Infineon gerät gleich von zwei Seiten in den Fokus: Zum einen verdichten sich Medienberichte über einen möglichen Zukauf bei AMS-Osram, zum anderen schiebt Branchenprimus TSMC die gesamte Halbleiterbranche mit starken Zahlen an. Im Markt stellt sich damit die Frage, ob der Titel vor einer neuen Kursphase steht oder bereits viel Optimismus im Preis steckt.

Möglicher Deal mit AMS-Osram

Kern der aktuellen Spekulationen sind fortgeschrittene Gespräche mit AMS-Osram. Laut „Finanz und Wirtschaft“ verhandelt Infineon über den Erwerb ausgewählter Unternehmensteile des österreichischen Sensorkonzerns. Im Raum steht ein Kaufpreis von rund 550 Millionen Euro.

Für AMS-Osram wäre ein solcher Schritt vor allem bilanziell relevant:
- Entlastung der Schuldenposition
- Fokussierung des Geschäftsportfolios

Für Infineon hätte der Zukauf strategischen Charakter. Die anvisierten Assets würden das bestehende Sensor- und Halbleiterportfolio ergänzen und die Position im Bereich spezialisierter Anwendungen stärken. Entscheidend wird sein, wie die Finanzierung konkret aussieht und welche Renditeerwartungen das Management kommuniziert. Auf klare Details dazu wartet der Markt noch.

Starker Sektorimpuls durch TSMC

Parallel profitiert Infineon von sehr robusten Vorgaben aus Asien. TSMC meldete am 15. Januar Rekordzahlen für das vierte Quartal 2025:

  • Nettogewinn: +35 % auf rund 16 Mrd. US-Dollar
  • Ausblick 2026: erwartetes Umsatzwachstum von ca. 30 %
  • Haupttreiber: anhaltend hohe Nachfrage nach KI-Chips

Diese Zahlen gelten als Stimmungsbarometer für die gesamte Halbleiterindustrie. TSMC ist zentraler Fertigungspartner zahlreicher großer Chipdesigner, insbesondere im KI-Segment. Der optimistische Ausblick signalisiert, dass die Investitionswelle in Rechenzentren und KI-Infrastruktur ungebrochen ist – ein Umfeld, in dem auch Infineon mit Leistungshalbleitern und Spezialchips profitiert.

Der positive Sektortrend spiegelt sich auch im Kursbild wider: Auf Sicht von 30 Tagen legte die Infineon-Aktie rund 18,8 % zu. Mit 41,60 Euro notiert der Titel nur gut 2 % unter dem 52-Wochen-Hoch von 42,53 Euro und damit klar über den zentralen gleitenden Durchschnitten; der Abstand zur 200-Tage-Linie liegt bei knapp 19 %.

Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Infineon?

Analysten werden optimistischer

Die Kombination aus strukturellem KI-Wachstum und möglicher Portfolioerweiterung hat auch die Analystenseite in Bewegung gebracht. Jefferies erhöhte am 13. Januar das Kursziel von 48 auf 52 Euro und bestätigte die Einstufung „Buy“. Begründung: zusätzliche Impulse durch Anwendungen rund um Künstliche Intelligenz und eine vorteilhafte Positionierung im Halbleiterzyklus.

Auch Zacks Research drehte am 15. Januar nach oben und stufte die Aktie von „Hold“ auf „Strong-Buy“ hoch. Damit erhält das positive institutionelle Sentiment weitere Unterstützung.

Im weiteren Kontext der Branchenentwicklung erscheint dieser Optimismus nachvollziehbar. Studien rechnen damit, dass die weltweiten Halbleiterumsätze im Jahr 2026 erstmals die Marke von 1 Billion US-Dollar überschreiten. Infineon zielt darauf ab, sich in margenstarken Nischen – etwa bei Leistungshalbleitern und Sensorik – ein überdurchschnittliches Stück dieses Wachstums zu sichern.

Bewertungsseitig ist das Bild jedoch nicht einseitig:
- Einige DCF-Modelle sehen einen fairen Wert knapp unter 55 Euro und damit Spielraum nach oben.
- Gleichzeitig liegt das KGV auf Basis der 2024er Zahlen über 50 – historisch kein Schnäppchenniveau.

Die hohe Bewertung setzt damit voraus, dass das Wachstumstempo bei Umsatz und Ertrag in den kommenden Jahren tatsächlich anzieht und die KI-getriebene Nachfrage nicht stärker abflacht als derzeit erwartet.

Strategie, Personalbasis und Charttechnik

Der mögliche Zukauf von AMS-Osram-Assets passt in die Linie des Managements, sich auf technologische Nischen zu konzentrieren, statt primär über Volumen zu wachsen. Ergänzt wird dies durch Initiativen auf der Personal- und Ausbildungsseite: Die Kooperation mit der indischen Institution NIELIT zielt darauf ab, frühzeitig Fachkräfte zu sichern und dem strukturellen Engpass bei Halbleiter-Spezialisten entgegenzuwirken. Beides unterstreicht den langfristigen Ansatz.

Charttechnisch nähert sich die Aktie einer wichtigen Zone. Der Kurs bewegt sich aktuell um 41,60 Euro und damit in Reichweite des Bereichs 41,60–42,00 Euro, der zuletzt als kurzfristige Hürde fungierte. Aus technischer Sicht gilt:

  • Wichtiger Widerstand: 43,80 Euro (Hoch von November 2021)
  • Relevante Unterstützung nach unten: Bereich um 40 Euro
  • RSI (14 Tage) bei 46,3 signalisiert ein neutrales Momentum ohne akute Überkauft-Signale

Ein Ausbruch über 43,80 Euro würde ein mittelfristig konstruktives Signal liefern und könnte den Weg in Richtung der von Jefferies genannten 50-Euro-Marke öffnen. Ein Rückfall unter 40 Euro hingegen würde die aktuelle Aufwärtsdynamik klar bremsen.

Fazit: Viel Rückenwind, hohe Erwartungen

Infineon profitiert derzeit von einem günstigen Branchenumfeld, starker KI-Nachfrage und einem möglichen M&A-Schritt, der das Produktportfolio sinnvoll erweitern könnte. Gleichzeitig spiegelt die Bewertung bereits einen erheblichen Teil dieser Chancen wider. Kurzfristig dürften zwei Faktoren den Takt vorgeben: die mögliche offizielle Bestätigung und Ausgestaltung des AMS-Osram-Deals sowie die Frage, ob der Aktie der nachhaltige Sprung über den Widerstand bei 43,80 Euro gelingt.

Infineon-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Infineon-Analyse vom 16. Januar liefert die Antwort:

Die neusten Infineon-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Infineon-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 16. Januar erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Infineon: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...