Palantir steht kurz vor einem wichtigen Belastungstest. Vor den Zahlen für das vierte Quartal 2025 prallen optimistische Wachstumsfantasie und massive Bewertungsbedenken frontal aufeinander. Neue Kaufempfehlungen mit deutlichem Kurspotenzial treffen auf Skepsis, ob das aktuelle Preisniveau noch zu rechtfertigen ist.

Neue Kursziele sorgen für Spannungen

Den jüngsten Schub für die Diskussion liefert eine neue Einschätzung von Phillip Securities. Das Haus startet die Bewertung mit „Buy“ und setzt das Kursziel bei 208 US-Dollar – etwa 22 % über dem aktuellen Niveau. Grundlage ist ein sehr dynamisches Wachstumsbild für 2025: Der Umsatz soll nach dieser Prognose um 47 % auf 4,2 Milliarden US-Dollar klettern, der Gewinn sich nahezu verdoppeln. Besonders der US-Kommerzkundenbereich wird als Treiber gesehen, hier rechnen die Analysten mit einem Plus von 66 %.

Ganz einig ist sich der Markt allerdings nicht. Citigroup hat ihr Kursziel zwar jüngst auf 235 US-Dollar angehoben, andere Stimmen werden vorsichtiger. Analyst Stephen Guilfoyle senkte am 23. Januar sein Ziel von 238 auf 217 US-Dollar und verwies dabei auf technische Schwäche im Vorfeld der Quartalszahlen. Die Spanne der Kursziele zeigt, wie weit die Erwartungen inzwischen auseinanderlaufen.

Quartalszahlen als möglicher Wendepunkt

Am 2. Februar 2026 nach US-Börsenschluss legt Palantir seine Zahlen für das vierte Quartal 2025 vor. Marktbeobachter sehen darin einen möglichen Wendepunkt: Entweder das Wachstum rechtfertigt die hohe Bewertung – oder Enttäuschungen könnten den Kurs deutlicher zurückwerfen.

Der Konzern selbst hat die Messlatte spürbar nach oben gelegt:

  • Umsatzprognose Q4: rund 1,3 Milliarden US-Dollar, etwa 51 % mehr als im Vorjahresquartal
  • Adjustiertes operatives Ergebnis: 695 bis 699 Millionen US-Dollar, damit etwa eine Verdopplung
  • Analystenkonsens: Gewinn je Aktie von 0,23 US-Dollar

Aus Bewertungssicht ist die Fallhöhe hoch: Auf Basis der aktuellen Schätzungen liegt das Forward-KGV bei rund 170, das Verhältnis von Unternehmenswert zu Umsatz (KUV) bei etwa 101. Dieses Niveau liegt deutlich über den Multiples des breiten Marktes.

Bewertung und Risiken im Fokus

Genau diese extreme Bewertung ist der Kern der skeptischen Argumentation. Mit einem KUV von rund 101 notiert Palantir um Größenordnungen über dem Schnitt großer Indizes wie dem S&P 500. Das Analysehaus Jefferies bleibt daher klar auf der Gegenseite: Brent Thill sieht ein Kursziel von nur 70 US-Dollar – rechnerisch ein Rückschlagspotenzial von gut 57 %.

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Die Bären verweisen darauf, dass selbst ein im Schnitt erwartetes Umsatzwachstum von 43 % pro Jahr bis 2027 schwerlich eine derart hohe Umsatzmultiple rechtfertigt. Die zentrale Streitfrage lautet damit: Reicht das tatsächliche Wachstumstempo, um diese Prämie gegenüber dem Markt langfristig zu tragen? Die Antwort hängt maßgeblich an den kommenden Quartalen.

In diesem Kontext fällt auf: Trotz einer Erholung am Freitag bleibt die Aktie auf Wochensicht deutlich unter Druck und liegt rund ein Viertel unter ihrem 52-Wochen-Hoch, obwohl sie auf Zwölfmonatssicht immer noch fast verdoppelt ist. Der Relative-Stärke-Index (RSI) um knapp 79 signalisiert zudem einen technisch überkauften Zustand – ein Hinweis darauf, dass bereits viel Optimismus eingepreist ist.

Wachstumstreiber: Großaufträge und Partnerschaften

Operativ meldet Palantir weiter Erfolge, insbesondere in Industrie und Verteidigung. Im Januar 2026 wurde die bestehende Kooperation mit HD Hyundai deutlich ausgebaut. Der neue Mehrjahresvertrag, laut Unternehmen im Volumen „im hohen dreistelligen Millionenbereich“, soll Produktionszeiten um rund 30 % verkürzen. Das stärkt das Narrativ, dass Palantir-Software direkte Effizienzgewinne in klassischen Industrien heben kann.

Zusätzlich hat Palantir eine Zusammenarbeit mit Sovereign AI und Accenture angekündigt. Ziel ist der Aufbau von Rechenzentren der nächsten Generation für KI-Anwendungen im EMEA-Raum. Die eigenen Plattformen Foundry und AIP sollen dabei tief in die entstehenden Infrastrukturen integriert werden. Strategisch untermauern solche Deals die Story eines zentralen Technologiepartners für kritische Daten- und KI-Anwendungen, was die hohen Wachstumsannahmen stützt.

Insiderverkäufe und institutionelle Verschiebungen

Auffällig ist jedoch, dass das Managementumfeld trotz des starken Kursverlaufs eher auf der Verkäuferseite steht. In den vergangenen 90 Tagen wurden von Insidern mehr als 1 Million Aktien im Gegenwert von rund 167,4 Millionen US-Dollar veräußert. Solche Transaktionen müssen nicht zwingend eine negative Botschaft tragen, sie passen aber zu einem Bild zunehmender Vorsicht auf hohem Bewertungsniveau.

Auch bei institutionellen Investoren zeigen sich gegensätzliche Bewegungen. Der Großinvestor Strs Ohio reduzierte seine Beteiligung im dritten Quartal um 4,3 % und trennte sich von 23.105 Aktien. Dagegen stockte iA Global Asset Management seine Position um 25,4 % auf und verwies dabei explizit auf die Hyundai-Erweiterung und die optimistische Einschätzung von Phillip Securities als wesentliche Argumente. Die Lagerbildung zwischen Verkäufern und Käufern spiegelt die angespannte Erwartungslage wider.

Fazit: Hohe Fallhöhe vor dem Zahlenwerk

Nach der starken Rally der vergangenen zwölf Monate befindet sich die Palantir-Aktie aktuell in einer Konsolidierungsphase, mit deutlichem Abstand zum Hoch, aber immer noch klar über dem langfristigen Durchschnitt. Die nächsten Quartalszahlen werden zu einem harten Test, ob das Unternehmen seine ambitionierten Wachstumsziele in Umsatz und Profitabilität auch operativ untermauern kann.

Gelingt es, die eigenen Prognosen zu erreichen oder zu übertreffen, dürfte dies das Lager der optimistischen Analysten stützen und die hohe Bewertung vorerst absichern. Bleiben Umsatz oder Marge dagegen spürbar hinter den Erwartungen zurück, erhalten die skeptischen Stimmen um Kursziele nahe 70 US-Dollar neue Argumente. Am 2. Februar entscheidet sich damit ein gutes Stück weit, in welche Richtung sich die Bewertungsschere in den kommenden Monaten bewegt.

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