Porsche AG Aktie: Klare Lösungen?
Ein Downgrade von Barclays, der stärkste Absatzrückgang seit der Finanzkrise und ein CEO-Wechsel zum Jahresbeginn – bei der Porsche AG kommt derzeit vieles zusammen. Während der Kurs deutlich von seinem Hoch entfernt ist, ringen Investoren um die richtige Bewertung zwischen Premiummarke und wachsendem Gegenwind. Kann der neue Chef Michael Leiters die strategische Wende schaffen?
Barclays-Downgrade und Kursreaktion
Der jüngste Druck auf die Aktie setzte Mitte Januar ein. Barclays stufte den Titel am 12. Januar von „Equalweight“ auf „Underweight“ ab und senkte das Kursziel auf 40 Euro. Aus Sicht der Bank war die Bewertung bei einem erwarteten Gewinn-Multiplikator von über 20 für 2026 nicht mehr gerechtfertigt.
Kern der Kritik ist eine „Produktlücke“ im Modellportfolio. Nach dem Auslaufen der Verbrennerversionen von Macan und 718 fehlen volumenstarke Baureihen, die die Stückzahlen stützen. Die Herabstufung löste an diesem Tag einen Kursrückgang von rund 7 % aus und markierte den Auftakt zu der schwächsten Börsenwoche seit dem Börsengang 2022.
Aktuell notiert die Aktie bei 42,46 Euro und damit rund ein Drittel unter ihrem 52‑Wochen-Hoch von gut 63 Euro. Auf Zwölfmonatssicht summiert sich das Minus auf etwa 33 %, womit der Titel klar hinter früheren Bestmarken zurückbleibt.
Absatz 2025: Deutlicher Rückgang, China schwächelt
Die am 16. Januar gemeldeten Auslieferungszahlen für 2025 verstärken das Bild eines Unternehmen im Übergang. Der weltweite Absatz sank um 10 % auf 279.449 Fahrzeuge – der kräftigste Rückgang seit der Finanzkrise 2009.
Die größten Belastungsfaktoren im Überblick:
- Weltweit: 279.449 Fahrzeuge, -10 % gegenüber 2024
- China: 41.938 Fahrzeuge, -26 %
- Deutschland: 29.968 Fahrzeuge, -16 %
- Europa (ohne Deutschland): 66.340 Fahrzeuge, -13 %
- Nordamerika: 86.229 Fahrzeuge, weitgehend stabil
Besonders problematisch ist der Einbruch in China. Der einstige Wachstumstreiber zeigt sich klar schwächer, was in einem Markt mit zunehmendem Wettbewerb und hoher Preissensitivität den Druck auf Margen und Positionierung erhöht. Auch Europa, inklusive des Heimatmarkts Deutschland, weist zweistellige Rückgänge auf. Stabil präsentiert sich dagegen Nordamerika und bildet damit einen Gegenpol zur Schwäche in Asien und Europa.
Parallel dazu berichtete Bloomberg von der schlechtesten Börsenwoche seit dem IPO: Innerhalb von fünf Handelstagen verlor die Aktie rund 10 % und liegt nun etwa 29 % unter dem Niveau vor einem Jahr.
Bewertung: Große Spannbreite bei Analysten
Die unsichere Perspektive spiegelt sich in einer auffälligen Bewertungsdiskrepanz wider. Bei einem Kurs um 42 Euro sehen einige Analysten deutlichen Spielraum nach oben und taxieren den fairen Wert teils bei bis zu 78 Euro. Auf dieser Sicht erscheint die Premiummarke übermäßig abgestraft.
Andere Häuser betonen dagegen die hohen Bewertungskennzahlen. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von über 40 liegt deutlich über dem Branchenschnitt von etwa 18,6 und setzt hohe Erwartungen an künftiges Wachstum und Profitabilität voraus. Angesichts rückläufiger Volumina und steigender Kosten warnen diese Stimmen vor überzogenen Hoffnungen.
