Liebe Leserinnen und Leser,

gestern noch blickten wir erwartungsvoll auf den „Paukenschlag" aus den Niederlanden, heute präsentiert uns das Silicon Valley die Rechnung für die Party. Die Börse vollzieht innerhalb von 24 Stunden einen radikalen Stimmungswandel: Galt gestern bei ASML noch die Devise, dass der KI-Ausbau unaufhaltsam sei, fragen Anleger heute mit spitzem Bleistift: Zu welchem Preis?

Es ist ein Donnerstag der Ernüchterung. Während die US-Notenbank Fed, wie gestern Abend bestätigt, keine Eile hat, die Zinszügel zu lockern, erleben wir an den Märkten eine Neubewertung der Realität. Das Narrativ vom „Wachstum um jeden Preis" weicht einer harten Prüfung der Rentabilität.

Hier ist, was Sie heute wissen müssen.

Das Walldorfer Beben

Man muss in den Annalen des DAX weit zurückblättern – bis in den düsteren Oktober 2020 –, um einen vergleichbaren Ausverkauf bei Deutschlands wertvollstem Konzern zu finden. Die SAP-Aktie bricht heute um rund 11 Prozent ein und kämpft zeitweise mit der Marke von 168 Euro.

Das Paradoxe an diesem Kurssturz: Die Zahlen sind auf den ersten Blick exzellent. Der Nettogewinn hat sich auf 7,5 Milliarden Euro mehr als verdoppelt. Doch in der Welt der Algorithmen und Analysten zählt nicht das Erreichte, sondern die Fantasie. Und genau hier zeigten sich Risse: Das Wachstum des aktuellen Cloud-Vertragsbestands lag bei 25 Prozent. Das Ziel waren 26 Prozent.

Was für den Laien nach statistischem Rauschen klingt, ist für den Markt ein Warnsignal. Ein verfehles Wachstumsziel in der Kernsparte wiegt schwerer als ein verdoppelter Gewinn oder ein Aktienrückkaufprogramm über 10 Milliarden Euro. Die Konsequenz für den DAX ist brutal: Aufgrund der hohen Gewichtung der Walldorfer wird der gesamte Leitindex in Sippenhaft genommen und rutscht in Richtung 24.550 Punkte. Die gefährliche Abhängigkeit des deutschen Index von seinem einzigen echten Tech-Schwergewicht wird heute schmerzhaft offensichtlich.

Die teure Wette auf die Intelligenz

Die Nervosität in Walldorf ist jedoch nur ein Symptom einer größeren Debatte, die ihren Ursprung in den USA hat. Die Berichtssaison der Tech-Giganten offenbart eine neue, kostspielige Realität.

Microsoft lieferte zwar ein operatives Gewinnplus von 20 Prozent, doch eine andere Zahl dominiert die Schlagzeilen: 37,5 Milliarden US-Dollar. So viel investierte der Konzern allein im letzten Quartal – ein Anstieg der Investitionsausgaben (Capex) um satte 66 Prozent. Noch atemberaubender sind die Pläne von Meta: Der Mutterkonzern von Facebook will seine KI-Investitionen bis 2026 auf 115 bis 135 Milliarden US-Dollar verdoppeln.

Die Märkte stellen nun die Gretchenfrage der KI-Ära: Wann amortisieren sich diese gigantischen Summen? Die Geduld der Wall Street ist nicht unendlich. Dass selbst Vorzeige-Pioniere ins Straucheln geraten können, zeigt Tesla: Ein Umsatzrückgang von 3 Prozent für 2025 und ein Gewinneinbruch von 61 Prozent im vierten Quartal machen deutlich, dass die Gesetze der ökonomischen Schwerkraft auch für Elon Musk gelten.

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Während die Tech-Giganten Milliarden in KI investieren und der Markt auf Rentabilität wartet, zeigt Jörg Mahnert in seinem Webinar eine völlig andere Herangehensweise an volatilen Märkten. Der erfahrene Trader nutzt die Point-&-Figure-Methode, um aus kurzfristigen Kursbewegungen systematische Gewinne zu erzielen – unabhängig davon, ob die Märkte steigen oder fallen. In seinem „Absahnplan" demonstriert er, wie er mit Trades bei Renk (+68% in 62 Tagen), Aurubis (+26% in 58 Tagen) und Rheinmetall (+108% in 60 Tagen) konkrete Ergebnisse erzielt hat. Sie lernen, wie diese Methode klare Einstiegs- und Ausstiegssignale liefert und warum gerade das aktuelle Marktchaos ideale Handelsbedingungen schafft. Mahnert zeigt Ihnen, wie Sie mit nur ein bis zwei Trades pro Woche systematisch Kapital aufbauen können. Details zur Trading-Strategie von Jörg Mahnert

Deutsche Bank: Rekordzahlen im Blaulicht

In den Frankfurter Zwillingstürmen dürfte die Stimmungslage heute an Schizophrenie grenzen. CEO Christian Sewing hat eigentlich allen Grund zum Feiern: Mit einem Vorsteuerergebnis von 9,7 Milliarden Euro für 2025 präsentiert er das beste Resultat seit 2007. Die Dividende steigt auf einen Euro, die operative Sanierung scheint geglückt.

Doch die Geister der Vergangenheit lassen das Institut nicht los. Pünktlich zur Bilanzpressekonferenz wurde die Zentrale gestern Schauplatz einer Razzia. Ermittler durchsuchten Räume in Frankfurt und Berlin wegen des Verdachts auf Geldwäsche im Kontext von Transaktionen aus den Jahren 2013 bis 2018. Auch Verbindungen zu einem Konglomerat des Oligarchen Roman Abramowitsch stehen im Raum.

Für Sewing ist das Timing eine Katastrophe. Die operative Exzellenz wird von juristischen Altlasten überschattet, was die Aktie heute über 3 Prozent ins Minus drückt. Der Markt honoriert die Sanierung, fürchtet aber die unkalkulierbaren Rechtsrisiken.

Fed und Geopolitik: Keine Entwarnung

Wer auf Rückenwind von der Zinsfront gehofft hatte, wurde gestern Abend enttäuscht. Die US-Notenbank beließ den Leitzins erwartungsgemäß bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Die Botschaft von Jerome Powell war unmissverständlich: Die US-Wirtschaft ist zu robust für schnelle Lockerungen. Vor Juni oder Juli 2026 ist mit keiner Zinssenkung zu rechnen.

Verschärft wird die Gemengelage durch neue geopolitische Spannungen. Die explizite Warnung von US-Außenminister Marco Rubio an den Iran, die auch militärische Optionen nicht ausschließt, treibt Anleger zurück in die sicheren Häfen. Gold notiert jenseits der 5.500 US-Dollar, Silber bleibt teuer.

Das Fazit

Der heutige Tag ist eine Mahnung zur Differenzierung. Die Korrektur bei SAP und die Skepsis gegenüber den KI-Ausgaben zeigen, dass die Märkte beginnen, Bewertungen kritisch zu hinterfragen. Die Phase der blinden Euphorie weicht einer Phase der kühlen Rechnungen.

Zudem erhält der Industriestandort Deutschland einen weiteren Dämpfer: Während Toyota seinen Vorsprung ausbaute und 2025 weltweit 11,3 Millionen Fahrzeuge verkaufte, rutschte VW unter die psychologisch wichtige 9-Millionen-Marke. Der Abstand zur Weltspitze vergrößert sich.

Bleiben Sie wachsam. In diesem Umfeld ist Cash-Flow wichtiger als Visionen.

Herzlichst,

Ihr

Eduard Altmann