Gemini Space Station stürzt auf Rekordtief nach Analysten-Abwertungen
Die Aktie des Krypto-Unternehmens Gemini Space Station hat ein neues Allzeittief erreicht. Grund sind massive Analystenabwertungen und eine Welle von Sammelklagen.
New York – Der Absturz ist dramatisch: Die Aktie von Gemini Space Station (NASDAQ: GEMI) fiel am Freitag auf ein Rekordtief von 4,38 US-Dollar. Das bedeutet einen Verlust von über 23 Prozent innerhalb einer Woche. Seit Jahresbeginn hat der Wert sogar 54 Prozent eingebüßt. Dieser rasante Fall spiegelt die tiefe Verunsicherung der Anleger wider. Auslöser sind drastisch gesenkte Analystenziele und eine Flut neuer Klagen.
Analysten ziehen die Notbremse
Die Finanzwelt korrigiert ihre Erwartungen massiv nach unten. Die Investmentbank Goldman Sachs senkte ihr Kursziel am Donnerstag von 7,50 auf 6,50 US-Dollar. Zuvor hatte bereits die Analysefirma Rosenblatt ihre Prognose von 11,50 auf 9,00 Dollar gekürzt. Beide Häuser begründen ihre Entscheidung mit schlechteren Gewinnaussichten und mangelnder Planungssicherheit. Die Botschaft ist klar: Selbst frühere Optimisten sehen den Weg zur Profitabilität des Unternehmens in weiter Ferne.
Verluste trotz Umsatzerfolg
Die jüngsten Zahlen unterstreichen die Probleme. Im vierten Quartal 2025 erzielte Gemini Space Station zwar einen Umsatz von 60,3 Millionen US-Dollar und übertraf damit die Erwartungen. Der Verlust je Aktie lag mit -1,22 Dollar jedoch deutlich über dem befürchteten Wert von -1,06 Dollar. Für das Gesamtjahr 2025 summierte sich der Nettoverlust auf 583 Millionen US-Dollar.
Die Gründe sind vielfältig. Das Kerngeschäft mit Kryptotransaktionen leidet unter den schwachen Kursen der Digitalwährungen. Die Transaktionserlöse brachen im Jahresvergleich um 17 Prozent ein. Gleichzeitig explodierten die Betriebsausgaben von 308 auf 525 Millionen Dollar. Einziger Lichtblick: Das Dienstleistungsgeschäft, etwa mit Kreditkarten, wächst.
Klagewelle rollt an
Die größte unmittelbare Gefahr geht nun von den Gerichten aus. Mehrere renommierte Kanzleien für Aktionärsrecht haben in den letzten Tagen Sammelklagen angekündigt oder bekräftigt. Die Vorwürfe wiegen schwer: Das Unternehmen und seine Führungskräfte sollen in den IPO-Dokumenten vom September 2025 falsche oder irreführende Angaben gemacht haben.
Konkret bezweifeln die Kläger die Aussichten des Krypto-Plattformgeschäfts, die Pläne zur Internationalisierung und die Risiken einer teuren Restrukturierung. Frist für die Bündelung der Klagen ist der 18. Mai 2026. Diese rechtlichen Auseinandersetzungen bedeuten hohe Kosten und binden wertvolle Managementkapazität.
Restrukturierung als Brandbeschleuniger
Die aktuellen Probleme haben eine Vorgeschichte. Bereits im Februar 2026 kündigte das Unternehmen einen radikalen Strategiewechsel namens "Gemini 2.0" an. Der Plan sieht einen Fokus auf den Heimatmarkt USA, den Ausstieg aus Europa und Großbritannien sowie den Abbau von 25 Prozent der Arbeitsplätze vor. Kurz darauf verließen der Finanzvorstand, der Betriebsleiter und der Justiziar das Unternehmen.
Genau diese einschneidenden Maßnahmen werden nun in den Klageschriften als Beleg dafür gewertet, dass die früheren Optimismus-Bekundungen nicht der Realität entsprachen. Die Restrukturierung, eigentlich als Rettungsanker gedacht, wirkt derzeit wie ein Brandbeschleuniger für den Vertrauensverlust.








