Liebe Leserinnen und Leser,

wie bepreist man das Unvorstellbare? Diese Frage beschäftigt an diesem Sonntagmittag die Risikomanager in den Bankentürmen von Frankfurt bis New York. Während die Börsen geschlossen blieben, hat die Weltgeschichte im Nahen Osten eine dramatische Abzweigung genommen. Die Tötung von Irans Oberstem Führer Ajatollah Ali Chamenei durch israelische und US-amerikanische Luftschläge hat eine Kettenreaktion ausgelöst, deren wirtschaftliche Schockwellen uns am morgigen Montagmorgen mit voller Wucht treffen werden.

Die Geopolitik ist brutal auf das Parkett zurückgekehrt – und offenbart inmitten des Chaos bemerkenswerte Paradoxien: von einer bizarren KI-Posse im Pentagon bis hin zu verdächtigen Millionenwetten im Krypto-Sektor.

Der Flaschenhals der Weltwirtschaft verengt sich

Die unmittelbare wirtschaftliche Gefahr dieses Konflikts lässt sich auf einen weniger als 50 Kilometer breiten Meeresstreifen reduzieren: die Straße von Hormus. Hier fließt ein Fünftel des weltweiten Öls. Seit gestern Abend wissen wir, dass diese Lebensader massiv bedroht ist. Der Öltanker „Skylight" wurde vor der Küste Omans angegriffen, vier Menschen wurden verletzt.

Die Konsequenzen folgten auf dem Fuß. Hapag-Lloyd hat umgehend alle Fahrten durch die Meerenge gestoppt. Der Verband Deutscher Reeder berief Krisensitzungen ein und warnt vor erheblichen Einschränkungen für deutsche Schiffe und Besatzungen. Am Freitag sprang Brent-Rohöl bereits um 2,87 Prozent auf 72,87 US-Dollar pro Barrel. ADAC und britische Automobilclubs warnen vor einem Preisschock an den Zapfsäulen innerhalb der nächsten zehn bis zwölf Tage.

Für die Notenbanken, die gerade erst den Sieg über die Inflation feiern wollten, ist dies ein Albtraum-Szenario. Höhere Energiepreise könnten geplante Zinssenkungen auf unbestimmte Zeit verzögern. In stark importabhängigen Ländern wie Indien bereiten sich die Börsen bereits auf einen tiefroten Wochenstart vor.

Der Himmel über Dubai bleibt stumm

Parallel zum Seehandel kollabiert der Luftverkehr zwischen West und Ost. Nach iranischen Vergeltungsschlägen, bei denen in Dubai Trümmerteile von Abfangraketen niedergingen und Menschen verletzten, wurde der Flugbetrieb am Dubai International Airport bis auf Weiteres eingestellt.

Auch der Luftraum über Israel, Katar, dem Iran, Irak und Bahrain ist dicht. Emirates, Qatar Airways und Etihad haben ihren Betrieb massiv eingeschränkt, Tausende Passagiere stranden. Aus deutscher Sicht besonders spürbar: Eurowings und Emirates haben alle Flüge von Düsseldorf nach Dubai gestrichen. Die Verengung der Flugkorridore wird in den kommenden Tagen nicht nur Urlauber, sondern auch die empfindliche Luftfracht-Logistik schwer belasten.

Die absurde KI-Doppelmoral des Pentagons

Während die physische Welt brennt, liefert die Tech-Branche eine Geschichte, die man sich kaum ausdenken könnte. Am Freitag ordnete Präsident Trump an, dass Bundesbehörden die KI-Tools von Anthropic nicht mehr nutzen dürfen. Die Firma wurde offiziell als „Sicherheitsrisiko" eingestuft, da sich CEO Dario Amodei weigerte, seine Modelle für autonome Waffensysteme freizugeben.

Doch die Realität auf dem Schlachtfeld sah wenige Stunden später völlig anders aus: Laut Wall Street Journal nutzten die US-Streitkräfte bei genau jenen Luftangriffen auf den Iran weiterhin Anthropics KI-Modell „Claude" für Zielidentifikation und Szenariosimulationen. Ein beispielloser Vorgang, der die Abhängigkeit des modernen Militärs von zivilen KI-Modellen schonungslos offenlegt.

