Microsoft geht mit Rückenwind in eine entscheidende Woche. Kurz vor den Zahlen zum zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres hat der Konzern einen eigenen KI-Chip vorgestellt – ein direkter Angriff auf die bisherige Abhängigkeit von Nvidia im Rechenzentrum. Für Anleger stellt sich damit vor allem eine Frage: Trägt die Kombination aus neuer Hardware-Strategie und KI-Wachstum die aktuelle Bewertung?

Eigener KI-Chip als Kostenthema

Am Montag hat Microsoft den „Maia 200“-Chip offiziell präsentiert. Der speziell für KI-Inferenz optimierte Prozessor wird im 3‑Nanometer-Verfahren von TSMC gefertigt und soll in Rechenzentren die Verarbeitung von KI-Lasten effizienter machen.

Kern der Strategie: Die Abhängigkeit von Nvidia-Hardware in der Azure-Cloud soll reduziert und die Kostenstruktur verbessert werden. Erste Maia-200-Chips sollen in Data-Centern in Iowa und Arizona zum Einsatz kommen. Ziel ist es, die Margen im KI-Geschäft zu stützen, obwohl die notwendigen Investitionen hoch bleiben.

Parallel dazu laufen bereits die Planungen für den Nachfolger „Clea“ (Maia 300), der in Kooperation mit Intel in den USA produziert werden soll. Die Aussicht auf eine eigene Chip-Roadmap wurde an der Börse klar registriert – sie war ein wichtiger Treiber für die jüngste Erholung des Kurses in Richtung 470 US‑Dollar.

Quartalszahlen im Fokus

Der nächste harte Test folgt allerdings sofort: Morgen, am 28. Januar, legt Microsoft die Zahlen für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2026 vor. Die Erwartungen an Umsatz, Gewinn und vor allem an das Wachstum der Cloud-Sparte sind klar umrissen:

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  • Umsatzprognose der Analysten: rund 80,3 Mrd. US‑Dollar (+15 % zum Vorjahr)
  • Erwarteter Gewinn je Aktie (EPS): etwa 3,92 US‑Dollar (+21 % zum Vorjahr)
  • Azure-Umsatzwachstum (konstante Währungen): ca. 37 %

Der Optionsmarkt preist derzeit eine Kursbewegung von rund 4,3 % nach den Zahlen ein. Besonders beachtet werden dürfte der Ausblick auf die Investitionen (Capex): Im ersten Quartal lagen diese mit 34,9 Mrd. US‑Dollar deutlich über der ursprünglichen Planung von 30 Mrd. US‑Dollar. Investoren wollen sehen, ob Effizienzgewinne durch Chips wie Maia mittelfristig helfen können, das Tempo dieser Ausgaben zu dämpfen.

Analysten setzen weiter auf KI-Story

Trotz der erhöhten Schwankungen bleibt die Analystenstimmung überwiegend positiv. 64 ausgewertete Research-Einschätzungen ergeben eine klare Tendenz zu Kaufempfehlungen, mit einem Buy-Anteil von knapp 97 %.

Wedbush-Analyst Dan Ives bestätigt sein „Outperform“-Votum und nennt ein Kursziel von 625 US‑Dollar. Er hält die aktuellen Konsensschätzungen für das Azure-Wachstum für eher vorsichtig. Auf der anderen Seite haben einige Häuser ihre Kursziele etwas reduziert, um Bewertungsanpassungen im Technologiesektor Rechnung zu tragen:

  • UBS senkte das Ziel von 650 auf 600 US‑Dollar
  • Cantor Fitzgerald nahm das Ziel auf 590 US‑Dollar zurück

Beide Institute bleiben jedoch bei einer positiven Grundhaltung, was signalisiert, dass die langfristige KI- und Cloud-Story aus ihrer Sicht intakt ist – trotz kurzfristiger Bewertungskorrekturen.

Technisches Bild und aktuelle Bewertung

Charttechnisch bewegt sich die Aktie komfortabel über ihrem 52‑Wochen-Tief und in Sichtweite der jüngsten Höchststände. Mit rund 472 US‑Dollar notiert der Titel nur gut 3 % unter dem 52‑Wochen-Hoch, zugleich aber fast die Hälfte über dem Zwischentief der letzten zwölf Monate. Der Kurs liegt deutlich über den 50‑, 100‑ und 200‑Tage-Durchschnitten, was eine gefestigte Aufwärtstendenz unterstreicht.

Der RSI (14 Tage) von 45,8 signalisiert weder Überhitzung noch Überverkauf – technisch ist der Wert neutral. Das passt zur aktuellen Lage: Der Markt hat die Chip-Neuigkeiten bereits eingepreist und wartet nun auf die Quartalszahlen als nächsten Richtungstreiber.

Fazit: Zahlen entscheiden über den nächsten Schritt

Mit dem Maia-200-Chip hat Microsoft einen konkreten Schritt gemacht, um die KI-Infrastruktur stärker in die eigene Hand zu nehmen und langfristig die Profitabilität im Cloud-Geschäft zu verbessern. Kurzfristig rücken jedoch die Q2-Zahlen und der Ausblick auf Azure-Wachstum und Investitionsvolumen in den Vordergrund. Ob die Aktie ihren Weg in Richtung neuer Höchststände fortsetzen kann, hängt maßgeblich davon ab, ob Microsoft die ambitionierten Erwartungen morgen bestätigt oder übertrifft und zugleich glaubhaft aufzeigt, wie sich die hohen KI-Investitionen künftig in effizientere Strukturen übersetzen sollen.

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