Novo Nordisk Aktie: Neubeginn mit Risiken
Novo Nordisk startet ins Jahr 2026 nach einem außergewöhnlich schwachen Börsenjahr mit einem klaren Hoffnungsträger: der frisch zugelassenen oralen Wegovy-Pille für den US-Markt. Nach fast halbiertem Kurs innerhalb von zwölf Monaten steht das Management unter Zugzwang, die Wachstumsstory im lukrativen GLP‑1-Geschäft neu zu beleben. Entscheidend wird sein, ob das neue Präparat die Trendwende einleiten kann.
Ein Jahr voller Rückschläge
2025 war für den dänischen Konzern eine Belastungsprobe. Das Wachstum brach spürbar ein, der Kurs verlor rund 40 % und der Titel liegt aktuell mit 47,9 % im Jahresvergleich im Minus. Mit 44,61 Euro notiert die Aktie zwar rund 10 % höher als noch vor 30 Tagen, bleibt aber fast 49 % unter ihrem 52‑Wochen-Hoch.
Mehrere Faktoren drückten auf Stimmung und Bewertung:
- Das Umsatzwachstum im dritten Quartal 2025 fiel auf nur noch 5 %, nach 29 % im dritten Quartal 2023
- Konkurrent Eli Lilly übernahm bereits im Februar 2025 die Führung beim US‑Marktanteil im GLP‑1‑Segment
- Der CEO wurde im Mai 2025 vor dem Hintergrund der „jüngsten Marktherausforderungen“ abgelöst
- Im November 2025 traten sämtliche unabhängigen Aufsichtsratsmitglieder zurück
- Studiendaten zur Kombinationstherapie CagriSema enttäuschten die Erwartungen vieler Investoren
Kein Wunder, dass der Titel weiter unter Druck steht und sich technisch sichtbar schwer tut: Der Kurs liegt klar unter dem 200‑Tage-Durchschnitt, während der kurzfristige 50‑Tage-Schnitt erst langsam nachzieht.
Orales Wegovy: Trumpf im GLP‑1‑Wettbewerb
In dieser angespannten Lage kam die FDA-Zulassung für die orale Wegovy-Variante Ende Dezember 2025 wie ein dringend benötigter Impuls. Es ist die erste orale GLP‑1‑Therapie, die in den USA explizit zur Gewichtsreduktion zugelassen wurde. Die Ankündigung löste einen Tagesanstieg der Aktie von fast 10 % aus – ein klares Signal, wie stark der Markt auf dieses Produkt setzt.
Die Tablettenform verschafft Novo Nordisk zunächst einen Vorsprung gegenüber Eli Lilly. Die US‑Auslieferung soll bereits im Januar 2026 starten, während Lillys konkurrierendes orales Präparat Orforglipron noch keine Zulassung hat und frühestens ab Ende März erwartet wird. Diese Zeitspanne könnte entscheidend sein, um im neuen Teilsegment „orale GLP‑1“ spürbare Marktanteile zu sichern.
Auch die Wirksamkeit liefert Argumente:
- Oral Wegovy zeigte in Studien eine durchschnittliche Gewichtsabnahme von 16,6 % nach 64 Wochen
- Orforglipron kam auf 12,4 % nach 72 Wochen
Diese Kombination aus höherer Effektivität und First-Mover-Vorteil stärkt die Ausgangsposition von Novo Nordisk im US-Geschäft.
Preisstrategie und US-Politik als Hebel
Beim Preis setzt das Unternehmen gezielt auf breiteren Zugang: Die Pille soll für 149 US‑Dollar pro Monat auf den Markt kommen und liegt damit deutlich unter den Preisen der injizierbaren Präparate. Damit stellt sich Novo Nordisk auch dem Wettbewerb durch Compounder, die während der Semaglutid-Engpässe mit günstigen Nachmischungen aufgekommen sind.