Der große Profiteur dieses Ränkespiels? OpenAI. Das Unternehmen von Sam Altman sicherte sich am selben Tag einen Vertrag mit dem Verteidigungsministerium über bis zu 200 Millionen US-Dollar. Dass der KI-Boom von geopolitischen Krisen völlig unbeeindruckt bleibt, bewies am Freitag auch Dell: Die Aktie schoss um 22 Prozent auf 148,08 US-Dollar – der größte Tagesgewinn seit zwei Jahren. Der Grund: Dell prognostiziert für das laufende Geschäftsjahr 50 Milliarden US-Dollar Umsatz allein mit KI-Servern. Die Infrastruktur der künstlichen Intelligenz wird gebaut, koste es, was es wolle.

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Während Dell von der KI-Infrastruktur profitiert, stellt sich die Frage: Welche Chip-Hersteller stehen hinter diesem Boom? In einem aktuellen Webinar wird analysiert, welche vier Halbleiter-Aktien vom globalen Chip-Rennen besonders profitieren könnten – von KI-Servern bis zu autonomen Waffensystemen. Sie erfahren, warum Mikrochips zum „neuen Öl" der digitalen Wirtschaft werden und welche Unternehmen die Infrastruktur für KI, E-Autos und Datenzentren liefern. Kostenlose Chip-Aktien-Analyse ansehen

Krypto-Turbulenzen und der Verdacht des Insiderhandels

Auch an den Kryptomärkten hinterließ das Wochenende tiefe Spuren. Bitcoin reagierte hochgradig volatil: Nach den ersten US-Luftangriffen fiel die Leitwährung auf rund 63.000 US-Dollar, nur um nach der Bestätigung von Chameneis Tod wieder auf 68.000 US-Dollar hochzuschnellen.

Doch die kurzfristigen Ausschläge überdecken ein strukturelles Problem: Bitcoin verzeichnet den fünften monatlichen Rückgang in Folge – die längste Verlustserie seit dem Krypto-Winter 2018. Allein im Februar verlor der Coin 20 Prozent an Wert, während aus den Krypto-ETFs in nur fünf Wochen 3,8 Milliarden US-Dollar abflossen. Wer in den vergangenen Tagen auf Stabilisierung hoffte, wurde bitter enttäuscht.

Einen faden Beigeschmack hinterlassen derweil die Vorgänge auf der Prognose-Plattform Polymarket. Dort wurden im Vorfeld der Angriffe 529 Millionen US-Dollar auf den genauen Zeitpunkt der Luftschläge gewettet. Blockchain-Analysten untersuchen nun höchst ungewöhnliche Wettmuster, die stark auf Insiderhandel aus militärischen oder geheimdienstlichen Kreisen hindeuten.

Die Quintessenz: Mungers Mahnung für den Montagmorgen

In Momenten extremer Marktunsicherheit, wenn Kriege ausbrechen, Ölpreise springen und Algorithmen verrücktspielen, lohnt sich ein Blick auf die zeitlosen Prinzipien von Charlie Munger. Eine an diesem Wochenende veröffentlichte Analyse erinnert an seine wichtigste Regel: „Intelligenz ohne Disziplin führt zu finanziellen Fehlern."

Mungers Rat für Tage wie den morgigen Montag: Bauen Sie eine Sicherheitsmarge ein, handeln Sie weniger, als Ihr Instinkt Ihnen diktiert, und agieren Sie nur in Ihrem Kompetenzkreis. Wenn morgen früh die europäischen Börsen öffnen und die Algorithmen die geopolitische Risikoprämie neu berechnen, wird genau diese Disziplin den Unterschied zwischen Panik und Strategie ausmachen.

Ich wünsche Ihnen einen besonnenen Rest des Wochenendes.

Herzlichst, Ihr

Eduard Altmann