Siemens Energy, Chemie-Sektor & Porsche: Wenn Gaskraftwerke beflügeln, Überkapazitäten drücken und China-Schwäche belastet
Liebe Leserinnen und Leser,
129,10 Euro – dieser Kurs von Siemens Energy markierte gestern noch das Schlussniveau. Heute sprang die Aktie zeitweise auf neue Rekordhöhen und führte den DAX mit über drei Prozent Plus an. Der Grund? Eine Grundsatzeinigung zur deutschen Kraftwerksstrategie, die dem Energietechnikkonzern neue Milliardenchancen eröffnet. Doch während ein Sektor jubelt, kämpft ein anderer mit strukturellen Problemen: Die europäische Chemieindustrie steht unter massivem Druck – chinesische Überkapazitäten, schwache Endmärkte und historisch niedrige Auslastung setzen BASF, Lanxess und Co. zu. Und bei Porsche? Dort offenbart sich einmal mehr, wie sehr der Luxusautobauer unter der China-Krise leidet. Ein Blick auf drei Sektoren, die unterschiedlicher nicht laufen könnten.
Siemens Energy: Wenn Gaskraftwerke zum Kurstreiber werden
Die Bundesregierung und die EU-Kommission haben sich auf die Eckpunkte einer Kraftwerksstrategie geeinigt – und Siemens Energy profitiert direkt. Noch in diesem Jahr sollen zwölf Gigawatt neue, steuerbare Kapazitäten ausgeschrieben werden, zehn Gigawatt davon mit langfristiger Stromerzeugung. Das zielt klar auf Gaskraftwerke, die ab 2031 in Betrieb gehen und später auf Wasserstoff umgestellt werden sollen. Für Siemens Energy, dessen Gasturbinen-Geschäft bereits rund läuft, ist das eine Steilvorlage.
Die Aktie reagierte prompt: Mit einem Plus von 3,3 Prozent auf zeitweise über 132 Euro markierte sie ein weiteres Allzeithoch. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von zehn Prozent zu Buche, nachdem das Papier 2025 bereits um fast 140 Prozent zugelegt hatte. Energiekonzerne wie RWE, Uniper und die Steag Iqony Group stehen in den Startlöchern – RWE allein plant drei Gigawatt neue Kapazität an drei Standorten in Nordrhein-Westfalen. Doch die Frage bleibt: Wer trägt die Kosten? Eine neue Umlage für Energiekunden ist im Gespräch, was die Strompreise weiter belasten könnte. Wirtschaftsverbände warnen bereits vor Belastungen in Milliardenhöhe.
Chemie-Sektor: Strukturelle Krise statt Erholung
Während Siemens Energy glänzt, kämpft die europäische Chemieindustrie mit einer Vielzahl struktureller Probleme. Der Stoxx Europe 600 Chemicals Index verlor am Vormittag 1,37 Prozent – und das ist nur die jüngste Episode einer längeren Talfahrt. 2025 fiel der Index um rund sieben Prozent, obwohl das Gesamtmarktumfeld stark war. Die Gründe sind vielfältig: maue Absatzvolumina, träge Preisentwicklung, fragile Endmärkte wie Bau und Beschichtungen – und vor allem chinesische Überkapazitäten.
Barclays-Analyst Alex Sloane warnt, dass die Auslastung der Branche nahe historischer Tiefststände bleibe. Chinesische Exporte drücken die Preise in wichtigen Lieferketten, während Endmärkte nur begrenzt Anzeichen eines Aufschwungs zeigen. Besonders vorsichtig blickt Sloane auf Lanxess und Wacker Chemie – die Gewinnerwartungen des Marktes könnten sich als zu hoch erweisen. Die Lanxess-Aktie war mit minus 3,5 Prozent größter Verlierer im MDAX, Wacker Chemie gab 1,5 Prozent nach. Im DAX bildete BASF mit minus 2,4 Prozent das Schlusslicht.
