Infineon, Novo Nordisk & EU-Emissionshandel: Wenn KI-Chips Milliarden versprechen, Abnehmspritzen enttäuschen und Klimapolitik Branchen spaltet
Liebe Leserinnen und Leser,
als die Börsenglocken in Europa heute zur Mittagszeit läuteten, war eines klar: Der Markt sortiert sich neu. Während Chipkonzerne ihre Investitionen in die KI-Zukunft hochfahren, bricht bei Pharmariesen die Ernüchterung durch – und eine geplante Änderung im EU-Emissionshandel dreht ganze Branchen auf links. Infineon verspricht Milliardenumsätze mit Stromversorgung für Rechenzentren, Novo Nordisk schockt mit der ersten Umsatzwarnung seit Jahren, und die Chemiebranche jubelt über eine Entlastung, die ausgerechnet Zementhersteller unter Druck setzt. Drei Geschichten, die zeigen: In volatilen Zeiten trennt sich nicht nur die Spreu vom Weizen – sondern auch kluge Positionierung von blindem Optimismus.
Infineon verdoppelt KI-Wette: Wenn Chips für Rechenzentren zum Rettungsanker werden
Der Münchner Halbleiterkonzern Infineon zieht geplante Investitionen in Höhe von 500 Millionen Euro vor und stockt sein Investitionsbudget für das laufende Geschäftsjahr auf 2,7 Milliarden Euro auf. Der Grund: Die Nachfrage nach Chips für die Stromversorgung von KI-Rechenzentren ist so dynamisch, dass das Unternehmen die Kapazitäten kaum schnell genug ausbauen kann. CEO Jochen Hanebeck sprach von einer „nie dagewesenen Wachstumschance" – und lieferte konkrete Zahlen: Für das laufende Geschäftsjahr erwartet Infineon KI-bezogene Umsätze von 1,5 Milliarden Euro, für 2027 sollen es bereits 2,5 Milliarden sein. Das entspricht einem Wachstum von zwei Dritteln binnen eines Jahres.
Besonders bemerkenswert: Diese Prognose sei „ausschließlich angebotsseitig begrenzt", so Hanebeck. Die tatsächliche Nachfrage liege noch höher. Die zusätzlichen Mittel fließen vor allem nach Dresden, wo im Sommer eine neue Fabrik eröffnet wird und der Hochlauf nun beschleunigt werden soll. Analysten von Jefferies lobten die Zahlen zum ersten Quartal, das mit einer Segmentergebnis-Marge von 17,9 Prozent deutlich über den Erwartungen lag. Doch die Börse reagierte verhalten: Die Aktie gab zwischenzeitlich ihre Gewinne wieder ab und verlor zuletzt rund 1,3 Prozent. Offenbar reichen selbst solide Quartalszahlen und ambitionierte KI-Ziele nicht mehr aus, um Anleger in einem nervösen Marktumfeld zu überzeugen.
Für deutsche Investoren bleibt die Botschaft trotzdem klar: Infineon positioniert sich als unverzichtbarer Player im KI-Boom – nicht bei den schillernden Chips für Rechenleistung, sondern bei der weniger glamourösen, aber essenziellen Stromversorgung. „Ohne Elektrizität, ohne Strom gibt es keine KI", brachte es Hanebeck auf den Punkt. Während das klassische Autogeschäft – immerhin die Hälfte des Konzernumsatzes – weiter schwächelt, könnte der KI-Bereich tatsächlich zum Wachstumsmotor werden. Bis 2027 soll der Anteil am Gesamtumsatz von 10 auf 15 Prozent steigen.
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Novo Nordisk schockt mit Umsatzwarnung: Der Preiskampf um Abnehmspritzen wird härter
Selten hat eine Prognose die Börse so kalt erwischt: Der dänische Pharmakonzern Novo Nordisk rechnet für 2026 mit einem Umsatzrückgang von 5 bis 13 Prozent – der erste seit fast einem Jahrzehnt. Die Aktie stürzte in Kopenhagen um bis zu 18 Prozent ab, in New York verloren die Papiere rund 15 Prozent. Was war passiert? Novo verwies auf „nie dagewesenen Preisdruck" in den USA, wo das Unternehmen im November eine Einigung mit der Trump-Administration über deutliche Preissenkungen für Wegovy und Ozempic getroffen hatte. Hinzu kommen der Ablauf von Patenten für den Wirkstoff Semaglutid in einigen Märkten und zunehmende Konkurrenz – allen voran von Eli Lilly, dessen Abnehmmedikamente als effektiver gelten.
