Nach schweren Stürzen und dem tragischen Tod des italienischen Skifahrers Matteo Franzoso greift der Ski-Weltverband durch. Ab der Saison 2025/26 gelten drastische neue Sicherheitsregeln im alpinen Rennsport.

Airbags werden Pflicht - trotz Athleten-Widerstand

Der Internationale Ski- und Snowboard-Verband (FIS) macht Ernst: In den Speed-Disziplinen Abfahrt und Super-G wird die Airbag-Nutzung im Weltcup und Europacup verpflichtend. Bisher konnten sich Athleten relativ einfach von der Regel befreien lassen - damit ist jetzt Schluss.

Viele Top-Fahrer sträuben sich gegen die Westen. Sie kritisieren die Passform und fürchten aerodynamische Nachteile. Doch die FIS bleibt hart.

Schnittfeste Unterwäsche nach Kilde-Drama

Die zweite große Neuerung: Alle Fahrer müssen künftig schnittfeste Unterwäsche tragen. Diese Regel gilt für sämtliche Weltcup- und Kontinentalcup-Rennen.

Der Grund ist dramatisch: Aleksander Aamodt Kilde erlitt in Wengen eine tiefe Schnittwunde an der Wade durch eine scharfe Skikante. Seine Partnerin Mikaela Shiffrin stürzte in Cortina d'Ampezzo schwer - blieb aber glimpflicher davon.

Die neuen Schutzmaßnahmen im Überblick:
* Airbag-Pflicht in Speed-Disziplinen ab Saison 2025/26
* Schnittfeste Unterwäsche für alle Weltcup-Rennen
* Verbot harter Schienbeinprotektoren

Franzoso-Tod verstärkt Druck auf FIS

Überschattet werden die Regeländerungen von einer Tragödie: Der italienische Speed-Spezialist Matteo Franzoso starb im September nach einem Trainingssturz in Chile. Der 25-Jährige war ein aufstrebender Talent im italienischen Ski-Team.

"Das Streben nach Leistung darf niemals die Sicherheit in den Hintergrund drängen", reagierte die FIS auf den Vorfall. Der Verband kündigte an, die Risiken gemeinsam mit allen Beteiligten neu zu bewerten.

Experten warnen vor "Aktionismus"

Nicht alle sind von den neuen Regeln überzeugt. DSV-Experte Karlheinz Waibel kritisiert: Die FIS konzentriere sich auf "Aktionismus", statt die wahren Probleme anzugehen - extreme Kurssetzungen und den überfüllten Rennkalender.

Schon bei der Umsetzung zeigen sich Probleme: Lieferengpässe bei der schnittfesten Unterwäsche führten zu Verzögerungen. Das offenbart die logistischen Herausforderungen globaler Materialvorschriften.

Was kommt als nächstes?

Die Ski-Community wartet gespannt auf weitere Reformen. Im Gespräch sind:
* Anpassungen bei der Pistenpräparation
* Neue Standards für Sprungkonstruktionen
* Entzerrung des Rennkalenders

Nach dem Tod von Franzoso steht fest: Die Sicherheitsdebatte ist längst nicht beendet. Die FIS muss beweisen, dass sie bereit ist, über reine Ausrüstungsregeln hinaus strukturelle Veränderungen anzugehen.