Ethereum: Fundament wird stärker
Ethereum startet ins Jahr 2026 mit einer auffälligen Diskrepanz: Der Kurs tritt eher auf der Stelle, während die Aktivität im Netzwerk Rekordwerte erreicht und institutionelle Anleger ihre Positionen ausbauen. Die zentrale Frage lautet dabei: Wie stark ist das Fundament wirklich, auf dem der aktuelle Preis von rund 2.978 US‑Dollar steht?
Verhaltener Kurs, solides Niveau
Nach dem Rückgang von den Höchstständen über 4.500 US‑Dollar im Herbst 2025 hat sich Ethereum zuletzt deutlich tiefer eingependelt. Mit einem aktuellen Kurs von 2.978,35 US‑Dollar liegt ETH rund 36 % unter dem 52‑Wochen-Hoch, aber gut 7 % über dem Tief der vergangenen zwölf Monate – von einem Crash kann also keine Rede sein, eher von einer Konsolidierung nach einer starken Rally.
Der Relative-Stärke-Index (RSI) von 42 signalisiert kein extremes Sentiment, sondern ein eher neutrales Bild. Kurzfristig notiert ETH leicht unter dem 50‑Tage-Durchschnitt, was technisch auf eine abwartende Marktphase hindeutet. Im Mittelpunkt stehen damit weniger kurzfristige Spekulationen als die Frage, wie sich Nutzung, Kapitalzuflüsse und Protokollentwicklung weiterentwickeln.
Netzwerkaktivität auf Rekordniveau
Auf der On-Chain-Seite präsentiert sich ein deutlich anderes Bild als im Kursverlauf. In den letzten Dezembertagen 2025 stieg die Zahl der täglichen Transaktionen auf über 2,1 Millionen – der höchste Stand seit 2023 und zugleich ein Rekordwert der vergangenen Dekade. Diese Belebung setzte ein, obwohl der Preis zuvor deutlich von über 4.500 auf knapp 2.900 US‑Dollar zurückgegangen war.
Bemerkenswert ist damit die klare Divergenz: Während der Kurs sich abkühlte, wurde das Netzwerk intensiver genutzt. Marktbeobachter sehen darin ein Zeichen, dass Ethereum als Infrastruktur weiter gefragt bleibt, selbst wenn Anleger kurzfristig vorsichtiger agieren. Ein Teil der hohen Aktivität dürfte damit zusammenhängen, dass Halter ihre Positionen und Strategien zum Jahreswechsel neu ausrichten.
Smart Contracts: Historische Höchststände
Besonders deutlich wird das Wachstum beim Blick auf Smart Contracts. Im vierten Quartal 2025 wurden mehr als 8,7 Millionen neue Verträge auf Ethereum ausgerollt – der höchste Quartalswert aller Zeiten. Getrieben wurde diese Welle vor allem durch:
- Projekte zur Tokenisierung realer Vermögenswerte (Real World Assets, RWA)
- den Ausbau von Stablecoin-Infrastruktur
- die Weiterentwicklung zentraler DeFi-Protokolle
- das Wachstum der Layer‑2‑Ökosysteme auf Ethereum-Basis
Die Zahlen deuten darauf hin, dass Entwickler und Projekte Ethereum weiterhin als zentrale Plattform für Finanzanwendungen und tokenisierte Vermögenswerte nutzen und ausbauen.
Institutionen erhöhen den Einsatz
Parallel zur On‑Chain-Dynamik nimmt auch das institutionelle Engagement deutlich zu. Besonders hervor sticht BitMine Immersion Technologies unter Führung von Tom Lee. Das Unternehmen meldet Vermögenswerte von 13,2 Milliarden US‑Dollar, die maßgeblich auf einer Position von 4,11 Millionen ETH beruhen – mehr als 3 % des gesamten Ether-Angebots.
Schon jetzt sind 408.627 ETH im Wert von rund 1,2 Milliarden US‑Dollar von BitMine gestakt. Das Unternehmen bereitet den Start seines „Made in America Validator Network“ (MAVAN) für Anfang 2026 vor. Auf Basis eines Benchmark-Staking-Satzes von 2,81 % kalkuliert BitMine mit jährlichen Staking-Erlösen von über 370 Millionen US‑Dollar, sobald das Netzwerk voll ausgerollt ist.
ETF-Zuflüsse und große Adressen
Auch über regulierte Vehikel fließt Kapital in Ethereum. Laut Coinglass verwalten ETH-ETFs inzwischen mehr als 17 Milliarden US‑Dollar. Dazu kommen direkte Engagements großer Finanzadressen:
- JPMorgan Chase hat im Dezember 2025 seinen tokenisierten Geldmarktfonds MONY auf Ethereum gestartet.
- Trend Research kaufte am 29. Dezember ETH im Wert von 63,28 Millionen US‑Dollar und summierte seine Käufe seit November damit auf rund 1,8 Milliarden US‑Dollar.
- ARK Invest, Pantera Capital, Galaxy Digital und Digital Currency Group halten ebenfalls umfangreiche Bestände.
Dieses Bild stützt die Wahrnehmung, dass Ethereum zunehmend als Infrastruktur-Asset für Finanzmärkte und nicht nur als spekulativer Coin gesehen wird.
Staking-Welle und Validatoren-Wachstum
Ein weiterer Indikator für langfristiges Vertrauen ist die Staking-Nachfrage. Am letzten Dezembertag 2025 standen rund 890.000 ETH in der Warteschlange für den Eintritt ins Validatoren-Set – einer der höchsten Werte in der Geschichte des Netzwerks.
