Lynas hat mit seinem jüngsten Quartalsupdate ein gemischtes Signal an den Markt gesendet: operative Probleme auf der Produktionsseite stehen starken Preisen und deutlich höheren Erlösen gegenüber. Die Aktie legte gestern in einem schwankungsreichen Handel leicht zu und bleibt nach dem starken Lauf der vergangenen Monate hoch bewertet. Wie robust ist diese Story, wenn Produktion und Management in eine Übergangsphase geraten?

Produktion hinkt Erwartungen hinterher

Im Dezember-Quartal blieb die Förderung zentraler Seltene-Erden-Produkte klar unter den Prognosen. Die Produktion von Neodym und Praseodym (NdPr) erreichte 1.404 Tonnen. Damit verfehlte Lynas sowohl die Schätzung von Bell Potter (2.100 Tonnen) als auch den Konsens von 1.700 Tonnen deutlich.

Hauptursachen waren technische und infrastrukturelle Probleme:
- Stromausfälle im neuen Kalgoorlie-Werk in Westaustralien
- Geplante Wartungsarbeiten im Werk Kuantan in Malaysia

CEO Amanda Lacaze sprach von anhaltenden Stromproblemen und verwies darauf, dass es „noch gestern zwei bedeutende Stromausfälle“ gegeben habe. Die operativen Risiken im Hochlauf der Anlagen sind damit klar sichtbar.

Rekordpreise stützen Umsatz

Auf der Erlösseite zeigt sich hingegen ein deutlich stärkeres Bild. Trotz des Produktionsrückstands erzielte Lynas im Quartal einen Rekordkorbpreis von 86 A$/kg. Damit lagen die realisierten Preise klar über den Analystenerwartungen von 60 bis 67 A$/kg.

Der Preisauftrieb schlug direkt auf den Umsatz durch:
Die Erlöse stiegen auf 201,9 Mio. A$, ein Plus von 43 % im Jahresvergleich.

Wichtige Kennzahlen Q2 GJ 2026

  • NdPr-Produktion: 1.404 Tonnen (Konsens: 1.700 Tonnen)
  • Gesamtproduktion Seltene-Erden-Oxide: 2.382 Tonnen
  • Umsatz: 201,9 Mio. A$ (+43 % gegenüber Vorjahr)
  • Durchschnittlicher Verkaufspreis: 85,60 A$/kg (Vorjahr: 49,20 A$/kg)
  • Cash-Betriebskosten: 140 Mio. A$
  • Liquide Mittel: 1,03 Mrd. A$

Die Kombination aus höherem Preisniveau und solider Liquiditätsposition verschafft dem Unternehmen finanziellen Spielraum, auch wenn operative Störungen kurzfristig bremsen.

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Analysten uneinig: Bell Potter bleibt skeptisch

Trotz der starken Preis- und Umsatzentwicklung hält Bell Potter an einer vorsichtigen Einschätzung fest. Das Haus bestätigt seine Verkaufsempfehlung, erhöht aber das Kursziel von 9,60 A$ auf 11,15 A$. Ausgehend vom aktuellen Niveau sehen die Analysten damit ein Abwärtspotenzial von rund einem Drittel.

Zur Begründung verweist Bell Potter auf eine aus ihrer Sicht zu hohe Bewertung. In der Aktie stecke viel Optimismus, insbesondere weil Anleger sie als Absicherung gegen Spannungen in den US‑China‑Beziehungen nutzten. Im Zuge des Updates senkte das Haus seine Ergebnisprognose für das Geschäftsjahr 2026 um 16 %.

Dem gegenüber steht eine deutlich positivere Einschätzung von Macquarie. Die Bank sieht den Markt für Seltene Erden im gesamten Jahr 2026 als angespannt und belässt ihr Kursziel bei 17 A$. Die sehr breite Spanne der Kursziele – von 7,00 A$ bis 29,50 A$ – unterstreicht die starken Unterschiede in den Annahmen zu Preisniveau und geopolitischer Prämie.

Führungswechsel und Politik als zusätzliche Faktoren

Für zusätzliche Unsicherheit sorgt der angekündigte Führungswechsel. Langzeit-CEO Amanda Lacaze, seit zehn Jahren an der Spitze, hat am 13. Januar ihren Rücktritt erklärt. Die Nachfolge muss in einer Phase geregelt werden, in der das Unternehmen Kapazitäten ausbaut und technisch anspruchsvolle Projekte umsetzt.

Lacaze betonte im Rahmen der Präsentation, dass staatliche Maßnahmen zur Absicherung von Mindestpreisen die Marktstruktur verbessert hätten. Unterstützung der US-Regierung für Preisuntergrenzen sorge ihrer Ansicht nach für „funktionalere Marktdynamiken“.

Geopolitische Rückenwinde und Kursentwicklung

Fundamental profitiert Lynas weiter von einem günstigen geopolitischen Umfeld. Als größter Produzent seltener Erden außerhalb Chinas steht das Unternehmen im Fokus westlicher Industrien, die ihre Abhängigkeit von chinesischen Lieferketten reduzieren wollen. Chinesische Exportbeschränkungen und die Suche nach alternativen Bezugsquellen haben die Nachfrage nach non-chinesischen Anbietern deutlich erhöht.

Dieser Rückenwind spiegelt sich im Kursverlauf:
- Plus 154 % auf Sicht von zwölf Monaten
- Plus 37 % seit Jahresbeginn
- 52-Wochen-Spanne: 6,16 A$ bis 21,96 A$

Damit ist viel Hoffnung auf dauerhaft hohe Preise und stabile Politikprämien eingepreist. Wie stark Lynas dieses Potenzial in konkrete Produktionszuwächse und verlässliche Ergebnisse umsetzen kann, dürfte in den kommenden Quartalen entscheidend für die Kursentwicklung sein – zumal operative Risiken, ein anstehender CEO-Wechsel und stark divergierende Analystenerwartungen gleichzeitig wirken.

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