen von 9,7 Milliarden Euro, über den Konsensschätzungen von 9,5 Milliarden. Grund für den Optimismus sind Rekordimporte aus China, die im vierten Quartal 3,27 Milliarden Euro erreichten. Die Aktie hat sich seit April 2025 mehr als verdoppelt – ein beeindruckender Lauf, getrieben von der Nachfrage nach KI-Chips.

BofA Securities bekräftigte die Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 1.672 Dollar und stuft ASML weiterhin als „Top Pick" ein. Die Sorge, dass China mit eigenen EUV-Lithografie-Systemen zur Konkurrenz werden könnte, hält die Analysten für unbegründet. Chinas Technologie hinke mehrere Jahre hinterher, und führende Chipfertiger wie TSMC und Intel würden keine unerprobten chinesischen Systeme einsetzen.

ASML profitiert von steigenden Investitionen der Chipfertiger: TSMC plant 2026 Ausgaben von 56 Milliarden Dollar, ein Plus von 37 Prozent. Samsung und SK Hynix erhöhen ihre Budgets um 24 beziehungsweise 25 Prozent. Ein Viertel dieser Ausgaben fließt in Lithografie-Systeme – und ASML kontrolliert etwa 90 Prozent dieses Marktes. Die einzige Frage ist, ob das Unternehmen seine Prognose für 2026 anhebt. Analysten haben ihre Schätzungen bereits deutlich über die offizielle Guidance angehoben.

Was diese Woche noch wichtig wird

Die Earnings-Saison nimmt Fahrt auf: Am Mittwoch berichten neben Tesla und ASML auch Microsoft und Meta Platforms. Am Donnerstag folgen SAP und Apple, am Montag dann Palantir. Die Fed gibt ebenfalls am Mittwoch ihre Zinsentscheidung bekannt – eine Pause wird erwartet, doch Jerome Powells Pressekonferenz dürfte spannend werden. Und während Gold und Silber neue Rekorde markieren, bleibt Bitcoin unter 90.000 Dollar stecken – die Krypto-Märkte warten auf Impulse.

Bis morgen – und bleiben Sie wachsam.

Herzliche Grüße
Andreas Sommer