Siemens Energy startet mit Schwung ins Jahr 2026. Eine Milliardeninvestition in das Transformatorengeschäft, der vollständige Erwerb eines Service-Joint-Ventures und geopolitischer Rückenwind aus Venezuela schieben die Aktie auf neue Höhen – während die Bewertung bereits deutlich über den Konsensschätzungen liegt. Wie stabil ist dieser Aufwärtstrend?

Milliarden für Transformatoren

Der zentrale Treiber der aktuellen Bewegung ist eine große Investitionsankündigung. Siemens Energy plant, rund 2 Milliarden Euro in den Ausbau der Produktionskapazitäten für Transformatoren zu stecken. Hintergrund ist der globale Boom bei KI-Anwendungen und Rechenzentren, der weltweit den Bedarf an Netzinfrastruktur erhöht.

  • Volumen der Investition: 2 Milliarden Euro
  • Fokus: Ausbau der Transformatoren-Kapazitäten
  • Markthintergrund: steigende Infrastrukturinvestitionen, u. a. in der EU
  • Strategisches Ziel: stärkere Positionierung gegenüber chinesischen Anbietern

Berichten zufolge summieren sich allein in der EU geplante Investitionen in Netzinfrastruktur auf etwa 584 Milliarden Euro. Chinesische Hersteller kontrollieren derzeit noch rund 60 % der globalen Transformatorenkapazitäten. Siemens Energy will diesen Vorsprung verkleinern und sich als europäische Alternative im strategisch sensiblen Stromnetzbereich positionieren.

Der Markt honoriert die Weichenstellung: Auf Sicht von zwölf Monaten legte der Kurs um rund 135 % zu. Gestern schloss die Aktie bei 127,55 Euro und liegt damit deutlich über dem 50-Tage-Durchschnitt von 115,52 Euro.

Servicegeschäft gestärkt durch RWG-Übernahme

Parallel zur Investitionsoffensive meldete Siemens Energy den Vollzug einer Übernahme im Turbinenservice. Die britische John Wood Group PLC veräußerte ihren Anteil am Joint Venture RWG (Repair & Overhaul von Gasturbinen) vollständig an den DAX-Konzern. Siemens Energy übernimmt damit die volle Kontrolle über diesen Servicebereich.

Der Schritt ist strategisch bedeutsam: Wartungs- und Servicegeschäfte gelten in der Energietechnik als margenstark und relativ stabil. Die vollständige Integration von RWG dürfte die Ertragsqualität in diesem Segment verbessern und die Steuerung des Geschäfts vereinfachen.

Diese unternehmensspezifischen Nachrichten fallen in ein sehr konstruktives Marktumfeld. Der DAX markierte am 5. Januar mit 24.856 Punkten ein Rekordhoch, Siemens Energy zählte mit einem Tagesplus von über 4 % zu den stärksten Werten im Index.

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Geopolitik als zusätzlicher Kurstreiber

Ein weiterer Faktor kommt aus der internationalen Politik. Nach US-Militärschlägen in Venezuela und der angekündigten engeren Kontrolle der dortigen Ölindustrie durch die US-Administration unter Präsident Trump zogen Energieaktien weltweit an.

Interessant ist die Konstellation:
Obwohl die Ölpreise (WTI und Brent) in der Folge teilweise nachgaben – die Aussicht auf mittelfristig steigendes Angebot aus Venezuela dämpft die Notierungen –, profitieren Ausrüster und Energiedienstleister wie Siemens Energy von der Erwartung umfangreicher Infrastrukturprojekte. Die venezolanische Ölindustrie ist technisch überaltert und benötigt Modernisierungen, um die von JP Morgan prognostizierte Produktionssteigerung auf etwa 1,4 Millionen Barrel pro Tag zu realisieren.

Für Siemens Energy ergibt sich damit ein Umfeld, in dem sowohl das klassische Energiegeschäft als auch Netzinfrastruktur und Transformatoren gefragt sind.

Bewertung: Hohe Dynamik, ambitionierte Kennzahlen

Fundamental präsentiert sich das Unternehmen solide. Der Auftragsbestand lag zuletzt bei rund 136 Milliarden Euro und sichert die Auslastung über mehrere Jahre ab. Gleichzeitig hat die jüngste Kursrally Spuren in der Bewertung hinterlassen.

  • Schlusskurs gestern: 127,55 Euro
  • Performance 30 Tage: +8,60 %
  • Performance 12 Monate: +134,73 %
  • Abstand zum 52-Wochen-Hoch (141,84 Euro): rund -10 %
  • Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt (95,80 Euro): rund +33 %

Der aktuelle Kurs hat das durchschnittliche Analystenkursziel von etwa 83,76 Euro deutlich hinter sich gelassen. Bewertungsmodelle sehen den fairen Wert derzeit bei ungefähr 125 Euro, womit die Aktie im Bereich „fair bis leicht ambitioniert“ gehandelt wird.

Charttechnisch unterstreicht der Relative-Stärke-Index (RSI) von 85,4 das starke Momentum, signalisiert aber zugleich einen überkauften Zustand. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von knapp 74 % zeigt, wie schwankungsanfällig der Titel derzeit ist.

Einige Analysten wie Evercore verweisen dennoch auf eine mögliche Bewertungslücke zum US-Wettbewerber GE Vernova und haben Kursziele von bis zu 200 Euro genannt. Diese Einschätzungen bauen jedoch auf der Annahme auf, dass Wachstums- und Margenfantasie langfristig realisiert werden.

Ausblick: Umsetzung entscheidet

In den kommenden Wochen rückt die konkrete Umsetzung der 2-Milliarden-Euro-Investition in den Vordergrund. Entscheidend wird sein, wie schnell Siemens Energy neue Transformatoren-Kapazitäten ans Netz bringen kann, um vom anhaltenden Ausbau der Stromnetze und der KI-getriebenen Nachfrage nach Rechenzentrumsleistung zu profitieren.

Kurzfristig bleibt die technische Lage dynamisch: Mit Kursen deutlich über den gängigen gleitenden Durchschnitten ist der Aufwärtstrend intakt, aber anfällig für Gewinnmitnahmen. Auslöser könnten sowohl der überkaufte RSI als auch neue geopolitische Nachrichten sein. Gelingt es dem Unternehmen jedoch, Investitionspläne und Serviceausbau wie angekündigt umzusetzen, bleibt die aktuelle Wachstumsstory substantiell untermauert.

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