Siemens spannt den Bogen von klassischem Industriegeschäft hin zu einer klaren KI-Story. Die auf der CES in Las Vegas vorgestellte Vertiefung der Partnerschaft mit Nvidia stärkt das Bild eines Technologie-Schwergewichts, während geopolitische Signale aus Indien die Bedeutung regionaler Risiken in Erinnerung rufen. Entscheidend ist nun, welcher dieser beiden Stränge den Kursverlauf in den kommenden Monaten stärker prägen wird.

CES 2026: KI-Strategie nimmt Konturen an

Auf der CES-Keynote am Dienstag präsentierten Siemens-CEO Roland Busch und Nvidia-Gründer Jensen Huang den nächsten Schritt ihrer Zusammenarbeit. Im Zentrum steht ein „Industrial AI Operating System“, das die Lücke zwischen klassischer IT und operativer Fertigungstechnologie schließen soll.

Kernelement der Präsentation war die tiefere Integration generativer KI in die Plattform Siemens Xcelerator. Ziel: Produktionsprozesse nicht nur zu simulieren, sondern zunehmend autonom zu optimieren. Damit entwickelt sich der digitale Zwilling vom Analysewerkzeug zum aktiven Steuerungsinstrument in der Fabrik.

Ein prominentes Praxisbeispiel lieferte PepsiCo. Der Konzern nutzt die neuen digitalen Zwillinge bereits, um:
- den Durchsatz in Pilotanlagen um rund 20 % zu steigern
- Investitionskosten durch umfassende Vorab-Simulationen spürbar zu senken

Nvidia-Chef Huang sprach in diesem Zusammenhang davon, von reiner Simulation zur „KI-gesteuerten Exekution“ in großen Fertigungsstandorten überzugehen. Für Siemens stärkt diese Präsentation das Profil als Technologielieferant im entstehenden „Industrial Metaverse“ und untermauert die Hoffnung auf margenstarkes Software- und KI-Wachstum.

Am Markt stützt diese Perspektive derzeit die Bewertung: Der Kurs liegt mit rund 255 Euro deutlich über dem 200-Tage-Durchschnitt von etwa 227 Euro, auch wenn der Abstand zum 52-Wochen-Hoch bei gut 11 % liegt.

Indien: Wettbewerbsdruck für die Tochter

Parallel zur Tech-Euphorie zeigt die Entwicklung in Indien die andere Seite des Geschäftsmodells. Die separat börsennotierte indische Tochter Siemens Ltd. geriet heute deutlich unter Druck. Der Kurs sackte um etwa 5 % ab, auch Wettbewerber wie ABB India und BHEL verzeichneten spürbare Verluste.

Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Siemens?

Auslöser war ein Bericht der Nachrichtenagentur Reuters. Demnach erwägt das indische Finanzministerium, die seit 2020 geltenden Beschränkungen für chinesische Bieter bei staatlichen Ausschreibungen aufzuheben. Damit könnte der Markt für günstigere Anbieter aus China wieder geöffnet werden.

Für Infrastruktur- und Industrieprojekte in Indien würde dies einen härteren Preiswettbewerb bedeuten und potenziell die Margen belasten. Operativ betrifft das primär die indische Tochter, dennoch reagieren Investoren sensibel – Indien gilt für Siemens als wichtiger Wachstumsmarkt im klassischen Projektgeschäft.

Der Kontrast zur CES-Botschaft ist deutlich:
- Indien steht für projektlastiges Geschäft mit Preis- und Politikrisiken
- Die CES-Inhalte stehen für wiederkehrende Softwareerlöse und KI-Lösungen mit höherer Marge

Siemens Energy im KI-Ökosystem

Ein weiteres Signal aus dem Siemens-Umfeld kam heute von Siemens Energy. Babcock & Wilcox wählte das Unternehmen als Lieferanten von Dampfturbinen für ein 1-Gigawatt-Projekt, das die Energieversorgung einer „AI Factory“ des Anbieters Applied Digital sichern soll.

Auch wenn Siemens Energy eigenständig börsennotiert ist, verweist der Auftrag auf die Rolle von Siemens-Technologie im Infrastruktur-Backbone der Künstlichen Intelligenz. Die Siemens AG ist als Ankeraktionär indirekt eingebunden, zugleich unterstreicht der Deal, dass KI nicht nur Software, sondern auch Energie- und Hardwareinfrastruktur benötigt – Bereiche, in denen das Siemens-Umfeld traditionell stark ist.

Einordnung und Ausblick

Die Nachrichtenlage dieser Woche zeigt den Konzern in einer Übergangsphase. Auf der einen Seite steht das klassische Projektgeschäft, insbesondere in Schwellenländern, das anfällig für politische Entscheidungen und aggressiven Preiswettbewerb ist. Auf der anderen Seite wächst das Geschäft mit Software, digitalen Zwillingen und KI-Lösungen, das weniger zyklisch und potenziell deutlich margenstärker ist.

Analysten sehen in den CES-Ankündigungen eine Bestätigung der eingeschlagenen „Re-Rating“-Story: Entscheidend wird sein, in welchem Tempo Siemens KI-Produkte wie den „Digital Twin Composer“ in wiederkehrende Umsätze und höhere Margen überführen kann. Kurzfristige Schwankungen in einzelnen Regionalmärkten wie Indien treten dabei in den Hintergrund, solange die strategische KI-Ausrichtung planmäßig vorankommt.

Konkret richten sich die Blicke nun auf die nächsten Quartalszahlen. Dort wird sich zeigen, ob erste CES-Initiativen bereits in Form höherer Auftragseingänge in der Sparte Digital Industries sichtbar werden. Hält der aktuelle Kursbereich um die 255 Euro und bestätigen die Zahlen den KI-Kurs, hätte die langfristige Tech-Story gegenüber regionalen Risiken klar Rückenwind.

Siemens-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Siemens-Analyse vom 08. Januar liefert die Antwort:

Die neusten Siemens-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Siemens-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 08. Januar erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Siemens: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...