Der Anstieg ist teilweise auf institutionelle Akteure wie BitMine zurückzuführen, deutet aber insgesamt auf ein starkes Interesse an laufenden Staking-Erträgen und einer aktiven Teilnahme an der Sicherung des Netzwerks hin. Gleichzeitig fiel diese Staking-Welle in eine Phase außergewöhnlich hoher Transaktions- und Transferaktivität, was auf koordinierte Neupositionierungen größerer Halter zum Jahreswechsel schließen lässt.
Protokoll-Entwicklung: Fusaka, Glamsterdam, Hegota
2025 war auch technisch ein intensives Jahr für Ethereum. Am 3. Dezember ging das Fusaka-Upgrade live. Es führte PeerDAS (Peer Data Availability Sampling) und Optimierungen bei den sogenannten „Blobs“ ein, also Datenstrukturen für Layer‑2-Transaktionen. Ziel ist es, den Datendurchsatz der Layer‑2‑Lösungen zu erhöhen und damit die Skalierung des gesamten Ökosystems voranzutreiben.
Fahrplan für 2026
Für 2026 liegt bereits ein ambitionierter Upgrade-Plan auf dem Tisch:
- Glamsterdam ist für die erste Jahreshälfte geplant und soll unter anderem enshrined Proposer-Builder Separation (ePBS) und Block-Level Access Lists bringen. Das zielt auf effizientere Blockproduktion und mehr Stabilität im MEV-Handling.
- Hegota ist für Ende 2026 vorgesehen, die Vorschlagsfenster für Änderungen öffnen zwischen dem 8. Januar und dem 4. Februar 2026.
Die Ethereum Foundation setzt damit auf einen festen Rhythmus von zwei Hard Forks pro Jahr. Für Entwickler und institutionelle Nutzer erhöht das die Planbarkeit von Verbesserungen und Anpassungen.
DeFi, Stablecoins und DEX-Volumen
Die wirtschaftliche Aktivität auf der Chain hat inzwischen eine beeindruckende Größe erreicht. Rund 330 Milliarden US‑Dollar an On‑Chain-Ökonomie stehen einer Marktkapitalisierung in ähnlicher Größenordnung gegenüber – ein Verhältnis von etwa 1,06. Das deutet darauf hin, dass der Markt die aktuelle Nutzung weitgehend einpreist, ohne überbordende Wachstumserwartungen zu unterstellen.
Stablecoins als Rückgrat
Über 180 Milliarden US‑Dollar an tokenisierten Vermögenswerten, vor allem Stablecoins, liegen inzwischen auf Ethereum. Damit beherbergt die Chain mehr als drei Viertel aller verteilten Token-Vermögenswerte über sämtliche Blockchains hinweg. Insgesamt hat der Stablecoin-Markt die Marke von 300 Milliarden US‑Dollar an Umlaufvolumen überschritten, wobei Ethereum als zentrale Abwicklungsschicht fungiert.
DEX gewinnen Marktanteile
Auch im Handel verschiebt sich das Gewicht. Dezentralisierte Börsen (DEX) auf Ethereum und den dazugehörigen Layer‑2‑Netzwerken kamen im November 2025 auf über 21 % des gesamten Kryptohandelsvolumens – so viel wie nie zuvor. Analysten halten es für gut möglich, dass DEX-Volumen bis Ende 2026 auf etwa die Hälfte des Volumens zentraler Börsen anwachsen könnte. Für Ethereum als Basisnetz wäre das ein weiterer struktureller Rückenwind.
Regulierung: Langsam mehr Klarheit
Auf der regulatorischen Seite zeichnet sich zumindest in den USA ein vorsichtig positiver Trend ab. Das Repräsentantenhaus verabschiedete im Sommer 2025 den „Clarity Act“, der einen Rahmen für die Aufsicht digitaler Assets setzt. Der Bankenausschuss des US-Senats arbeitet derzeit daran, konkurrierende Krypto-Gesetzesinitiativen zusammenzuführen, mit Fortschritten, die 2026 erwartet werden.
Mehr regulatorische Klarheit könnte zusätzliche institutionelle Kapitalflüsse erleichtern und rechtliche Hürden für DeFi-Protokolle auf Ethereum senken. Für Projekte, die sich bisher aus Compliance-Gründen zurückgehalten haben, eröffnet das potenziell neue Spielräume.
Fazit: Starke Basis, Kurs im Wartemodus
Unter dem Strich startet Ethereum mit einer interessanten Konstellation ins neue Jahr: Der Kurs bewegt sich nach der Korrektur in einer Spannbreite deutlich unter den früheren Hochs, während Netzwerkaktivität, Smart-Contract-Einsatz, Staking-Beteiligung und institutionelle Allokationen auf Rekord- oder Höchstständen liegen.
Mit der Kombination aus klaren Protokoll-Upgrades (Fusaka, Glamsterdam, Hegota), wachsender Rolle als Settlement-Layer für Stablecoins und DeFi sowie zunehmender regulatorischer Strukturierung wirkt Ethereum 2026 weniger wie ein reiner Spekulationswert und mehr wie eine zentrale Infrastrukturebene für tokenisierte Finanzmärkte. Ob und wann sich diese Fundamentaldaten vollständig im Kurs widerspiegeln, bleibt offen – die Weichen für ein strukturell bedeutendes Jahr sind allerdings gestellt.
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