Nvidia Aktie: Zwischenruf
Starke Analystenstimmen auf der einen Seite, neue Hürden im China-Geschäft auf der anderen: Nvidia steht heute in einem deutlich komplexeren Umfeld als noch vor wenigen Wochen. Mehrere große Häuser sehen trotz der jüngsten Korrektur weiteres Potenzial, gleichzeitig belasten Handelskonflikte den Absatz zentraler KI-Chips.
Die wichtigsten Punkte im Überblick:
- Jefferies, RBC und Wolfe bleiben klar positiv mit Kurszielen zwischen 240 und 275 US‑Dollar
- Chinesische Zollbehörden blockieren Importe der H200‑Chips
- Bewertung deutlich zurückgekommen, Gewinnmultiplikator auf dem niedrigsten Stand seit über einem Jahr
- Q4- und Gesamtjahreszahlen am 25. Februar als nächster zentraler Termin
Analysten weiter optimistisch
Jefferies hat das Kursziel für Nvidia von 250 auf 275 US‑Dollar angehoben und das „Buy“-Rating bestätigt. Ausgehend vom aktuellen Niveau entspräche das einem Aufwärtspotenzial von grob 47 %. Begründet wird die Einschätzung mit einer starken Produkt-Roadmap bis 2028. Besonders die Blackwell- und die nachfolgende Rubin-Architektur werden als zentrale Wachstumstreiber hervorgehoben, die Nvidia klar vom Wettbewerb absetzen sollen.
RBC Capital Markets ist neu mit einer „Outperform“-Einschätzung eingestiegen und sieht das Kursziel bei 240 US‑Dollar. Analyst Srini Pajjuri bezeichnet die Bewertung als attraktiv: Die Aktie wird demnach etwa zum 24‑fachen der erwarteten Gewinne für das Geschäftsjahr 2027 gehandelt und liegt damit in der Nähe historischer Tiefststände der Bewertung.
Auch Wolfe Research bleibt bei „Outperform“ mit einem Ziel von 250 US‑Dollar. Das Haus geht davon aus, dass die jüngsten US‑Zölle für Nvidia beherrschbar bleiben und das Geschäftsmodell nicht grundlegend infrage stellen.
China bremst H200‑Chips
Für Gegenwind sorgt die Situation in China. Berichte von heute zeigen, dass Zollbehörden in Shenzhen die Einfuhr von Nvidias H200‑Prozessoren gestoppt haben. Diese Blockade ist bemerkenswert, weil die US‑Regierung den Export bestimmter Hochleistungs-Chips, darunter der H200, zuvor grundsätzlich wieder erlaubt hatte – allerdings mit einem Strafzoll von 25 %.
Die Probleme entstehen damit nun auf der Empfängerseite. Zulieferer sollen die Produktion wichtiger Komponenten für entsprechende Bestellungen bereits zurückgefahren haben. Nvidia hatte eingeplant, mit den nun blockierten China-Lieferungen pro Quartal rund 2 bis 5 Milliarden US‑Dollar Umsatz zu erzielen.
Der H200 ist der direkte Nachfolger des H100 und gilt als Übergangsprodukt hin zur kommenden Blackwell‑Generation (B200‑Serie). Einschränkungen beim H200 treffen damit ein wichtiges Bindeglied im aktuellen KI‑Portfolio.
Operative Signale aus dem Blackwell‑Start
Trotz der Handelsfriktionen schreitet die Einführung der neuen Blackwell-Generation voran. Bitzero Holdings meldete gestern den Kauf von acht Nvidia‑Servern auf Basis der Blackwell B300‑Chips für den Einsatz in Norwegen. Das zeigt, dass die neue Infrastruktur bereits bei Endkunden ankommt, obwohl die Lieferketten insgesamt angespannt bleiben.
Bewertung und Marktumfeld
Mit einer Marktkapitalisierung von rund 4,5 Billionen US‑Dollar befindet sich Nvidia in einer Phase, in der der Markt konkrete Belege für die aktuelle Bewertung verlangt. Die Aktie war zu Jahresbeginn starken Schwankungen ausgesetzt und hatte im Januar bereits eine Korrektur von 19 % hinter sich. Auslöser waren vor allem Diskussionen um mögliche Konkurrenz durch „DeepSeek“ sowie Unsicherheit rund um die US‑Handelspolitik.
Bewertungsseitig hat sich das Bild spürbar verändert. Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis des vierten Quartals des Geschäftsjahres 2026 ist auf 24,2 gefallen – der niedrigste Stand seit über einem Jahr. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2025 lag das Multiple noch bei knapp 34. Der Markt bepreist Nvidia damit zunehmend wie einen etablierten Infrastruktur-Anbieter und weniger wie einen reinen Wachstumswert, obwohl der Konzern im jüngsten Quartal die Erlöse immer noch um 62 % auf 57 Milliarden US‑Dollar steigern konnte.
Die gemeldete Auftragsreserve für GPUs liegt bei mehr als 500 Milliarden US‑Dollar. Große Cloud-Anbieter wie Microsoft, Alphabet und Amazon könnten 2026 zusammen bis zu 527 Milliarden US‑Dollar an Investitionsausgaben tätigen. Diese Zahlen stützen die Einschätzung, dass wir uns in einer Phase befinden, in der bestehende KI‑Investitionen verstärkt monetarisiert werden. Strategen wie Tom Lee sehen in den hohen Auslastungsraten der GPUs einen wesentlichen Unterschied zur Dotcom‑Blase, in der viel Infrastruktur ungenutzt blieb.
Ausblick bis zu den Zahlen
Der nächste zentrale Termin ist der 25. Februar, wenn Nvidia die Zahlen für das vierte Quartal und das Geschäftsjahr 2026 vorlegt.
Wesentliche Eckpunkte im Vorfeld:
- Erwartungen an das Geschäft: Die Konsensschätzungen für die Rechenzentrumsumsätze 2026 liegen zwischen 320 und 330 Milliarden US‑Dollar.
- Charttechnik: Die Aktie hält derzeit die Zone um 186 US‑Dollar. Ein Anstieg über die Marke von 200 US‑Dollar gilt vielen Marktteilnehmern als Bestätigung einer wieder aufgenommenen Aufwärtsbewegung, während die China‑Meldungen kurzfristig auf der Stimmung lasten.
- Strategische Frage: Entscheidend wird sein, inwieweit Nvidia die blockierten H200‑Lieferungen auf andere Kunden umleiten kann, um die Auswirkungen auf den Umsatz dieses Quartals zu begrenzen.
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