Analysten zeigten sich schockiert. Graham Parry von der Citigroup kalkulierte, dass Umsatz, operatives Ergebnis und Gewinn je Aktie um 7 bis 10 Prozent unter den Konsensschätzungen liegen dürften. JPMorgan sprach von einem „Küchen-Spülen-Ausblick" – also einer bewusst pessimistischen Prognose, die später vielleicht übertroffen werden könnte. Doch selbst optimistische Bullen mussten einräumen: Die gleiche Hoffnung hatte man schon im Vorjahr, und sie erfüllte sich nicht. CEO Mike Doustdar kündigte an, Dave Moore, Chef des US-Geschäfts, werde aus persönlichen Gründen ausscheiden – ein weiteres Signal für die angespannte Lage.
Ein Lichtblick bleibt die Wegovy-Pille, die Ende 2025 in den USA zugelassen wurde und bereits 170.000 weitestgehend neue Nutzer gewonnen hat. Doch auch hier droht Konkurrenz: Eli Lilly hofft in den kommenden Monaten auf die Zulassung einer eigenen Tabletten-Version. Für Anleger bedeutet das: Der Boom bei Abnehmspritzen ist nicht vorbei – aber die Phase müheloser Wachstumsraten schon. Wer auf Novo Nordisk setzt, sollte sich auf einen längeren Preiskampf und Marktanteilsverluste einstellen. Die Zeiten, in denen die Dänen als unangefochtener Marktführer diktieren konnten, sind vorerst vorbei.
EU-Emissionshandel: Wenn Klimapolitik Gewinner und Verlierer neu verteilt
Eine Meldung im Handelsblatt sorgte heute für heftige Kursausschläge quer durch die europäische Industrie: Die EU-Kommission plant laut einem hochrangigen Beamten, kostenlose CO2-Zertifikate länger als bisher vorgesehen auszugeben, um energieintensive Unternehmen zu entlasten. Die Reaktionen könnten gegensätzlicher nicht sein. Chemieaktien wie BASF, Lanxess, Wacker Chemie und Evonik sprangen um bis zu 6,4 Prozent nach oben. Heidelberg Materials dagegen verlor rund 5 Prozent – und das, obwohl die Aktie erst vor wenigen Tagen ein Rekordhoch über 240 Euro erreicht hatte.
Die Erklärung liegt in unterschiedlichen Geschäftsmodellen. Die Chemieindustrie, die seit Jahren unter hohen Energiekosten und dem weltweit schärfsten CO2-Gebührenregime leidet, würde von einer Verlängerung kostenloser Zertifikate massiv profitieren. Evonik-Chef Christian Kullmann hatte im Herbst gewarnt: „Wir haben das weltweit schärfste CO2-Gebührenregime, aber das Klima kennt keine Grenzen." Eine Reform sei dringend nötig, um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Heidelberg Materials dagegen galt als Vorreiter bei emissionsfreier Zementproduktion – und wollte sich diesen Vorsprung teuer bezahlen lassen. Analysten wie Elodie Rall von JPMorgan beruhigten zwar, die Meldungen würden wohl erst den Rechtsrahmen nach 2030 prägen und kurzfristig keine wesentlichen Auswirkungen haben. Doch die Börse denkt voraus.
Für Anleger zeigt sich hier ein Grundmuster: Klimapolitik ist kein einheitlicher Treiber mehr, sondern ein Faktor, der Branchen und Geschäftsmodelle unterschiedlich trifft. Wer auf Unternehmen setzt, die auf teure Dekarbonisierung gesetzt haben, könnte bei einer Abschwächung der Regeln enttäuscht werden. Wer dagegen auf die unter Druck stehende Chemie gesetzt hat, könnte von politischer Entlastung profitieren. Die Botschaft: In der Klimawende gibt es keine einfachen Gewinner-Aktien mehr – nur noch komplexe Wetten auf regulatorische Entwicklungen.
