Barclays nimmt den Fuß leicht vom Gas, der Markt bleibt gelassen: Die britische Investmentbank senkt ihr Kursziel für SAP, hält aber klar an der positiven Einschätzung fest. Parallel dazu verteidigt die Aktie eine zentrale Unterstützungszone und der Softwarekonzern ordnet seine Führungsstruktur in Nordamerika neu. Wie gut passt das vorsichtigere Analystenbild zu den operativen Signalen?

Barclays wird vorsichtiger – Kaufvotum bleibt

Im Mittelpunkt steht die neue Studie von Barclays-Analyst Sven Merkt. Er passt seine Erwartungen für den Walldorfer Konzern nach unten an:

  • Neues Kursziel: 270 Euro (zuvor 300 Euro)
  • Rating: „Overweight“ (Kaufempfehlung unverändert)
  • Hauptgrund: gesenkte Gewinnprognosen (EPS) für 2026 und 2027

Die Reduzierung des Kursziels um rund 10 Prozent spiegelt eine zurückhaltendere Sicht auf die mittelfristige Ergebnisdynamik wider. An der grundsätzlichen Investmentstory ändert Barclays damit jedoch nichts: Die Aktie wird weiterhin übergewichtet, das Potenzial sieht die Bank trotz Anpassung deutlich über dem aktuellen Kursniveau.

Chartbild: Unterstützung bei 200 Euro hält

Am Markt fällt die Reaktion erstaunlich stabil aus. Statt Druck zu verstärken, setzte die SAP-Aktie heute zur Erholung an. Der Kurs legte im Tagesverlauf zeitweise spürbar zu und notiert aktuell bei 207,95 Euro, nach 202,05 Euro zum gestrigen Schluss.

Charttechnisch stechen zwei Punkte hervor:

Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei SAP?

  • Wichtige Marke verteidigt: Der Bereich um 200 Euro fungiert als psychologisch und technisch relevante Unterstützung. Von dort aus gelang die jüngste Gegenbewegung.
  • Erste Erholungstendenz: Auf Zwölfmonatssicht liegt die Aktie mit knapp 14 Prozent im Minus, auch im 30-Tage-Vergleich ist die Bilanz leicht negativ. Der heutige Anstieg signalisiert dennoch, dass auf dem gedrückten Niveau wieder Kaufinteresse aufkommt.

Mit einem Abstand von gut 25 Prozent zum 52-Wochen-Hoch bei 280,40 Euro und rund 12 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt bleibt das Papier zwar klar unter seinem früheren Spitzenbereich, von einem technischen Extrem ist es aber entfernt. Der RSI von 51,8 bestätigt ein neutrales Momentum ohne Überkauf- oder Überverkauf-Signal.

Führungswechsel in Nordamerika

Operativ richtet SAP den Blick weiterhin klar auf das Cloud-Geschäft, insbesondere im wichtigen US-Markt. Dafür wurde David Robinson mit sofortiger Wirkung zum President von SAP North America ernannt.

Robinson ist seit 22 Jahren im Konzern und war zuletzt als Chief Revenue Officer für Cloud ERP verantwortlich. In seiner neuen Rolle steuert er die Markteinheiten in Nordamerika und den Vertrieb in der Region. Die Besetzung mit einem langjährigen Cloud-Spezialisten unterstreicht den Ansatz, das Wachstum im wettbewerbsintensiven nordamerikanischen Markt mit interner Erfahrung abzusichern.

Gemischte operative Signale aus dem Markt

Neben Analystenkommentaren und Personalien zeigen aktuelle Entwicklungen ein differenziertes Bild der Nachfrage:

  • Institutionelle Nachfrage: Die First Merchants Corp hat im dritten Quartal 2025 neue SAP-Positionen im Volumen von rund 2,93 Millionen US-Dollar aufgebaut. Das signalisiert weiterhin Vertrauen institutioneller Investoren in das Geschäftsmodell.
  • Wettbewerbsdruck: Gleichzeitig gibt es Rückschläge im Projektgeschäft. So hat die Universität Leiden ihre Systeme zum 1. Januar 2026 von SAP auf den Wettbewerber AFAS umgestellt.
  • Neue Projektchancen: Auf der anderen Seite läuft in Großbritannien eine Ausschreibung der Northern Ireland Electricity Networks für eine SAP S/4HANA-Migration mit einem Volumen von bis zu 81 Millionen Pfund. Das belegt, dass umfangreiche Transformationsprojekte weiterhin auf SAP-Technologie setzen.

Damit stehen selektive Kundenverluste einer nach wie vor soliden Nachfragebasis gegenüber – ein Muster, das zu der vorsichtigeren, aber nicht pessimistischen Sicht passt, die Barclays mit den gesenkten EPS-Erwartungen abbildet.

Entscheidender Blick auf den Geschäftsbericht

Der nächste klare Orientierungspunkt ist bereits terminiert: Am 26. Februar 2026 veröffentlicht SAP den Konzernjahresfinanzbericht für 2025. Dann wird sich zeigen, wie stark sich der Übergang in die Cloud in den Kennzahlen niederschlägt und ob die von Barclays reduzierten Gewinnprognosen für 2026 und 2027 durch harte Daten untermauert werden.

Bis dahin bleibt das Bild zweigeteilt: Die Aktie notiert deutlich unter ihrem Hoch, verteidigt jedoch wichtige Unterstützungen, während Analysten das Kurspotenzial nach oben begrenzt, aber weiterhin attraktiv sehen. Fällt der Bericht Ende Februar überzeugend aus, könnten sowohl das gesenkte Kursziel als auch die aktuell zurückhaltende Bewertung Spielraum für eine erneute Annäherung an höhere Kursregionen eröffnen.

SAP-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue SAP-Analyse vom 08. Januar liefert die Antwort:

Die neusten SAP-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für SAP-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 08. Januar erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

SAP: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...