Zwar versucht Chinas Regierung, die Überkapazitäten einzudämmen. Doch ob diese Kampagne Erfolg hat, ist laut JPMorgan-Experte Chetan Udeshi schwer einzuschätzen – wirkliche Belege gebe es nicht. Die Aussichten für eine deutliche Gewinnerholung bleiben vorerst ungewiss.
Porsche: China-Krise verschärft sich weiter
Minus 26 Prozent in China – diese Zahl fasst die Lage bei Porsche zusammen. Der Sportwagenbauer verkaufte 2025 nur noch gut 41.900 Fahrzeuge in der Volksrepublik, nach fast 95.700 im Jahr 2021. Es ist der vierte Rückgang in Folge, und ein Ende ist nicht in Sicht. Porsche nennt herausfordernde Marktbedingungen und harten Wettbewerb bei E-Modellen als Gründe. Dahinter steht die Kaufzurückhaltung wohlhabender Chinesen, deren Vermögen durch die Immobilienkrise geschmälert wurde.
Doch nicht nur China belastet: Auch in Deutschland (minus 16 Prozent) und im restlichen Europa (minus 13 Prozent) gingen die Auslieferungen deutlich zurück. Unter dem Strich lieferte Porsche 2025 rund 279.400 Fahrzeuge aus – zehn Prozent weniger als im Vorjahr. Fast die Hälfte des Rückgangs geht auf China zurück. Immerhin: In Nordamerika blieben die Zahlen mit rund 86.200 Auslieferungen nahezu stabil.
Vertriebsvorstand Matthias Becker gibt sich zurückhaltend: Angesichts des Produktionsauslaufs von 718 und Verbrenner-Macan plane man das Volumen „realistisch". Direkte Nachfolger gibt es nicht, und ein E-Modell von Cayman und Boxster verzögert sich. Porsche setzt entgegen ursprünglicher Pläne wieder stärker auf Verbrenner – ein Zeichen, dass die E-Mobilität nicht so schnell vorankommt wie erhofft.
Anzeige: Diese Entwicklung in der Automobilindustrie erinnert mich an eine wichtige Investmentchance, die ich kürzlich analysiert habe. Felix Baarz zeigt in seinem aktuellen Webinar „Der Eine-Billion-Dollar-Chip", wie der globale Halbleiter-Boom die Automobilindustrie revolutioniert – denn moderne E-Autos enthalten bis zu 3.000 Chips pro Fahrzeug. Er stellt vier Unternehmen vor, die von diesem Megatrend profitieren: vom KI-Chip-Champion über führende Produktionsanlagen-Hersteller bis hin zu Spezialisten für Automotive-Halbleiter. Die Branche steuert auf einen Jahresumsatz von einer Billion US-Dollar zu, befeuert durch staatliche Investitionsprogramme in den USA, Europa und Asien. Sie erfahren konkret, welche vier Chip-Aktien das Potenzial für außergewöhnliche Kursgewinne haben und wie Sie als Anleger von der Elektrifizierung und Digitalisierung der Mobilität profitieren können. Kostenlose Analyse zu den vier Chip-Aktien
Ausblick: Gaskraftwerke, Chemie-Belastung und China-Frage
Die kommenden Wochen dürften zeigen, ob die Kraftwerksstrategie tatsächlich Milliarden in Bewegung setzt – und wer die Rechnung zahlt. Für die Chemieindustrie bleibt die Frage, ob China seine Überkapazitäten in den Griff bekommt. Und Porsche? Der Konzern hofft auf Stabilisierung, doch solange China schwächelt, bleibt die Lage angespannt. Am 11. März legt Rheinmetall seinen Geschäftsbericht vor, am 5. März folgt RENK – auch dort wird sich zeigen, wie sich die Rüstungskonjunktur entwickelt.
Bis dahin gilt: Siemens Energy glänzt, die Chemie leidet, und Porsche kämpft. Drei Sektoren, drei Geschichten – und alle erzählen viel über die Herausforderungen der deutschen Wirtschaft.
Einen erfolgreichen Handelstag wünscht Ihnen
Andreas Sommer








