fünf Wochen. So lange dauert der Konflikt im Nahen Osten nun schon an – und die Märkte haben sich daran noch immer nicht gewöhnt. Brent-Öl klettert heute Morgen auf fast 117 Dollar, der DAX tastet sich gefährlich nah an die 22.000-Punkte-Marke heran, und die Inflationsdaten aus Deutschland dürften am Nachmittag zeigen, was viele schon ahnen: Die Energiepreise schlagen durch. Kein Wunder, dass die Stimmung in dieser verkürzten Osterwoche angespannt bleibt.

Heute schauen wir auf das große Bild hinter den Kursbewegungen – und auf einige Einzelwerte, die in diesem Sturm überraschend klare Signale senden.

Der DAX kämpft – und verliert gerade

Seit dem Zwischenhoch Ende Februar hat der DAX rund 13 Prozent verloren. Heute startete er erneut schwächer bei gut 22.200 Punkten, pendelt sich aber im Verlauf des Vormittags nahe der Nulllinie ein. Die psychologisch wichtige Marke von 22.000 Punkten bleibt dennoch in Reichweite – und das ist kein gutes Zeichen.

Was den Markt lähmt, ist nicht eine einzige schlechte Nachricht, sondern die Ungewissheit selbst. Marktanalyst Timo Emden bringt es auf den Punkt: „Die Börse handelt derzeit weniger Fakten, sondern vor allem Eskalationsrisiken." Trump räumt dem Iran eine Woche Zeit ein, um die Straße von Hormus freizugeben. Gleichzeitig schließt er eine Bodeninvasion nicht aus. Teheran dementiert Gespräche. Diese Widersprüchlichkeit ist Gift für Anleger, die Orientierung suchen.

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Sollte der DAX unter 21.863 Punkte fallen, wäre das der tiefste Stand seit dem Zollschock im April 2025 – ein Niveau, das viele Marktteilnehmer als psychologische Schmerzgrenze betrachten. Die LBBW hat ihr Indexziel für Mitte 2026 bereits auf 24.000 Punkte gesenkt. Jahresendziel von 25.000 Punkten? Vorerst noch intakt – aber das setzt eine politische Deeskalation in der zweiten Jahreshälfte voraus.

Öl als Taktgeber – und die EZB in der Zwickmühle

Brent-Öl bei fast 117 Dollar ist nicht nur ein Rohstoffthema. Es ist das Kernproblem für Europas Wirtschaft – und für die Europäische Zentralbank. Denn die Teuerung, die bislang auf dem Rückzug schien, kehrt zurück. Erste Daten aus deutschen Bundesländern deuten heute auf einen deutlichen Anstieg der Verbraucherpreise hin. Die Helaba erwartet einen Sprung von 1,9 auf 2,8 Prozent im Jahresvergleich.

Das stellt die EZB vor ein klassisches Dilemma: Zinserhöhungen bekämpfen die Inflation, würgen aber gleichzeitig eine ohnehin schwächelnde Konjunktur ab. Der Einkaufsmanagerindex für die Eurozone ist auf ein Zehnmonatstief von 50,5 Punkten gefallen. Das Verbrauchervertrauen liegt mit minus 16,3 Punkten auf dem tiefsten Stand seit Oktober 2023. Märkte preisen mittlerweile drei Zinserhöhungen der EZB bis Jahresende ein – eine dramatische Kehrtwende gegenüber den noch vor Wochen erwarteten Zinssenkungen.

Für Anleger bedeutet das: Immobilien, Wachstumswerte und hochverschuldete Unternehmen bleiben unter Druck. Wer auf Zinssenkungen als Kurstreiber gesetzt hatte, muss diese Wette vorerst auf Eis legen.

Energieaktien als Profiteure – aber mit Risiko

Während der Gesamtmarkt leidet, feiert ein Sektor: Energieaktien. Shell gewinnt heute über 1,6 Prozent, BP legt knapp 1,5 Prozent zu. In den USA steuern Chevron und Exxon auf neue Allzeithochs zu – Chevron hatte erst vergangene Woche bei 212 Dollar eine neue Bestmarke gesetzt.

Die Logik dahinter ist simpel: Hohe Ölpreise bedeuten hohe Gewinne für Förderer. Und solange die Straße von Hormus faktisch blockiert bleibt, bleibt die Risikoprämie im Markt. Besonders US-Konzerne wie Exxon und Chevron gelten als stabilere Häfen innerhalb des Sektors – ihre geringere Abhängigkeit von direkten Exportrouten aus der Krisenregion macht sie für Investoren attraktiver.

Der entscheidende Unsicherheitsfaktor bleibt die OPEC+. Steigen die Preise weiter, könnte das Bündnis eine Produktionsausweitung beschließen – was den Höhenflug der Ölaktien abrupt bremsen würde. Bis dahin bleiben Energietitel das seltene Segment, das von der Krise direkt profitiert.

Rüstungsaktien: Nach der Rallye kommt die Verdauung

Wer in den vergangenen Monaten auf deutsche Rüstungswerte gesetzt hat, sitzt auf beeindruckenden Gewinnen – zumindest langfristig. Kurzfristig aber herrscht Stille. Rheinmetall verliert heute marginal 0,3 Prozent, RENK und TKMS geben je rund 0,5 Prozent nach. Keine Ausbrüche, kein Momentum.