Charttechnisch bleibt der Titel angeschlagen: Der Kurs notiert rund 4–6 % unter den gleitenden Durchschnitten der letzten 100 und 200 Tage. Gleichzeitig signalisiert ein 14‑Tage‑RSI von 35,2, dass die Aktie in die Nähe eines überverkauften Bereichs rutscht, ohne dort bereits klar angekommen zu sein.
Neuer CEO in schwieriger Phase
Seit dem 1. Januar 2026 steht mit Dr. Michael Leiters ein neuer Vorstandschef an der Spitze. Sein Vorgänger Oliver Blume, maßgeblicher Architekt des Börsengangs und mehrerer Rekordjahre, konzentriert sich nun voll auf seine Rolle als Konzernlenker von Volkswagen.
Leiters übernimmt in einer Phase, in der zentrale Stellschrauben neu justiert werden müssen:
- Die Elektrifizierung schreitet langsamer voran als ursprünglich geplant.
- Seit August 2025 belasten US-Importzölle von 15 % die Profitabilität.
- Nach dem Auslaufen wichtiger Verbrennermodelle entsteht eine Lücke im Volumengeschäft.
Die Kombination aus Modellumbruch, regulatorischem Druck und geopolitisch geprägten Handelsbarrieren erhöht den Anspruch an eine klare, belastbare Strategie.
Margenausblick: Erwartungen deutlich gesenkt
Besonders deutlich zeigt sich der Stimmungswandel bei den Margen. Die frühere Mittelfristprognose von 17 bis 19 % operativer Rendite wirkt zunehmend ambitioniert. Analysten kalkulieren für 2026 nur noch mit etwa 10 bis 15 %.
Treiber dieser Entwicklung sind vor allem:
- Hohe Kosten durch parallele Produktion von Verbrennern und Elektrofahrzeugen
- Intensiver Preiswettbewerb in China, der Rabatte und geringere Margen erzwingt
- Zusätzliche Anforderungen in Europa, etwa durch neue Cybersicherheitsvorschriften
Damit ist klar: Selbst bei stabilen oder wieder anziehenden Stückzahlen wird es anspruchsvoll, an die früheren Spitzenrenditen anzuknüpfen.
Lichtblicke: Nordamerika und Cashflow-Perspektive
Trotz der belastenden Nachrichtenlage gibt es auch positive Akzente. Das Nordamerika-Geschäft zeigt sich stabil, was in einem Umfeld schwächerer Nachfrage in China und Europa wichtig ist. Zudem setzen die Stuttgarter verstärkt auf margenstarke Individualisierung – etwa über die Exclusive Manufaktur und Sonderwunsch-Programme, die höhere Durchschnittserlöse pro Fahrzeug ermöglichen.
Kepler sieht darüber hinaus Chancen auf eine Verbesserung des Finanzprofils. Die Analysten erwarten für 2026 eine „positive Cash-Conversion“, also eine gute Umsetzung des ausgewiesenen Ergebnisses in tatsächliche Barmittel. Das wäre ein wichtiger Baustein, um Investitionen in neue Modelle und Antriebe solide zu finanzieren.
Fazit und Ausblick
Die Porsche AG befindet sich in einer Übergangsphase: Druck auf Volumen und Margen, eine spürbare Schwäche in China und ein Bewertungsniveau über Branchenschnitt treffen auf eine starke Marke, stabilere Nachfrage in Nordamerika und erste Signale für robusten Cashflow. Der Kurs spiegelt diese Gemengelage wider – mit deutlichem Abstand zum Hoch und klar unter den langfristigen Durchschnittslinien.
Ein zentraler nächster Fixpunkt ist der 11. März 2026: Mit der Veröffentlichung des Jahresberichts wird das Management präziser zu Margenzielen, Modellplanung und der Rolle des neuen CEO Stellung nehmen. Dann dürfte sich zeigen, ob der Markt seine skeptische Sicht bestätigt oder zumindest teilweise korrigiert.
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