Liebe Leserinnen und Leser,

während Wintersturm „Elli" den Norden der Republik in eine Eisbahn verwandelt und den Bahnverkehr lahmlegt, friert in Frankfurt die Liquidität ein. Gestern noch feierte das Parkett den historischen Durchbruch über die 25.000 Punkte, heute herrscht Katerstimmung – oder präziser: eine angespannte Paralyse.

Der DAX klammert sich am heutigen Freitagmittag förmlich an die Marke von 25.100 Punkten. Niemand wagt sich aus der Deckung. Es ist jene trügerische Stille, die eintritt, wenn Investoren wissen, dass die Spielregeln in wenigen Stunden neu geschrieben werden könnten. Der Markt wartet auf zwei Signale aus den USA, die unterschiedlicher kaum sein könnten: harte Arbeitsmarktdaten und ein juristisches Erdbeben am Supreme Court.

Hier ist, was Sie vor dem Wochenende wissen müssen.

Wenn die Raubkatze Mandarin lernt

Inmitten der allgemeinen Lethargie sorgt eine Nachricht aus der zweiten Reihe für den einzigen echten Adrenalinkick des Vormittags. Die Aktie von Puma springt um gut 9 Prozent an und nähert sich der 25-Euro-Marke. Der Auslöser ist ein Paukenschlag, der die Machtverhältnisse im globalen Sportartikelmarkt neu ordnen könnte.

Nach Informationen von Reuters hat der chinesische Gigant Anta Sports – bereits Eigentümer von Salomon und Jack Wolfskin – ein Auge auf das 29-prozentige Aktienpaket der französischen Milliardärsfamilie Pinault (Artemis) geworfen. Die strategische Logik ist von brutaler Einfachheit: Die Franzosen wollen Kasse machen, die Chinesen wollen die Weltherrschaft im Turnschuh-Business.

Der eigentliche Zündstoff für Anleger liegt jedoch im Preisschild. Artemis ruft angeblich über 40 Euro pro Aktie auf. Zum Vergleich: Der Markt handelte Puma heute Morgen noch bei rund 24,50 Euro. Diese massive Diskrepanz zwischen Börsenrealität und strategischem Wert ist der Treibstoff der heutigen Phantasie. Sollte Anta bereit sein, diese Prämie zu zahlen, wäre dies nicht nur ein Befreiungsschlag für die gebeutelte Puma-Aktie, sondern der Beginn einer kulturellen Revolution in Herzogenaurach unter chinesischer Flagge.

Washingtons doppelter Showdown

Der Blick der großen Adressen richtet sich jedoch starr über den Atlantik. Wir erleben heute Nachmittag eine seltene Konstellation, in der Geldpolitik und Verfassungsrecht zeitgleich kollidieren.

Erstens: Die Non-Farm Payrolls (14:30 Uhr MEZ). Der Konsens erwartet für Dezember einen moderaten Zuwachs von 60.000 bis 70.000 Stellen bei einer Arbeitslosenquote von 4,5 Prozent. Die Hoffnung auf eine schnelle Zinssenkung der Fed im Januar ist bereits implodiert – die Wahrscheinlichkeit liegt laut Futures bei unter 15 Prozent. Ein überraschend starker Arbeitsmarktbericht würde den „Zins-Optimisten" auch das letzte Argument rauben und den Dollar weiter stärken, was den Euro (aktuell schwach bei 1,1645 USD) weiter unter Druck setzen dürfte.

Zweitens: Das Urteil des Supreme Court. Das oberste US-Gericht könnte heute über die Rechtmäßigkeit von Trumps Zöllen entscheiden. Es geht um Hunderte Milliarden. Kippt das Gericht die Zölle, droht den USA eine Rückzahlung von rund 150 Milliarden Dollar – ein fiskalischer Schock. Bestätigt das Gericht die Zölle, wird der protektionistische Kurs zementiert. Für die deutsche Exportwirtschaft, die im November den stärksten Rückgang seit Mai 2024 verbuchte, ist dieses Urteil gewichtiger als jede Notenbank-Rede.

Das deutsche Industrie-Paradox

Die heimischen Konjunkturdaten lieferten heute Morgen ein Lehrstück über den Zustand unserer Volkswirtschaft: Wir produzieren wieder, aber wir verkaufen es nicht. Die Industrieproduktion stieg im November überraschend um 0,8 Prozent, getrieben ausgerechnet von der Automobilindustrie. Doch der gleichzeitige Einbruch der Exporte offenbart das Dilemma. Die Lager füllen sich, während die globale Nachfrage wegbricht.

In dieses Bild der gemischten Gefühle passt TeamViewer. Die Göppinger Software-Schmiede meldete heute vorläufige Zahlen für 2025. Mit 767 Millionen Euro Umsatz wurde das – wohlgemerkt gesenkte – Ziel gerade so erreicht. Die Börse quittiert dies mit einem Plus von über 5 Prozent. Die Botschaft ist klar: In einem nervösen Marktumfeld wird bereits das Ausbleiben einer Katastrophe als Triumph gefeiert. Wer liefert und nicht enttäuscht, wird belohnt.

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Das bringt mich zu einem wichtigen Punkt für Ihr Portfolio: Während Software-Unternehmen wie TeamViewer kämpfen, verschiebt sich die wahre Macht in der Tech-Branche zur Hardware-Ebene – konkret zu Halbleitern. Der Chip-Krieg zwischen den USA und China eskaliert, und die US-Regierung pumpt über 280 Milliarden Dollar in die heimische Chip-Produktion. Tech-Experte Bernd Wünsche analysiert in seinem kostenlosen Webinar, welche Halbleiter-Aktie als "neue Nvidia" vom globalen Chip-Wettrüsten profitieren könnte. Er zeigt konkret, wie der CHIPS Act amerikanische und europäische Halbleiter-Unternehmen beflügelt und warum institutionelle Investoren massiv in diesen Sektor einsteigen. Sie erfahren, welche spezifische Aktie er für unterbewertet hält und wie Sie ein Halbleiter-Portfolio strategisch aufbauen. Kostenlose Analyse: Chip-Krieg und Halbleiter-Chancen

Geopolitik: Der Deal ist König

Während wir auf Kurse starren, verschiebt sich die geopolitische Tektonik. Aus dem Iran erreichen uns Berichte über einen weitgehenden Internet-Blackout und massive Proteste, auf die das Regime mit Härte reagiert. Donald Trump wird von Ajatollah Chamenei dafür verantwortlich gemacht.

Doch fast zeitgleich zieht Trump in Venezuela die militärische Option zurück, nachdem Gefangene freigelassen wurden und neue Öl-Deals winken. Es ist die Blaupause für das Jahr 2026: Ideologie ist zweitrangig, der Deal steht im Vordergrund. Anleger müssen lernen, diese transaktionale Geopolitik zu lesen – Moral ist in dieser Gleichung keine Variable mehr.

Das Fazit

Der heutige Nachmittag verspricht Volatilität. Sollten die US-Daten oder das Gerichtsurteil überraschen, dürfte die Lethargie im DAX schnell einer hektischen Neubewertung weichen.

Mein Rat für die kommenden Stunden: Behalten Sie Ihre Stopps im Auge, aber lassen Sie sich nicht von jeder Tick-Bewegung verrückt machen. Manchmal ist die Börse wie der Wintersturm im Norden – wer drinnen bleibt und abwartet, bis die Sicht klarer ist, kommt am sichersten durch den Tag.

Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende – hoffentlich im Warmen und ohne Verspätungen.

Herzlichst,

Ihr

Eduard Altmann