Eli Lilly startet mit Gegenwind ins Jahr. Verzögerungen bei einem wichtigen Zulassungsverfahren, eine neue Kartellklage und gleichzeitig große Investitionen in KI und Zukäufe prägen das Bild. Wie ordnen sich diese Entwicklungen für den Pharmakonzern ein?

FDA verschiebt Entscheidung zu Orforglipron

Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat den Prüfzeitraum für das oral verabreichte Adipositas-Mittel Orforglipron verlängert. Der Zieltermin für die Entscheidung wurde von Ende März auf den 10. April 2026 verschoben.

Eli Lilly hatte für Orforglipron einen „Commissioner’s National Priority Voucher“ erhalten, der eigentlich eine beschleunigte Prüfung ermöglichen soll. CEO David Ricks bekräftigte auf der J.P. Morgan Healthcare Conference dennoch die Erwartung, dass die Entscheidung weiter im zweiten Quartal falle, und sprach von einem weiterhin „schnellen Prüfprozess“.

Die Verschiebung ist strategisch relevant, weil:

  • Konkurrent Novo Nordisk seine orale Wegovy-Pille bereits Anfang Januar auf den Markt gebracht hat
  • Goldman Sachs Eli Lillys Pille bis 2030 einen Marktanteil von 60 % im Segment der täglichen oralen GLP‑1‑Therapien zutraut
  • der Markt für orale Adipositas-Medikamente bis Ende des Jahrzehnts auf rund 22 Milliarden US‑Dollar wachsen könnte

Kartellklage erhöht den Druck

Zusätzliche Unsicherheit kommt von einer neuen Kartellklage. Die Compounding-Apotheke Strive Specialties hat am 14. Januar vor einem Bundesgericht in Texas Klage eingereicht. Der Vorwurf: Eli Lilly und Novo Nordisk hätten mit Telemedizin-Anbietern exklusive Vereinbarungen geschlossen, die diese daran hinderten, mit Compounding-Apotheken zusammenzuarbeiten.

Eli Lilly wies die Vorwürfe zurück und bezeichnete die Klage als „falsch, sowohl in den Tatsachen als auch im Recht, und als Versuch, von eigenem Verhalten abzulenken“.

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NVIDIA-Partnerschaft unterstreicht KI-Fokus

Auf der positiven Seite hat Eli Lilly auf derselben J.P. Morgan-Konferenz eine umfangreiche KI-Partnerschaft mit NVIDIA angekündigt. Über fünf Jahre wollen beide Unternehmen rund 1 Milliarde US‑Dollar in ein gemeinsames „AI Co‑Innovation Lab“ investieren.

Im Fokus stehen:

  • der Einsatz von NVIDIAs BioNeMo-Plattform
  • die Nutzung der nächsten Generation der Vera-Rubin-Architektur
  • Robotik und „Physical AI“ zur Wirkstoffentdeckung und Produktion

Die Kooperation baut auf dem bereits im Herbst angekündigten KI-Supercomputer von Eli Lilly auf, der als derzeit leistungsstärkstes System in der Pharmaindustrie beschrieben wird.

Zukäufe und Kooperationen im Adipositas-Bereich

Parallel treibt Eli Lilly seine Akquisitionen und F&E-Partnerschaften voran. Am 7. Januar kündigte das Unternehmen eine endgültige Vereinbarung zur Übernahme von Ventyx Biosciences an. Geboten werden 14,00 US‑Dollar je Aktie in bar, was einem Transaktionsvolumen von rund 1,2 Milliarden US‑Dollar entspricht. Gegenüber dem volumengewichteten 30‑Tage-Durchschnittskurs von Ventyx bedeutet dies eine Prämie von 62 %.

Zudem wurde eine Forschungskooperation mit Nimbus Therapeutics für neue orale Adipositas-Therapien vereinbart. Im Erfolgsfall könnten aus dieser Zusammenarbeit Meilensteinzahlungen von bis zu 1,3 Milliarden US‑Dollar resultieren.

Wichtige Eckdaten im Überblick

  • FDA-Entscheidung Orforglipron: verschoben auf den 10. April 2026
  • Ventyx-Übernahme: rund 1,2 Mrd. US‑Dollar, Abschluss im ersten Halbjahr 2026 erwartet
  • NVIDIA-Partnerschaft: 1 Mrd. US‑Dollar für KI‑Co‑Innovation über fünf Jahre
  • Q4‑2025-Zahlen: Veröffentlichung am 4. Februar 2026 geplant
  • Dividende: 1,73 US‑Dollar je Aktie für das erste Quartal 2026 beschlossen

Die Aktie kommt damit aus einer Position der Stärke: Die Marktkapitalisierung liegt derzeit bei rund 980 Milliarden US‑Dollar, das Kurs-Gewinn-Verhältnis bei etwa 53. Die Spanne der vergangenen zwölf Monate reicht von 623,78 bis 1.133,95 US‑Dollar und unterstreicht die hohe Schwankungsbreite im GLP‑1‑Segment.

Einordnung und Ausblick

In Summe treffen auf Eli Lilly aktuell mehrere gegenläufige Impulse: Ein leichter regulatorischer Rückschlag bei einem zentralen Zukunftsprodukt, eine zusätzliche rechtliche Baustelle, zugleich aber große strategische Schritte bei KI, Übernahmen und Kooperationen im Adipositas-Bereich. Für die weitere Marktreaktion dürften vor allem zwei Termine entscheidend sein: die Quartalszahlen Anfang Februar mit möglichen Aktualisierungen zum GLP‑1‑Geschäft sowie die FDA-Entscheidung zu Orforglipron im April.

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