Zusätzlich verändert die US‑Politik das Umfeld. Die Vereinbarung mit der Trump-Regierung, die GLP‑1‑Preise in den staatlichen Programmen Medicare und Medicaid zu senken, sowie die geplante Direktvertriebsplattform TrumpRx.gov dürften die Preis- und Vertriebssituation im US‑Markt nachhaltig beeinflussen. Für Novo Nordisk bedeutet das: mehr potenziellen Zugang zu Patienten, aber auch stärkeren Druck auf Margen.
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Gegenwind bleibt 2026 spürbar
Trotz des Hoffnungsträgers oral Wegovy sind die Probleme nicht mit einem Schlag gelöst. Mehrere Gegenwinde begleiten das neue Jahr:
- Auslaufende Patente in Brasilien, Kanada und China werden auf die Erlöse in diesen Märkten drücken
- Der boomende Direktvertriebsmarkt in den USA bleibt umkämpft, insbesondere durch günstige Compounder-Angebote
- Analysten sehen derzeit „keinen wesentlichen positiven Fortschritt“ in den US‑Operationen
Der neue CEO Mike Doustdar muss daher nicht nur das neue Produkt sauber in den Markt bringen, sondern auch operative Verbesserungen in den USA sichtbar machen. Die Veröffentlichung der vollständigen Zahlen für 2025 am 4. Februar 2026 wird zum ersten großen Belastungstest für seine Amtszeit und zeigt, wie tief die Bremsspuren im Geschäft tatsächlich sind.
Pipeline als zweite Chance
Neben oralem Wegovy blickt der Markt auf die weitere Pipeline. Im Fokus steht vor allem:
- CagriSema: Die nächste GLP‑1‑Generation als Kombinationstherapie, die in Studien eine Gewichtsreduktion von 22,7 % zeigte. Trotz zuletzt enttäuschender Daten hoffen Investoren auf klarere Signale zu Zulassungspfad und Kommerzialisierung.
- Wegovy 7,2 mg Injektion: Für diese höher dosierte Variante wurde im November 2025 die FDA‑Zulassung beantragt. Die Wirksamkeit könnte mit Eli Lillys Zepbound (20,7 % Gewichtsverlust) gleichziehen und damit die Injektionspalette von Novo Nordisk im Premiumsegment stärken.
Wettbewerb und Diversifikation
Der Wettbewerb im GLP‑1‑Markt geht inzwischen deutlich über das Duopol Novo Nordisk/Eli Lilly hinaus. Schwergewichte wie Pfizer, Amgen, AstraZeneca und Roche schieben eigene Kandidaten durch späte Entwicklungsphasen. Das erhöht mittelfristig den Innovations- und Preisdruck im gesamten Segment.
Novo Nordisk versucht, sich darauf vorzubereiten und das Geschäftsmodell breiter aufzustellen. Die Übernahme von Akero Therapeutics im Dezember 2025 ist ein klares Signal in diese Richtung: Neben dem Kernthema Adipositas soll die Pipeline in Richtung Lebererkrankungen ausgebaut werden. Das reduziert langfristig die Abhängigkeit vom GLP‑1‑Boom, auch wenn kurzfristig weiterhin die Anti‑Adipositas-Mittel die Bewertung dominieren.
Fazit: Wegovy-Start als Gradmesser
Nach dem Kurssturz 2025 ist die Ausgangslage für Novo Nordisk angespannt, aber nicht aussichtslos. Die Aktie versucht sich in einer Bodenbildung knapp über dem 52‑Wochen-Tief, während der RSI mit 34,8 noch kein klares Überverkauft-Signal, aber eine angeschlagene Marktstimmung widerspiegelt.
Für die nächsten Monate sind zwei Faktoren entscheidend: Erstens der kommerzielle Erfolg der oralen Wegovy-Einführung in den USA, inklusive Preisumfeld und Konkurrenz durch Compounder. Zweitens die Signale aus den 2025er Jahreszahlen am 4. Februar 2026, die zeigen werden, ob der Einschnitt des vergangenen Jahres der Beginn einer längeren Schwächephase oder der Ausgangspunkt für eine schrittweise Erholung war.
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