Der iShares MSCI World ETF (URTH) startet ins Jahr 2026 mit einer deutlich veränderten Struktur. Die starke Rally der großen US-Technologie- und Halbleiterwerte hat das Profil des Fonds spürbar verschoben: Statt breiter Weltmarkt-Abbildung rückt ein wachstumsorientierter Schwerpunkt auf US-Tech in den Vordergrund. Für Anleger stellt sich damit die Frage, wie ausgewogen die Streuung tatsächlich noch ist.

Struktur verschiebt sich zu Tech

In den vergangenen Wochen waren vor allem die Umschichtungen an der Spitze des Portfolios entscheidend. Halbleiterwerte haben klassische Software-Schwergewichte in der Gewichtung überholt, allen voran NVIDIA.

Top-10-Positionen (Gewichtungs-Schätzung, Stand 7. Januar 2026):

  1. NVIDIA – ca. 5,46 %: Neue Spitzenposition, getrieben von der Erwartung an anhaltende Dominanz bei KI-Hardware.
  2. Apple – ca. 4,72 %: Bleibt ein Kernwert, wurde aber in der Gewichtung von NVIDIA überholt.
  3. Microsoft – ca. 4,05 %: Stabiler Anker im Bereich Unternehmenssoftware.
  4. Amazon – ca. 2,66 %
  5. Alphabet A – ca. 2,20 %
  6. Broadcom – ca. 1,87 %: Profitiert deutlich von Nachfrage nach kundenspezifischen Chips.
  7. Alphabet C – ca. 1,85 %
  8. Meta Platforms – ca. 1,69 %
  9. Tesla – ca. 1,48 %
  10. JPMorgan Chase – ca. 1,07 %

Die Top 10 machen in Summe knapp 27 % des Fondsvolumens aus – ein hoher Wert für einen Index mit breitem Anspruch. Der ETF bildet damit weniger den „durchschnittlichen“ Weltmarkt ab, sondern ist stark von wenigen US-Megacaps geprägt.

Länder- und Sektorgewichte

  • USA: ca. 72 % – klarer Renditetreiber.
  • Japan: ca. 6 % – unterstützt durch Reformen in der Unternehmensführung.
  • Großbritannien: ca. 4 %
  • Frankreich/Kanada: jeweils ca. 3 %

Auf Sektorebene dominieren Informationstechnologie und Kommunikationsdienste mit zusammen über 30 % des Fonds. Klassische Sektoren wie Industrie oder Basiskonsumgüter fallen dagegen deutlich geringer ins Gewicht.

Entwicklung und Kennzahlen

URTH spiegelt in weiten Teilen die Dynamik des US-Markts wider, insbesondere des S&P 500, mit leichter Glättung durch den internationalen Anteil.

  • Performance (Stand 7. Januar 2026):
  • 1 Woche: ca. +0,80 %
  • Seit Jahresbeginn 2026: ca. +1,25 %
  • 1 Monat: ca. +1,26 %
  • 1 Jahr: ca. +20,49 %

Das Handelsvolumen liegt im Schnitt bei rund 300.000 bis 500.000 Anteilen pro Tag. Für Privatanleger und die meisten institutionellen Investoren ist die Liquidität damit komfortabel, zumal die zugrunde liegenden Titel selbst sehr liquide sind.

Die Nachbildungsgenauigkeit gegenüber dem MSCI World Index ist hoch. URTH nutzt eine physische, sampling-basierte Replikation und weist nur geringe Tracking-Differenzen auf. Bewertungsseitig liegt das gewichtete KGV über historischen Durchschnittswerten, was vor allem an den teuren Spitzenpositionen NVIDIA, Apple und Microsoft hängt.

Vergleich zu ACWI und VT

URTH ist der zentrale US-gelistete ETF auf den MSCI World Index. Der Wettbewerb kommt vor allem von globalen „All Country“-Produkten und Total-World-ETFs, die auch Schwellenländer einbeziehen.

Kennzahl iShares MSCI World (URTH) iShares MSCI ACWI (ACWI) Vanguard Total World (VT)
Fokus Nur entwickelte Märkte Entwickelte + Schwellen Global (Entw. + EM)
TER 0,24 % 0,32 % 0,06 %
Volumen (AUM) ca. 6,85 Mrd. USD ca. 25,7 Mrd. USD ca. 61 Mrd. USD
Top-Holding NVIDIA (~5,5 %) NVIDIA (~4,0 %) NVIDIA (~4,0 %)
US-Anteil ca. 72 % ca. 64 % ca. 65 %
Ausschüttung Halbjährlich Halbjährlich Quartalsweise

Im Rückblick auf die letzten drei bis fünf Jahre hat URTH ACWI outperformt, vor allem wegen des Ausschlusses von Schwellenländern wie China oder Brasilien, die die Renditen belastet haben. Gegenüber VT ist URTH teurer, bietet aber eine gezielte Fokussierung auf entwickelte Märkte. Die höhere Gebühr lässt sich vor allem dann rechtfertigen, wenn Anleger Schwellenländer bewusst vermeiden wollen.

Blick nach vorn: 2026 im Zeichen von KI und Zinsen

Für das erste Quartal 2026 zeichnen sich mehrere zentrale Einflussfaktoren ab:

  • Tech-Berichtssaison (Jan–Feb): Mit NVIDIA als größter Position hängt die kurzfristige Entwicklung stark an den Ausblicken der Halbleiterbranche. Signale für eine Abschwächung der KI-Investitionen würden URTH voraussichtlich stärker treffen als gleichgewichtete Indizes.
  • Geldpolitik: Eine auseinanderlaufende Zinspolitik von Fed und EZB wird für das Jahr 2026 erwartet. Ein stärkerer US-Dollar wirkt sich auf den ungesicherten ETF positiv aus, da Währungsgewinne aus dem internationalen Anteil Schwankungen im US-Markt teilweise abfedern können.
  • Rebalancing: Beim nächsten Quartals-Umbau könnte sich die Konzentration an der Spitze weiter verstärken, falls die Tech-Rally anhält. Diskussionen über mögliche Obergrenzen für Einzeltitel-Gewichte wären dann denkbar, sind auf dem aktuellen Niveau aber noch nicht akut.

Charttechnisch gelten der Bereich um 182 US-Dollar als wichtige Unterstützungszone (ehemaliger Ausbruchsbereich) und die Region um 190 US-Dollar als Widerstand und Allzeithochzone.

URTH bleibt damit ein Kernbaustein für breit aufgestellte Depots, hat sich aber klar zu einem wachstumsorientierten Vehikel mit starker Abhängigkeit vom US-Technologiesektor entwickelt. Wer auf den KI-Trend über entwickelte Märkte setzen will, erhält hier einen strukturierten Zugang – muss sich der hohen Gewichtung weniger Mega-Caps jedoch bewusst sein.

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