Nvidia startet mit Rückenwind ins neue Jahr. Frisches Geschäftspotenzial in China trifft auf eine klar erkennbare Ausweitung des eigenen KI-Ökosystems – von der Hardware bis tief in die Software-Schicht. Für Anleger stellt sich damit vor allem eine Frage: Wie stark könnte dieser Mix aus neuen Absatzmärkten und Zukäufen das Wachstum in den kommenden Jahren antreiben?

China öffnet sich – mit Preis

Im Mittelpunkt steht die Entscheidung der US-Regierung, Nvidia wieder den Export leistungsstarker KI-Chips nach China zu erlauben. Präsident Trump hat den Verkauf der neuen H200-Chips freigegeben – allerdings mit einer Auflage: 25 % der Erlöse aus den entsprechenden China-Geschäften sollen an die US-Regierung fließen.

Trotz dieser Abgabe könnten die Volumina den Ausschlag geben. Große chinesische Tech-Konzerne wie ByteDance und Alibaba haben laut Berichten bereits Bestellungen von mehr als 2 Millionen H200-Einheiten für 2026 platziert. Bei einem Stückpreis von rund 27.000 US-Dollar entspricht das einem potenziellen Bruttoumsatz von etwa 54 Milliarden US-Dollar – allein aus dieser ersten Welle.

ByteDance plant demnach, 2026 rund 14 Milliarden US-Dollar in Nvidia-Chips zu investieren, um seine Infrastruktur für den verschärften Wettbewerb um KI-Talente zu stärken. Nvidia wiederum soll den Auftragsfertiger TSMC bereits aufgefordert haben, die Produktion deutlich hochzufahren. Der aktuelle Lagerbestand von etwa 700.000 Einheiten reicht bei dieser Nachfragedynamik nicht aus.

An der Börse spiegelt sich die positive Erwartungshaltung in einem Kurs nahe Rekordniveau wider: Die Aktie schloss am Freitag bei 188,85 US-Dollar und liegt damit weniger als 1 % unter dem 52‑Wochen-Hoch von 190,53 US-Dollar.

KI-Stack: Zukäufe für die Software-Schicht

Parallel zur China-Öffnung baut Nvidia seine Position im KI-Softwarebereich weiter aus. Nach Informationen aus Marktkreisen befindet sich der Konzern in fortgeschrittenen Gesprächen, den israelischen LLM-Entwickler AI21 Labs zu übernehmen. Der Unternehmenswert wird auf 2 bis 3 Milliarden US-Dollar taxiert.

Die mögliche AI21-Transaktion reiht sich ein in eine Serie von Deals. Zuvor hatte Nvidia bereits ein Technologieabkommen mit Groq im Umfang von 20 Milliarden US-Dollar bestätigt und den Workload-Management-Spezialisten SchedMD übernommen. Die Stoßrichtung ist klar: Nvidia will sich nicht auf die Rolle des Hardware-Lieferanten beschränken, sondern die gesamte Kette vom Chip über Inferenz bis zur Software-Plattform kontrollieren.

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Damit verstärkt das Unternehmen seinen „Burggraben“ im KI-Bereich. Je enger Hardware und eigene Software-Angebote verzahnt werden, desto höher dürfte die Bindung der Kunden ausfallen – ein Punkt, den viele Marktbeobachter als zentralen Wettbewerbsvorteil werten.

Bewertung, Großinvestoren und Marktumfeld

Trotz der hohen Marktkapitalisierung von rund 4,6 Billionen US-Dollar wirken die aktuellen Bewertungen durch das Wachstum unterfüttert. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis vergangener Gewinne liegt bei etwa 46. Auf Basis der erwarteten Gewinne („forward P/E“) sinkt der Wert auf unter 25, gestützt durch Prognosen, die ein jährliches Gewinnwachstum von 67 % bis zum Geschäftsjahr 2027 unterstellen.

Auch auf der Umsatzseite bleibt die Dynamik hoch. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2026 legten die Erlöse um 62 % zu. Für das vierte Quartal stellt Nvidia einen weiteren Anstieg von 65 % in Aussicht. Fundamentale Schwäche ist derzeit also nicht zu erkennen, auch wenn die Aktie mit einem deutlichen Aufschlag auf den langfristigen Durchschnitt bewertet wird (Abstand zum 200‑Tage-Durchschnitt: gut 30 %).

Auf der institutionellen Seite zeigt sich allerdings ein gemischtes Bild. Investor Peter Thiel hat seine Position von 537.000 Nvidia-Aktien bereits im dritten Quartal 2025 vollständig aufgelöst und Kapital in Richtung Microsoft und Apple umgeschichtet. Gleichzeitig bleibt die generelle Analystenstimmung positiv: Wedbush-Analyst Dan Ives rechnet für Tech-Werte 2026 mit einer Rally von 20 bis 25 % und sieht Nvidia als einen der zentralen Treiber der laufenden „AI-Monetization“-Phase.

Zur Einordnung der aktuellen Marktlage bieten sich einige Kennzahlen an:

  • 12-Monats-Performance: +40,1 %
  • Abstand zum 50‑Tage-Durchschnitt: rund +16 %
  • RSI (14 Tage): 63 – ein Niveau nahe, aber noch nicht im klassischen Überkauft-Bereich

Die Aktie konsolidiert damit auf hohem Niveau, ohne bislang deutliche technische Überhitzungssignale zu senden.

Blick nach vorn: CES 2026 als Katalysator

Kurzfristig richtet sich der Markt auf die CES 2026 in Las Vegas. Nvidia-CEO Jensen Huang wird dort am Montag, 5. Januar, um 16:00 Uhr Ortszeit eine Keynote halten. Inhaltlich erwarten Investoren vor allem strategische Weichenstellungen für die nächsten Jahre.

Im Fokus stehen laut Ankündigungen:

  • Der Nachfolger der aktuellen Blackwell-Architektur
  • Das Konzept der „Physical AI“ an der Schnittstelle zwischen Robotik und Simulation (Project GR00T)
  • Der Fahrplan für die Robotik-Plattform Isaac und die Omniverse-Strategie

Charttechnisch bewegt sich die Aktie derzeit nahe ihren Hochs und hat sich in den vergangenen 30 Tagen um knapp 23 % verbessert. Gelingt es Huang, auf der CES sowohl die technologische Roadmap zu schärfen als auch die Bedeutung der China-Aufträge zu unterstreichen, könnte dies den nötigen Impuls liefern, um die psychologisch wichtige Marke von 200 US-Dollar ins Visier zu nehmen.

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