Siemens liefert das stärkste Quartal seit Jahren ab – doch die Aktie rutscht unter die 200-Tage-Linie. Grund ist nicht etwa operative Schwäche, sondern ein radikaler Konzernumbau: Die Trennung von Healthineers steht bevor, 200 Millionen Euro fließen in KI-Fertigung, und der CFO wechselt. Während Großaufträge aus dem Rechenzentrumsgeschäft die Bücher füllen, herrscht Unsicherheit über die Details der geplanten Abspaltung.

Rekordquartal mit Schattenseiten

Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026 kletterten die Gruppenaufträge um 10 Prozent auf 21,4 Milliarden Euro. Der Gewinn im Industriegeschäft sprang um 15 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro, das bereinigte Ergebnis je Aktie von 2,22 auf 2,80 Euro. Besonders bemerkenswert: Der Auftragsbestand erreichte 120 Milliarden Euro – ein neuer Rekord.

Treiber ist zunehmend das Geschäft mit Rechenzentrumslösungen. Hier verzeichnete Siemens ein Umsatzplus von 35 Prozent, getragen von Großaufträgen für Cloud- und KI-Infrastruktur aus den USA. Der Konzern hob daraufhin die EPS-Prognose für das Gesamtjahr auf 10,70 bis 11,10 Euro an.

Trotzdem rutschte die Aktie deutlich zurück. Am Freitag schloss sie bei 225,70 Euro – unter der 200-Tage-Linie von rund 235 Euro. Seit dem Allzeithoch bei 275,75 Euro verlor der Titel über 13 Prozent.

Healthineers-Trennung belastet

Der Hauptgrund für die Kurskorrektur liegt in der geplanten Abspaltung von Siemens Healthineers. Der Konzern will sich von seiner 67-prozentigen Beteiligung am Medizintechnikgeschäft trennen. Rund 30 Prozent der Anteile sollen direkt an die Siemens-Aktionäre ausgegeben werden.

CEO Roland Busch verspricht sich von dem Schritt eine Reduzierung des sogenannten Konglomeratsabschlags. Siemens würde als fokussierteres Industrietechnologieunternehmen neu positioniert. Doch die Unsicherheit über Zeitplan und steuerliche Details belastet aktuell den Kurs. Konkrete Informationen sollen erst im zweiten Kalenderquartal 2026 folgen. Die Dividende von 5,35 Euro will Siemens auch nach der Entkonsolidierung zahlen.

200 Millionen für KI-Produktion in Amberg

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Parallel setzt Siemens auf künstliche Intelligenz in der Fertigung. Am Standort Amberg investiert der Konzern 200 Millionen Euro in eine „intelligente Fabrik", die bis 2030 selbstlernend und autonom produzieren soll. Gleichzeitig wird die Fertigung vollständig dekarbonisiert.

Das Projekt ist Teil einer umfassenderen Strategie. Gemeinsam mit NVIDIA arbeitet Siemens an der weltweit ersten vollständig KI-gesteuerten, adaptiven Fertigungsstätte. Die Electronics Factory in Erlangen dient ab 2026 als erstes Referenzprojekt.

Aktienrückkauf beschleunigt – neuer CFO im April

Beim Aktienrückkauf geht Siemens schneller voran als geplant. Von den autorisierten sechs Milliarden Euro sind bereits 4,4 Milliarden umgesetzt. Im März werden zudem 18 Millionen eigene Aktien eingezogen, was die Gesamtzahl der ausstehenden Anteile auf rund 782 Millionen reduziert.

Ein weiterer Einschnitt: Am 1. April übernimmt Veronika Bienert den CFO-Posten. Sie löst Ralf P. Thomas ab, der nach über einem Jahrzehnt als Finanzvorstand und mehr als 30 Jahren im Unternehmen ausscheidet.

Zahlen im Mai entscheiden

Am 13. Mai veröffentlicht Siemens die Ergebnisse für das zweite Quartal. Dann wird sich zeigen, ob das Momentum aus dem Rechenzentrumsgeschäft anhält. Zuvor dürften jedoch die Details zur Healthineers-Transaktion im Fokus stehen. Sie entscheiden, wie konkret der Umbau für Aktionäre wird – und ob der Kurs zurück über die 200-Tage-Linie findet.

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