Der Hauptausschuss des Nationalrats hat die Freigabe nationaler Erdölreserven beschlossen. Eine breite Mehrheit stimmte dafür, 325.000 Tonnen Rohöl aus den Pflichtnotstandsreserven auf den Markt zu bringen. Ziel ist es, die Treibstoffversorgung zu sichern und die Ölpreise zu stabilisieren.

Präventivschlag für stabile Tankstellenpreise

Die staatliche Erdöl-Lagergesellschaft (ELG) bietet der OMV-Raffinerie in Schwechat das Rohöl an. Daraus gewonnener Treibstoff muss im Inland verkauft werden – ein klares Signal für die nationale Versorgungssicherheit. Die Freigabe läuft über sechs Monate, beginnend am 1. April.

Bereits im April sollen 65.000 Tonnen fließen. Insgesamt macht die Menge etwa drei Prozent des jährlichen österreichischen Bedarfs aus. Auf drei Monate gerechnet, sind es sogar rund zwölf Prozent. Das Wirtschaftsministerium erwartet einen spürbaren dämpfenden Effekt auf die Preise an der Tankstelle.

Krieg im Nahen Osten treibt Ölpreis in die Höhe

Auslöser ist die Eskalation im Persischen Golf. Seit Ende Februar blockieren militärische Auseinandersetzungen die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Ölhandelsrouten. Der Weltmarktpreis für Rohöl schoss daraufhin um 30 Prozent nach oben.

Als Reaktion beschloss die Internationale Energieagentur (IEA) am 11. März eine Rekordfreigabe von 400 Millionen Barrel aus den Beständen ihrer Mitgliedsländer. Österreich beteiligt sich nun an dieser koordinierten Aktion. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer betonte: Die Maßnahme soll Spekulationen eindämmen und Belastungen für Pendler und Wirtschaft begrenzen.

Breite Mehrheit, aber Kritik von den Rändern

Für die Freigabe stimmten ÖVP, SPÖ, NEOS und Grüne. Nötig war eine Zweidrittelmehrheit. Die Grünen mahnten einen behutsamen Umgang mit der „eisernen Reserve“ an. Könnte das Öl in einer späteren, schlimmeren Krise fehlen?

Einzig die FPÖ lehnte den Schritt ab. Ihrer Ansicht nach besteht derzeit kein Mengen-, sondern ein Preisproblem. Die Freiheitlichen warnten vor finanziellen Risiken: Müssten die Reserven später teurer wieder aufgefüllt werden, zahle am Ende der Steuerzahler. Das Ministerium hielt dagegen: Die Freigabe erfolge zu Marktpreisen, Verluste für den Staat seien ausgeschlossen.

Wie viel Puffer bleibt Österreich?

Das Erdöl-Bevorratungsgesetz verpflichtet Österreich zu Vorräten für mindestens 90 Tage. Die Gesamtreserve umfasst aktuell etwa 2,46 Millionen Tonnen. Die nun freigegebene Menge reduziert diesen Puffer rechnerisch um elf Tage.

Im Vergleich zur Energiekrise 2022 sieht sich die Politik besser vorbereitet. Die Koordination auf EU- und IEA-Ebene funktioniere schneller. „Genau für solche Belastungsproben sind die Reserven da“, so Energie-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner.

Wann kommt die Entlastung an der Tankstelle?

Ab April beobachtet die Regierung die Preisentwicklung genau. Ein begleitendes Maßnahmenpaket soll für mehr Transparenz sorgen. Kommt die Entlastung durch das billigere Reserve-Öl auch beim Verbraucher an?

Ein neu einberufener Energielenkungsbeirat wird die Lage fortlaufend bewerten. Entspannt sich die Situation im Nahen Osten früher, könnte die Aktion auch vorzeitig enden. Bis dahin bleibt das Ziel klar: die heimische Wirtschaft vor weiteren Preisschocks schützen.