Im europäischen Verteidigungsboom kämpfen zwei deutsche Rüstungsaktien um Anlegergunst: Der Düsseldorfer Konzern Rheinmetall trifft auf den Technologiespezialisten Hensoldt. Während der eine mit schieren Größenvorteilen punktet, setzt der andere auf hochprofitable Nischentechnologie. Wer hat langfristig die besseren Karten?

David gegen Goliath: Die Ausgangsposition

Die Marktkapitalisierung offenbart ein klares Kräfteverhältnis. Mit 73,31 Milliarden Euro Börsenwert überragt Rheinmetall seinen Konkurrenten Hensoldt (9,84 Milliarden Euro) um das Siebenfache. Diese Diskrepanz spiegelt fundamental unterschiedliche Geschäftsmodelle wider.

Rheinmetall agiert als umfassender Systemintegrator mit einer Produktpalette von Munition über Panzerfahrzeuge bis zu kompletten Logistiklösungen. Hensoldt hat sich dagegen auf das hochprofitable Nischensegment der Sensor- und Radartechnologie spezialisiert – das "Nervensystem" moderner Waffensysteme.

Skaleneffekte gegen Spezialisierung

Rheinmetalls größter Trumpf liegt in der schieren Marktmacht. Der Auftragsbestand von 63 Milliarden Euro zum zweiten Quartal 2025 verschafft dem Konzern enorme Verhandlungsstärke gegenüber Zulieferern und Kunden. Diese Dominanz ermöglicht Preissetzungsmacht in einem Markt mit dringender Nachfrage.

Die breite Diversifizierung über verschiedene Waffengattungen reduziert zudem die Abhängigkeit von einzelnen Großprojekten. Tiefe Integration in NATO-Beschaffungsstrukturen schafft langfristige Kundenbindungen, die für neue Wettbewerber schwer überwindbar sind.

Hensoldt kontert mit technologischer Tiefe. Der Fokus auf Sensorik, Optronik und elektronische Kampfführung ermöglicht hohe Innovationsgeschwindigkeit. Diese Agilität zeigt sich in der schnellen Reaktion auf neue Bedrohungslagen wie Drohnenschwärme oder Cyberangriffe – ein Vorteil gegenüber dem trägen Riesen.

Wachstumsdynamik: Wer sammelt schneller Aufträge?

Kennzahl Rheinmetall Hensoldt
Auftragsbestand 63,0 Mrd. € 7,07 Mrd. €
Book-to-Bill-Verhältnis Q1 2025 1,46 1,5
Auftragseingang Q1 2025 3,36 Mrd. € Starke Dynamik

Beide Konzerne zeigen beeindruckende Auftragsdynamik. Hensoldts Book-to-Bill-Verhältnis von 1,5 übertrifft sogar Rheinmetalls starke 1,46. Dies deutet darauf hin, dass der Spezialist trotz geringerer Größe überproportional vom Verteidigungsboom profitiert.

Profitabilität: Hier trumpft der Kleine auf

Der entscheidende Unterschied zeigt sich bei den Gewinnmargen. Hensoldt strebt für 2025 eine bereinigte EBITDA-Marge von rund 18% an. Rheinmetall erreichte im ersten Halbjahr 2025 eine operative Konzern-Marge von 10,0%, wobei die reine Verteidigungssparte mit 12,4% profitabler agierte.

Diese Margendifferenz ist strukturell bedingt. Hensoldts Spezialisierung auf Hochtechnologie-Komponenten ermöglicht höhere Preise als Rheinmetalls kapitalintensive Massenfertigung. Software und Sensoren lassen sich profitabler skalieren als Stahlkolosse.

Zukunftsszenario: Kooperation statt Konfrontation

Das wahrscheinlichste Szenario ist keine direkte Konfrontation, sondern eine fortgesetzte Koexistenz mit Kooperationselementen. Rheinmetall baut seine Position als europäisches Systemhaus aus, während Hensoldt als unverzichtbarer Schlüssellieferant für die elektronischen Gehirne dieser Systeme fungiert.

Ein zweites Szenario begünstigt Hensoldt überproportional. Da der Elektronikanteil in moderner Kriegsführung stetig steigt, könnte Hensoldts Nische schneller wachsen als der Gesamtmarkt für klassische Waffensysteme. Daten, Aufklärung und elektronische Kampfführung gewinnen an Bedeutung.

Fazit: Verschiedene Stärken, unterschiedliche Risiken

Rheinmetall punktet mit Marktdominanz, Skaleneffekten und diversifiziertem Portfolio. Das Unternehmen ist der stabilere Wert für konservative Anleger, die auf die schiere Marktmacht setzen.

Hensoldt bietet höhere Gewinnmargen und überproportionales Wachstumspotenzial in einem sich wandelnden Kriegsbild. Hier investieren Anleger in den technologischen Wandel der Verteidigung – mit entsprechend höherem Chancen-Risiko-Profil.

Beide profitieren vom europäischen Verteidigungsboom, aber auf verschiedene Weise. Die Entscheidung zwischen Systemriese und Technologieass hängt von der individuellen Risikoneigung ab.

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