eternal.ag sichert 8 Millionen Euro für autonome Ernte-Roboter
Ein Kölner Agritech-Startup hat eine Finanzierungsrunde über 8 Millionen Euro abgeschlossen. Das Geld soll den Einsatz autonomer Ernte-Roboter in Gewächshäusern in ganz Europa beschleunigen – eine Antwort auf den akuten Arbeitskräftemangel in der Landwirtschaft.
Die Investition vom 19. März 2026 unterstreicht das wachsende Vertrauen in KI-gesteuerte Automatisierung als Lösung für ein strukturelles Problem. Ein Konsortium aus Simon Capital, Oyster Bay Venture Capital, EquityPitcher Ventures und Backbone Ventures beteiligte sich an der Runde. Das Kapital fließt in die kommerzielle Expansion, die Produktentwicklung und die Erweiterung der Roboter-Fähigkeiten auf weitere Kulturen.
Während Startups wie eternal.ag die KI-Automatisierung vorantreiben, müssen Unternehmen die rechtlichen Rahmenbedingungen im Blick behalten. Dieser kostenlose Leitfaden erklärt kompakt die Anforderungen der EU-KI-Verordnung für Entwickler und Anwender. EU-KI-Verordnung kompakt: Jetzt Gratis-Leitfaden sichern
Die Krise in den Gewächshäusern
Die europäische Landwirtschaft, insbesondere der geschützte Anbau in Gewächshäusern, kämpft mit einem massiven Personalmangel. Seit 2010 schrumpfte die Belegschaft in diesem Sektor Schätzungen zufolge um bis zu 30 Prozent. Dieser Trend wird sich voraussichtlich fortsetzen und bedroht die zuverlässige Versorgung mit frischem Gemüse.
Gewächshäuser sind für die ganzjährige Lebensmittelproduktion unverzichtbar. Sie bieten Widerstandsfähigkeit gegen Wetterextreme, Klimawandel und knappe Ackerflächen. Die Automatisierung wird daher immer dringlicher. Genau hier setzt eternal.ag an: Das Unternehmen entwickelt vollautonome Roboter für körperlich anstrengende und repetitive Aufgaben. Das langfristige Ziel sind vollautomatisierte Gewächshausbetriebe bis 2040.
„Harvester“: KI im Dauereinsatz
Das Flaggschiff des Startups ist der „Harvester“, ein hoch spezialisierter Roboter für Tomatengewächshäuser. Das KI-gesteuerte System kann bis zu 22 Stunden am Tag arbeiten und sorgt so für gleichbleibende Erntequalität und Präzision. Die modulare Plattform ist darauf ausgelegt, künftig um weitere Funktionen erweitert zu werden.
Der Einsatz von KI-Systemen bietet enorme Chancen, bringt aber auch neue Dokumentationspflichten für Unternehmen mit sich. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Experten-Bericht, wie Sie Ihr System richtig klassifizieren und rechtssicher einsetzen. Gratis-Report: KI-Systeme richtig klassifizieren und dokumentieren
Ein entscheidender technischer Unterschied ist der simulationsbasierte Entwicklungsansatz. Die Roboter werden zunächst in virtuellen Gewächshausumgebungen, etwa mit NVIDIA Isaac Sim, gebaut und getestet, bevor physische Hardware zum Einsatz kommt. Diese Methode soll Entwicklungszyklen von Monaten auf Tage verkürzen. Potenzielle Fehlerquellen werden kostengünstig in der Software simuliert, nicht in teuren Versuchen mit Stahl und Pflanzen. Jede Aktion der realen Roboter speist zudem Daten zurück ins System – für kontinuierliches Lernen.
Gründer mit Branchenerfahrung
Das Unternehmen wurde 2025 von Renji John und Sherry Kunjachan gegründet und beschäftigt heute 26 Mitarbeiter in Köln und Bengaluru (Indien). CEO Renji John bringt Erfahrung aus dem Sektor mit: Er war Mitgründer des niederländischen Startups Honest AgTech, das 2023 Insolvenz anmelden musste. Diese Erfahrung prägt den verfeinerten Entwicklungsansatz von eternal.ag.
Mit dem frischen Kapital will das Startup die Produktentwicklung vorantreiben und die kommerzielle Verbreitung in Schlüsselmärkten wie den Niederlanden und Deutschland beschleunigen. Neben Tomaten sind Module für weitere Kulturen wie Gurken geplant. Deren unterschiedliche Morphologie erfordert jedoch mehr als ein Software-Update – es braucht substantielles Re-Engineering.
Game-Changer für die Lebensmittelversorgung?
Die Finanzierungsrunde spiegelt einen breiteren Trend zur Automatisierung in der Landwirtschaft wider. Roboter und KI werden für Betriebe unverzichtbar, die bei knappem Personal planbar arbeiten und konstante Qualität liefern müssen. Der simulationsbasierte Ansatz könnte sich als Game-Changer erweisen. Viele vielversprechende Roboterlösungen scheiterten in der Vergangenheit am Sprung aus dem Laboratory in den kommerziellen Großbetrieb.
Die kommenden sechs bis zwölf Monate werden entscheidend sein. Dann liefern die ersten großflächigen Einsätze in Gewächshäusern Leistungsdaten, die die wahre Effizienz und Skalierbarkeit der Technologie beweisen müssen. Letztlich zielen die Bemühungen von eternal.ag auf ein übergeordnetes Ziel: eine dezentrale und resiliente Lebensmittelversorgung für künftige Generationen aufzubauen.