Weitere Schlaglichter: Software unter Druck, Gold erholt sich, UBS überrascht
Während KI-Chips boomen, gerät die Softwarebranche zunehmend unter Druck. Eine neue Analyse-Software des KI-Unternehmens Anthropic für den Rechtsbereich löste gestern an der Wall Street einen Ausverkauf aus: Aktien von Datenanbietern wie Thomson Reuters und London Stock Exchange Group stürzten zweistellig ab, SAP verlor zeitweise über 3 Prozent. JPMorgan-Analyst Toby Ogg sprach von einer „vorverurteilten" Branche, bei der die Hauptsorge laute: Wird KI zum nachhaltigen Wachstumstreiber oder langfristig zum Gegenwind? SAP bleibe zwar „das beste Haus in einer schlechten Gegend", doch selbst Ergebnisüberraschungen reichten nicht mehr aus, um Vertrauen zu schaffen.
Am Edelmetallmarkt dagegen kehrte nach dem dramatischen Crash der Vortage etwas Ruhe ein. Gold stieg um über 3 Prozent auf rund 5.080 Dollar je Feinunze, Silber legte sogar um mehr als 5 Prozent zu. Die Erholung wurde durch geopolitische Spannungen zwischen den USA und dem Iran gestützt – die US-Streitkräfte hatten eine iranische Drohne abgeschossen. Doch die Volatilität bleibt hoch, und Experten warnen vor weiteren Turbulenzen.
Die Schweizer Großbank UBS überraschte mit einem Quartalsgewinn von 1,2 Milliarden Dollar – 56 Prozent mehr als im Vorjahr und deutlich über den Erwartungen. Für 2026 plant die Bank Aktienrückkäufe im Volumen von zunächst 3 Milliarden Dollar und hebt die Dividende um 22 Prozent auf 1,10 Dollar an. Doch die Aktie reagierte verhalten mit einem Minus von rund 1,4 Prozent. Offenbar hatten Anleger auf ein noch aggressiveres Rückkaufprogramm gehofft – vor der Credit-Suisse-Übernahme hatte UBS 2022 Aktien für 5,6 Milliarden Dollar zurückgekauft.
Was jetzt zählt: Selektivität statt breiter Wetten
Die heutigen Marktbewegungen zeigen ein klares Muster: Pauschale Branchen-Wetten funktionieren nicht mehr. Wer auf „Tech" setzt, muss zwischen KI-Infrastruktur (Infineon profitiert) und Software (unter Druck) unterscheiden. Wer auf „Pharma" setzt, muss zwischen Wachstumsstorys (Novo kämpft) und soliden Cashflow-Generatoren differenzieren. Und wer auf „Nachhaltigkeit" setzt, muss verstehen, dass politische Regeln die Gewinner von gestern zu den Verlierern von morgen machen können.
In den kommenden Tagen stehen wichtige Termine an: Am Donnerstag berichten die Europäische Zentralbank und die Bank of England über ihre Zinsentscheidungen, am Freitag sollte eigentlich der US-Arbeitsmarktbericht erscheinen – der wurde wegen des kurzen Shutdowns jedoch abgesagt. Stattdessen rücken heute Nachmittag die ISM-Service-Daten und der ADP-Arbeitsmarktbericht in den Fokus. Und nach Börsenschluss in den USA wird Alphabet Zahlen vorlegen – nach dem Software-Ausverkauf ein wichtiger Stimmungstest für die Tech-Branche.
Bis dahin bleibt die Devise: Wer in diesem Markt erfolgreich sein will, braucht mehr als nur gute Nachrichten – er braucht das richtige Geschäftsmodell zur richtigen Zeit.
Beste Grüße und ein wachsames Auge auf die Märkte
Andreas Sommer








