Liebe Leserinnen und Leser,

320 Milliarden Dollar Marktkapitalisierung – so viel ist Nvidia aktuell wert. Doch was passiert, wenn der Chipgigant früher als erwartet die nächste Generation ankündigt? Gleichzeitig sorgt Novo Nordisk mit der breiten Verfügbarkeit seiner Wegovy-Pille in den USA für Kurssprünge, während europäische Chiphersteller von positiven Signalen aus Übersee profitieren. Drei unterschiedliche Geschichten, ein gemeinsames Muster: Die Märkte reagieren auf konkrete Produktzyklen und Verfügbarkeit – nicht auf vage Versprechen. Heute schauen wir auf die Treiber hinter diesen Bewegungen und was sie für deutsche Anleger bedeuten.

Nvidia zündet die nächste Stufe – und setzt Konkurrenten unter Druck

Normalerweise enthüllt Nvidia seine neuesten Chips auf der Frühjahrs-Entwicklerkonferenz im Silicon Valley. Dieses Jahr war alles anders: Auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas präsentierte CEO Jensen Huang die "Vera Rubin"-Plattform – und zwar bereits in Vollproduktion. Die Botschaft war klar: Die Komplexität der KI-Berechnungen und die immense Nachfrage zwingen die Halbleiterindustrie, schneller zu handeln.

Die technischen Daten klingen beeindruckend: Rubin soll bei der Inferenz – also dem Betrieb von KI-Modellen – eine zehnfache Kostenreduzierung im Vergleich zur aktuellen Blackwell-Generation bieten. Fünfmal mehr Rechenleistung bei weniger als doppelter Transistorzahl. Erste Systeme sollen in der zweiten Jahreshälfte ausgeliefert werden, Microsoft, Amazon, Google und Oracle haben bereits zugesagt.

Doch was bedeutet das für Anleger? Nvidia festigt seine Dominanz in einem Markt, in dem Konkurrenten wie AMD und hauseigene Chipentwicklungen von Google zunehmend Druck machen. Die Aktie reagierte vorbörslich mit einem Plus von 0,6 Prozent – eine verhaltene Reaktion, die zeigt: Die Erwartungen sind bereits hoch eingepreist. Interessanter ist der Nebeneffekt: Europäische Zulieferer wie Infineon profitieren von der gesamten Chipnachfrage-Dynamik. Die Infineon-Aktie kletterte als DAX-Spitzenreiter zeitweise um über fünf Prozent und erreichte ihr höchstes Niveau seit Dezember 2021.

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Novo Nordisk: Wenn Verfügbarkeit zum Kurstreiber wird

Während Nvidia mit Zukunftstechnologie punktet, sorgt Novo Nordisk mit einem ganz anderen Produkt für Aufsehen: Die Wegovy-Abnehmpille ist seit dieser Woche bei über 70.000 US-Apotheken verfügbar – von CVS über Costco bis hin zu Telemedizinanbietern wie Weight Watchers. Die Aktie schoss an der Kopenhagener Börse um knapp fünf Prozent nach oben, am Dienstag folgten weitere 6,3 Prozent.

Die Preisgestaltung ist strategisch durchdacht: Die Anfangsdosis von 1,5 Milligramm kostet 149 Dollar pro Monat, die 4-Milligramm-Dosis bleibt bis Mitte April beim gleichen Preis, danach steigen die Kosten auf 199 Dollar. Die höchsten Dosierungen von 9 und 25 Milligramm sollen 299 Dollar kosten. Das ist deutlich günstiger als die bekannte Wegovy-Spritze – und könnte die Reichweite massiv erhöhen.

Studien zeigen, dass Patienten bei konsequenter Einnahme über 64 Wochen durchschnittlich 13,6 Prozent ihres Gewichts verlieren können, wenn die Einnahme mit kalorienreduzierter Diät und mehr Bewegung kombiniert wird. Die breite Verfügbarkeit ist ein Gamechanger: Während die Spritze oft Lieferengpässe hatte, könnte die Pille den Massenmarkt erschließen. Für Anleger bleibt die Frage: Wie schnell kann Eli Lilly mit seiner eigenen GLP-1-Tablette nachziehen? Der US-Konkurrent hat erst kürzlich die Zulassung beantragt.

