RWE schiebt die Forderungen eines prominenten Aktivisten beiseite und setzt konsequent auf Ausbau statt Ausschüttung. Im Zentrum stehen Milliardeninvestitionen in neue Kraftwerke und Offshore-Windparks – besonders in Großbritannien. Entscheidend für die Börse ist damit die Frage: Wie klar positioniert sich der Konzern zwischen Renditewunsch der Aktionäre und langfristigem Wachstumskurs?

Investitionen statt zusätzlicher Rückkäufe

Auf dem Handelsblatt-Energiegipfel hat CEO Markus Krebber die Prioritäten deutlich sortiert: Investitionen gehen vor weiteren Aktienrückkäufen. Angesichts des deutlich gestiegenen Kurses sei ein Rückkauf heute weniger attraktiv als noch vor einigen Monaten. Ein Rückkauf bei 28 Euro sei „eine andere Angelegenheit als ein Rückkauf bei 52 Euro“, stellte er klar.

Das bereits laufende Programm über 1,5 Milliarden Euro läuft unverändert bis Mai 2026 weiter. Allein in der Woche vom 19. bis 23. Januar erwarb RWE über 400.000 eigene Aktien zu Durchschnittskursen etwas über 51 Euro. Seit Start der dritten Tranche Anfang Dezember 2025 summiert sich das Volumen auf knapp 3 Millionen Aktien.

Der aktuelle Kurs von 52,94 Euro liegt nur knapp unter dem 52‑Wochen-Hoch von 53,42 Euro. Gleichzeitig hat sich die Aktie auf Zwölfmonatssicht um rund 82 % verteuert. Vor diesem Hintergrund wirkt Krebbers Zurückhaltung bei zusätzlichen Rückkaufankündigungen nachvollziehbar.

Elliott drängt, RWE blockt

Der aktivistische Fonds Elliott hatte wiederholt eine Ausweitung der Kapitalrückführung eingefordert. Stattdessen verweist das Management auf attraktive Investitionsprojekte, die aus seiner Sicht den besseren Einsatz des Kapitals darstellen.

Zu den von Krebber hervorgehobenen Schwerpunkten zählen:

  • Neubau von Kraftwerken in Deutschland
  • Offshore-Windprojekte in Großbritannien
  • Solar- und Batterieprojekte in den USA

Damit signalisiert RWE klar, dass der Konzern die aktuelle Marktphase nutzen will, um seine Position in Erzeugung und erneuerbaren Energien zu stärken, statt überschüssige Mittel stärker an die Aktionäre zurückzugeben.

Großauftrag in UK und Einstieg von KKR

Besonders im britischen Offshore-Windgeschäft setzt RWE derzeit Akzente. Mitte Januar sicherte sich das Unternehmen bei der UK-Auktion AR7 Differenzverträge (Contracts for Difference, CfDs) für insgesamt 6,9 Gigawatt – mit Abstand der größte Zuschlag im Bieterfeld.

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Die drei Kernprojekte im Überblick:

  • Norfolk Vanguard East & West: 3,1 GW, geplante Inbetriebnahme 2029/2030
  • Dogger Bank South: 3 GW, Inbetriebnahme 2031/2032
  • Awel y Môr: 0,8 GW, Inbetriebnahme 2031

Alle Projekte erhalten einen inflationsindexierten Strike Price von 91,20 Pfund pro Megawattstunde. Das bietet planbare Erlöse über die Vertragslaufzeit und erhöht die Visibilität künftiger Cashflows.

Für die Norfolk-Windparks hat RWE den US-Finanzinvestor KKR als 50:50-Partner gewonnen. Nach Informationen von Reuters zahlt KKR rund 1,8 Milliarden US‑Dollar für die Beteiligung. Das Gesamtinvestitionsvolumen der beiden Norfolk-Projekte liegt bei über 15 Milliarden Dollar. RWE verteilt damit das Risiko großer Einzelprojekte auf mehrere Schultern und sichert sich gleichzeitig den Zugang zu umfangreichem Wachstum.

Kapitalallokation in der „neuen Ära“

Über die konkreten Projekte hinaus ordnet Krebber die Strategie in einen größeren energiepolitischen Kontext ein. Er spricht von einer „neuen Ära“ der Energieversorgung, in der Regierungen langfristige Versorgungssicherheit höher gewichten als zuvor. Für Deutschland bedeute dies, neue Partnerschaften aufzubauen und Abhängigkeiten – insbesondere nach dem Bruch mit Russland – zu reduzieren.

In diesem Umfeld betont RWE die Rolle als Versorger mit wachsender Erzeugungskapazität. Die Kombination aus heimischen Kraftwerksprojekten und internationalen Wind- und Solarparks soll sowohl die Versorgungssicherheit stützen als auch den Konzern stärker auf erneuerbare Energien ausrichten.

Kurs, Bewertung und technisches Bild

Mit einer Marktkapitalisierung von rund 38 Milliarden Euro und einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 17,4 (auf Basis der letzten zwölf Monate) spiegelt der Markt bereits einen Teil der Wachstumserwartungen wider. Technisch wirkt der Aufwärtstrend gefestigt:

  • Der Kurs notiert knapp unter dem 52‑Wochen-Hoch
  • Der Abstand zum 200‑Tage-Durchschnitt liegt bei gut 33 %
  • Der RSI (14 Tage) von 59,8 signalisiert keinen extremen Überhitzungszustand

Die annualisierte 30‑Tage-Volatilität von gut 74 % zeigt allerdings, dass die Aktie zuletzt deutlich schwankungsanfälliger war.

Fazit: Klarer Kurs bei der Kapitalstrategie

RWE stellt sich deutlich auf die Seite des Wachstums: Die bestehenden Rückkaufprogramme laufen regulär weiter, doch zusätzliche Maßnahmen dieser Art sind vorerst kein Thema. Stattdessen rücken milliardenschwere Offshore-Windprojekte, neue Kraftwerke und internationale Solar- und Batteriespeicher in den Vordergrund.

Mit den jüngsten UK-Zuschlägen und dem Einstieg von KKR stärkt der Konzern seine Rolle im europäischen Offshore-Windmarkt und sichert sich langfristige, regulierte Cashflows. Für die nächsten Quartale bleibt damit entscheidend, wie zügig RWE diese Projekte umsetzt und ob die erwarteten Renditen die derzeit hohe Bewertung untermauern.

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