Nvidia liefert seinen Investoren neue Argumente für die laufende KI-Story. Die Finanzchefin meldet eine deutlich höhere Nachfrage als bislang gedacht, während die nächste Chip-Generation deutlich früher an den Start geht. Gleichzeitig wirkt die Aktie nach dem starken Lauf der vergangenen Monate eher abgeklärt als euphorisch.

Nachfrage übertrifft alle Prognosen

Auf einer Investorenveranstaltung in der vergangenen Woche machte CFO Colette Kress klar, dass Nvidia seine bisherige Prognose für den Auftragsbestand übertreffen wird. Die ursprüngliche Schätzung von 500 Milliarden US‑Dollar, die CEO Jensen Huang Ende vergangenen Jahres für einen Zeitraum von sechs Quartalen bis Anfang 2027 genannt hatte, gilt intern nun als überholt.

Seit dieser ersten Prognose hat Nvidia für das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2026 bereits 57 Milliarden US‑Dollar Umsatz ausgewiesen und für das laufende vierte Quartal 65 Milliarden US‑Dollar in Aussicht gestellt. Auf Basis der neuen Auftragslage kalkulieren Analysten inzwischen mit potenziellen Erlösen von bis zu 378 Milliarden US‑Dollar im Geschäftsjahr 2027 – rund 155 Prozent mehr als im Vorjahr. Treiber sind vor allem Großkunden aus dem Cloud‑ und Rechenzentrumsbereich, die ihre KI‑Kapazitäten weiter ausbauen.

Vera Rubin kommt ein halbes Jahr früher

Ein wesentlicher Baustein dieser Wachstumserwartungen ist die neue Vera‑Rubin‑Plattform. Auf der CES 2026 am 5. Januar überraschte CEO Jensen Huang mit der Ankündigung, dass die KI‑Chips bereits in Vollproduktion sind – ganze sechs Monate früher als ursprünglich für die zweite Jahreshälfte 2026 geplant.

Technisch verspricht die neue Architektur deutliche Sprünge im Vergleich zu den bisherigen Generationen:

  • Senkung der Kosten pro KI‑Token um bis zu 90 %
  • Rund 75 % weniger GPUs nötig für gleiche Workloads
  • Fünffache Steigerung der Inferenz‑Leistung gegenüber Blackwell
  • 3,5‑fach höhere Trainingsleistung im Vergleich zum Vorgänger

Für große Cloud‑Anbieter ist das mehr als ein Detail. Amazon Web Services, Microsoft Azure, Google Cloud und Oracle Cloud wollen Rubin‑Hardware in der zweiten Jahreshälfte 2026 in ihren Rechenzentren ausrollen. Gelingt dieser Rollout wie geplant, könnte er die bereits hohen Umsatzschätzungen weiter untermauern.

Analysten klar positiv

Trotz der starken fundamentalen Entwicklung notiert die Nvidia‑Aktie aktuell etwas unter ihrem jüngsten Hoch. Am Freitag schloss der Titel bei 186,23 US‑Dollar, was nach dem starken Anstieg der vergangenen Monate einem Abstand von rund 2 % zum 52‑Wochen‑Hoch entspricht. Auf Sicht von zwölf Monaten steht allerdings ein Plus von gut 43 % zu Buche.

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Auf Analystenseite überwiegt dennoch klar der Optimismus. Mehrere Häuser nutzten die jüngsten Nachrichten, um ihre positive Sicht zu bekräftigen oder Kursziele anzuheben:

  • Wolfe‑Research‑Analyst Chris Caso bezeichnet Nvidia als seine „favorisierte KI‑Idee“ für 2026 und verweist vor allem auf die Effizienzgewinne durch Vera Rubin.
  • Rothschild & Co Redburn erhöhte das Kursziel auf 268 US‑Dollar, was in der Folge zu einem Tagesplus von 2,1 % am Mittwoch beitrug.
  • Baird‑Analyst Tristan Gerra bestätigte sein Outperform‑Rating mit einem Ziel von 275 US‑Dollar und sprach von einer „starken und derzeit nicht angefochtenen Positionierung“ im KI‑Rechenzentrumsmarkt.
  • Stacy Rasgon von Bernstein stufte Nvidia als Top‑Pick ein und verwies auf unverändert hohe KI‑Investitionen der Kunden und eine aus seiner Sicht weiterhin attraktive Bewertung.