Der Grund: Auf Monatssicht haben diese Aktien teils massiv korrigiert. Rheinmetall liegt 15 Prozent unter seinem Monatshoch, TKMS sogar 25 Prozent. Die gute Nachricht – volle Auftragsbücher, staatliche Rüstungsbudgets auf Rekordniveau – ist bereits eingepreist. Ohne neue Milliardenpakete oder politische Impulse fehlt der kurzfristige Zündstoff. Hinzu kommt das Quartalsende: Institutionelle Investoren haben ihre Portfolios bereits bereinigt.

Das Bild ähnelt einer Verschnaufpause nach einem Sprint. Ob daraus eine echte Konsolidierung wird oder ob der nächste Kursimpuls kommt, hängt stark von den nächsten Schlagzeilen aus dem Nahen Osten ab.

Siemens Energy und SAP: Zwei DAX-Schwergewichte, zwei verschiedene Geschichten

Siemens Energy notiert heute bei rund 143 Euro – nach einem Allzeithoch von 171 Euro noch im Februar ein Rückgang von über 13 Prozent allein im März. Die Analysten sind gespalten: RBC sieht Potenzial bis 185 Euro, Bernstein hält das Kursziel bei 150 Euro, die DZ Bank sieht fairen Wert bei gerade mal 128 Euro. Der entscheidende Termin: Am 12. Mai legt das Unternehmen Quartalszahlen vor. Gelingt der Nachweis, dass der Turnaround bei der Windkrafttochter Gamesa wirklich Substanz hat, könnte das die nächste Kursphase einläuten. Das laufende Aktienrückkaufprogramm von bis zu zwei Milliarden Euro signalisiert zumindest, dass das Management selbst an die Bewertung glaubt.

SAP dagegen steckt tiefer in der Krise. Seit Jahresbeginn hat die Aktie rund 32 Prozent verloren, auf Zwölfmonatssicht sogar 42 Prozent. Die Cloud-Transformation kostet Marge, steigende Zinsen belasten Wachstumswerte, und der Vergleich mit US-Konkurrenten fällt schmerzhaft aus. Hoffnungsträger ist die KI-Strategie – inklusive der jüngst angekündigten Übernahme von Reltio, die SAP-Kundendaten KI-fähig machen soll. Ob das reicht, um das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen, bleibt offen. Heute verliert die Aktie vorbörslich weitere 0,4 Prozent.

Bitcoin hält sich – vorerst

Während Aktien weltweit unter dem Ölpreisdruck leiden, zeigt Bitcoin eine gewisse Widerstandsfähigkeit. Die größte Kryptowährung notiert heute bei rund 67.400 Dollar – ein Plus von gut einem Prozent gegenüber dem Vortag. Das klingt nach Stärke, ist aber im Kontext zu sehen: Vergangene Woche war Bitcoin noch kurzzeitig über 70.000 Dollar geklettert, bevor die Risikoaversion die Gewinne wieder wegspülte.

Ein Detail verdient Aufmerksamkeit: Strategy (ehemals MicroStrategy), der weltgrößte Unternehmenshalter von Bitcoin, hat möglicherweise erstmals seit Ende Dezember keine neuen Bitcoin gekauft. Michael Saylor, der normalerweise jeden Sonntag eine Kaufankündigung postet, schwieg diesmal. Ob das eine echte Pause ist oder nur ein Timing-Zufall, wird sich heute zeigen. Nach 13 Wochen ununterbrochener Käufe wäre ein Aussetzen jedenfalls ein bemerkenswertes Signal.

Ether stieg heute auf rund 2.045 Dollar, XRP legte 1,5 Prozent zu. Die Stimmung im Krypto-Sektor bleibt fragil – jede neue Eskalationsmeldung aus dem Nahen Osten drückt auf den Risikoappetit.

Was diese Woche noch zählt

Die verkürzte Osterwoche hat es trotz weniger Handelstage in sich. Heute Nachmittag kommen die deutschen Inflationsdaten für März – sie dürften den Ton für die restliche Woche setzen. Morgen folgen die Eurozone-Verbraucherpreise; die LBBW erwartet hier sogar einen Anstieg auf 3,1 Prozent. Am Mittwoch stehen US-Einzelhandelsumsätze auf dem Programm. Und am Freitag – Karfreitag, Börsen geschlossen – erscheinen die US-Arbeitsmarktdaten. Nach dem enttäuschenden Februar-Bericht mit einem Stellenabbau von 90.000 Jobs wäre eine Erholung auf plus 50.000 bis 75.000 Stellen das Minimum, um die Konjunktursorgen etwas zu lindern.

Heute Abend spricht zudem Fed-Vize Williams – ohne vorbereitetes Skript, was solche Auftritte besonders marktbeweglich macht.

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Mein Eindruck: Die Märkte befinden sich in einer Phase, in der schlechte Nachrichten eingepreist sind – aber gute Nachrichten noch nicht geglaubt werden. Das ist kein Boden, das ist ein Schwebezustand. Wer langfristig denkt, findet in dieser Unsicherheit Chancen. Wer kurzfristig handelt, sollte die Ölpreiskurve als seinen wichtigsten Kompass behalten.

Frohe Ostern und einen ruhigen Start in die Feiertage,

Andreas Sommer