Europäische Chipwerte im Aufwind – dank US-Vorgaben

Manchmal braucht es nur einen positiven Impuls aus Übersee, um eine ganze Branche zu beflügeln. Der US-Chiphersteller Microchip Technology erhöhte seinen Umsatzausblick für das dritte Geschäftsquartal – und verwies dabei auf eine verbesserte Auftragslage mit starken Auftragseingängen im Dezember. Das Besondere: Dezember ist eigentlich ein saisonal schwächeres Quartal für Microchip. Die Tatsache, dass das Unternehmen dennoch die Prognose anhebt, deutet auf eine breit angelegte Erholung hin.

Die Reaktion in Europa war eindeutig: Infineon zog um über vier Prozent an, STMicroelectronics in Paris legte 2,8 Prozent zu. Analysten von JPMorgan und Evercore ISI sprachen von einem bevorstehenden "Nachschubzyklus", der in Kürze an Dynamik gewinnen sollte. Die Botschaft: Nach Monaten der Zurückhaltung bestellen Kunden wieder – und zwar nicht nur punktuell, sondern über verschiedene Segmente hinweg.

Für deutsche Anleger ist das eine gute Nachricht. Infineon, als größter europäischer Chiphersteller, profitiert nicht nur von der KI-Nachfrage, sondern auch von der Erholung in der Automobilindustrie und Industrieelektronik. Die Aktie hat seit ihrem Zwischentief kurz vor Weihnachten rund 20 Prozent zugelegt – ein beachtlicher Lauf, der zeigt: Die Märkte preisen eine Trendwende ein.

Nutzfahrzeuge: Überraschende Stärke aus Nordamerika

Abseits der Technologiewerte gab es eine weitere positive Überraschung: Die Bestellungen für schwere Lastwagen der Klasse 8 in den USA verdoppelten sich im Dezember im Vergleich zum Vormonat auf 42.700 Einheiten. Auch im Vorjahresvergleich bedeutet das ein Plus von 16 Prozent. Analysten der Citigroup sprachen von einem "starken Ausklang des Jahres" und hoben hervor, dass Vorbestellungen wegen erwarteter Preiserhöhungen eine Rolle gespielt haben dürften.

Die Reaktion an den europäischen Börsen war deutlich: Daimler Truck kletterte zeitweise um vier Prozent und wurde erstmals seit Anfang September wieder über 40 Euro gehandelt. Die Volkswagen-Nutzfahrzeugholding Traton folgte mit einem Plus von 2,3 Prozent. Das beste Verhältnis von Chancen und Risiken sehen Experten weiterhin bei Daimler Truck – ein Titel, der in den vergangenen Monaten unter Druck stand und nun von der verbesserten Auftragslage profitiert.

Was diese Woche noch wichtig wird

Die kommenden Tage bringen weitere Impulse: Am Freitag stehen die US-Arbeitsmarktdaten für Dezember an – ein wichtiger Indikator für die weitere Zinspolitik der Federal Reserve. In Europa rücken die Inflationsdaten aus Deutschland in den Fokus, die heute Nachmittag veröffentlicht werden. Die Erwartung: Die Jahresrate dürfte auf 1,9 Prozent sinken, was den Druck auf die EZB erhöht, die Zinsen weiter zu senken.

Gleichzeitig bleibt die geopolitische Lage spannend: Die US-Intervention in Venezuela sorgt zwar nicht für Panik an den Märkten, aber Rüstungsaktien bleiben gefragt. Rheinmetall, HENSOLDT und TKMS verzeichneten am Dienstag moderate Gewinne – ein Zeichen dafür, dass kleinere Länder ihre Verteidigungsbudgets überdenken könnten.

Eines ist klar: Die Märkte reagieren derzeit weniger auf Makro-Schocks als auf konkrete Produktzyklen und Verfügbarkeit. Nvidia zeigt, wie man mit Timing und Technologie die Konkurrenz auf Distanz hält. Novo Nordisk beweist, dass breite Verfügbarkeit zum Kurstreiber werden kann. Und die europäischen Chipwerte demonstrieren, wie schnell positive US-Signale auch hierzulande wirken können. Für Anleger heißt das: Wer die Produktzyklen versteht, ist im Vorteil.

Bis morgen,
Andreas Sommer