SAP startet mit zwei operativen Erfolgen ins neue Jahr, gleichzeitig bleibt die Aktie deutlich unter ihrem Höchststand der vergangenen zwölf Monate. Auf der einen Seite stärkt der Konzern seine Position im Markt für Enterprise-KI, auf der anderen Seite lasten geopolitische Spannungen auf der Bewertung. Wie passt das zusammen?

SAP vertieft KI-Offensive mit Snowflake

Kernstück der jüngsten Nachrichtenlage ist die erweiterte Zusammenarbeit mit der Snowflake AI Data Cloud. Ziel dieser Partnerschaft ist eine engere Verzahnung von SAP S/4HANA mit der Cloud-Infrastruktur von Snowflake. Kunden sollen ihre Unternehmensdaten damit einfacher bündeln und für KI-Anwendungen nutzbar machen.

Im Fokus steht vor allem:

  • Verbesserte Datenintegration zwischen SAP S/4HANA und Snowflake
  • Breiterer Einsatz von KI auf Basis konsistenter Unternehmensdaten
  • Stärkung der Wettbewerbsposition im Markt für Enterprise-AI-Lösungen

Aus Marktsicht ist das ein logischer Schritt: Wer im Wettbewerb um KI-basierte Geschäftsanwendungen vorne mitspielen will, muss Datenströme vereinheitlichen und für Analysen in großem Stil bereitstellen. Genau hier setzt die Kooperation an.

Großauftrag von BSH stützt Cloud-Strategie

Parallel meldet SAP einen wichtigen Kunden-Erfolg mit Signalwirkung: Die BSH Hausgeräte GmbH aus der Bosch-Gruppe stellt ihre globale Finanzlandschaft auf SAP S/4HANA in der Cloud um. Damit werden sechs bisher getrennte ERP-Systeme in einem weltweiten System konsolidiert.

Das Projekt läuft über „RISE with SAP“ und zielt darauf ab, Datensilos zwischen Accounting, Controlling und Treasury abzubauen. Für SAP bestätigt dieser Auftrag:

  • Die Nachfrage nach umfassenden Cloud-Transformationen bleibt intakt
  • Großkunden setzen auf zentrale ERP-Plattformen
  • „RISE with SAP“ etabliert sich als Rahmen für komplexe Umstellungen

Solche Leuchtturmprojekte sind wichtig, weil sie den strategischen Wandel vom Lizenzmodell hin zu wiederkehrenden Cloud-Umsätzen unterstreichen.

Geopolitischer Druck belastet die Stimmung

Trotz der operativ positiven Nachrichten reagiert der Markt zurückhaltend. Der Kurs liegt heute bei rund 206 Euro und damit nur knapp über dem 52‑Wochen‑Tief von 201,95 Euro. Vom Hoch bei 280,40 Euro ist die Aktie damit gut ein Viertel entfernt.

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Hintergrund sind vor allem politische Spannungen: In den USA hat der Handelsbeauftragte zuletzt explizit europäische Tech-Konzerne, darunter SAP, als mögliche Ziele für Vergeltungsmaßnahmen im Streit um Digitalsteuern und EU-Bußgelder genannt. Diese Rhetorik sorgt für Unsicherheit, insbesondere mit Blick auf mögliche Handelsbarrieren oder regulatorische Gegenmaßnahmen.

Technisch spiegelt sich diese Vorsicht ebenfalls wider:

  • Der Kurs liegt rund 12,7 % unter dem 200‑Tage‑Durchschnitt (236,16 Euro)
  • Der Abstand zum 50‑Tage‑Durchschnitt (210,81 Euro) beträgt gut 2 %
  • Der RSI von 51,8 signalisiert eine neutrale, aber angeschlagene Verfassung

Die Aktie pendelt damit nahe ihrer Jahrestiefzone, ohne dass es bislang zu einer klaren Erholung gekommen wäre. Der leicht negative Trend der vergangenen Wochen (-1 bis -1,3 % auf 7- und 30‑Tages-Sicht) passt zu diesem Bild.

Bewertung und Erwartungen in der Waage

Fundamental steht die aktuelle Kursregion in einem gewissen Spannungsverhältnis zu den mittelfristigen Erwartungen. Im Mittelpunkt der Argumentation vieler Investoren stehen:

  • Ein hoher Anteil wiederkehrender Umsätze von über 80 %
  • Organisches Cloud-Wachstum als zentraler Treiber
  • Die starke Marktposition als globaler ERP-Anbieter

Auf dieser Basis wird ein Bewertungsaufschlag gegenüber dem historischen Durchschnitt für vertretbar gehalten, auch wenn das KGV mit über 30 eher ambitioniert wirkt. Mehrere Analyseplattformen und Investoren, darunter der Fonds Sustainable Growth Advisers (SGA), sehen den fairen Wert der Aktie deutlich über dem aktuellen Niveau. Das durchschnittliche Analystenkursziel von rund 292 Euro entspricht einem theoretischen Aufwärtspotenzial von über 40 %.

Damit ist die Ausgangslage klar umrissen: Operativ und strategisch überzeugt das Wachstumsprofil, politischer Gegenwind und eine angeschlagene Charttechnik bremsen jedoch den Kurs.

Quartalszahlen Ende Januar als nächster Prüfstein

Der nächste wichtige Termin ist das Zahlenwerk für das vierte Quartal, das SAP voraussichtlich zwischen dem 27. und 29. Januar 2026 vorlegen wird. Der Konsens rechnet mit einem Non‑IFRS‑Gewinn je Aktie von etwa 1,77 Euro und damit mit einem erneuten Ergebnisanstieg.

Im Fokus stehen dabei zwei Punkte:

  • Ob das Management die KI-Perspektiven aus der Snowflake-Kooperation in konkretere Umsatz- und Gewinnziele für 2026 übersetzt
  • Wie es den Ausblick vor dem Hintergrund der US‑EU‑Handelsspannungen formuliert

Gelingt es, die operative Dynamik aus Cloud- und KI-Geschäft in den Ausblick einzuarbeiten, könnte das die aktuell vorsichtige Bewertung relativieren. Bleibt die geopolitische Unsicherheit dagegen dominierend, dürfte die hohe Volatilität – aktuell auf 12-Monats-Sicht spürbar erhöht – zunächst anhalten und die Aktie in der Nähe ihrer jüngsten Tiefs halten.

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