Im Schnitt liegt das Konsenskursziel der Analysten bei 262,32 US‑Dollar. Ausgehend vom aktuellen Kurs entspricht das einem theoretischen Aufwärtspotenzial von rund 40 %.

Bewertung und Marktumfeld

Trotz der starken Fundamentals hat die Aktie zuletzt schwächer abgeschnitten als einige KI‑Peers. In den vergangenen drei Monaten legte Nvidia nur rund 1 % zu, während Wettbewerber wie Alphabet, Broadcom und AMD teils deutlich zweistellige Jahreszuwächse verzeichneten. Seit Jahresbeginn liegt der Titel knapp im Minus.

Mit einer Marktkapitalisierung von etwa 4,5 Billionen US‑Dollar, einem Kurs‑Umsatz‑Verhältnis von 24 auf Basis der vergangenen Umsätze und einem Forward‑KGV von 24,4 (für das Geschäftsjahr 2027) ist Nvidia nicht günstig bewertet. Die Bruttomarge von gut 70 % zeigt allerdings die hohe Ertragskraft des Geschäfts. Beobachter führen die relative Underperformance der Aktie eher auf Sektorrotation und Timing‑Fragen bei der Monetarisierung von KI‑Investitionen zurück als auf Probleme im operativen Geschäft.

Technisch notiert der Kurs mit gut 10 % über dem 50‑Tage‑Durchschnitt und rund 25 % über der 200‑Tage‑Linie. Ein RSI von 63 signalisiert einen kräftigen Aufwärtstrend, ohne bereits in klar überkaufte Bereiche abzurutschen.

Konkurrenzdruck bleibt hoch

Während Nvidia an der Spitze des KI‑Chipmarktes steht, legen die Wettbewerber nach:

  • AMD bringt mit der MI440‑Serie neue GPUs auf den Markt, deren Auslieferung Anfang 2026 beginnt.
  • Broadcom baut sein Geschäft mit kundenspezifischen ASIC‑Lösungen aus.
  • Alphabet prüft laut Berichten, seine eigenen Tensor Processing Units (TPUs) an Meta zu vermieten.
  • Amazon bewirbt seine Trainium‑Chips mit 30 bis 40 % geringeren Trainingskosten im Vergleich zu klassischen Lösungen.

Nvidia reagiert darauf mit einem weiterhin aggressiven Produktzyklus: Neue Chipgenerationen folgen im Jahresrhythmus und damit deutlich schneller als der branchenübliche Zwei‑Jahres‑Takt. Genau diese Geschwindigkeit verschafft dem Konzern bislang einen technologischen Vorsprung und bindet Großkunden eng an das eigene Ökosystem.

Ausblick: Zahlen und Kapitalrückflüsse im Fokus

Der nächste klare Fixpunkt für Anleger ist der Quartalsbericht zum vierten Geschäftsquartal 2026. Nvidia peilt 65 Milliarden US‑Dollar Umsatz (±2 %) an, die Bruttomarge soll in Richtung 75 % steigen. Für das gesamte Geschäftsjahr 2026 erwarten Analysten Erlöse von rund 213 Milliarden US‑Dollar, für 2027 werden derzeit etwa 320 Milliarden US‑Dollar prognostiziert – zusätzliche Upside ergibt sich aus dem deutlich höheren Auftragsbestand und dem frühzeitigen Start der Vera‑Rubin‑Plattform.

Parallel dazu läuft das Aktienrückkaufprogramm weiter: In den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres hat Nvidia bereits 37 Milliarden US‑Dollar in Rückkäufe und Dividenden gesteckt, 62,2 Milliarden US‑Dollar sind noch im Rahmen der bestehenden Ermächtigung verfügbar. Damit stützt der Konzern nicht nur den Gewinn je Aktie, sondern signalisiert auch, dass er an die Nachhaltigkeit seiner KI‑Wachstumsstory glaubt.

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