Liebe Leserinnen und Leser,

es gibt Zahlen, die eine fast magische Anziehungskraft besitzen – und zugleich wie eine monolithische Barriere wirken. Für den DAX ist dies die 25.000. Wer heute Morgen auf die Kurstafeln blickte, sah kurzzeitig Geschichte geschrieben: Der deutsche Leitindex markierte bei 24.916 Punkten ein neues Allzeithoch. Doch statt ungebremster Euphorie machte sich auf dem Parkett schnell jene seltsame Stille breit, die oft herrscht, wenn die Luft dünn wird.

Wir erleben eine paradoxe Marktphase. Während wir gestern noch die geopolitische Härte und den Rüstungsboom analysierten, dominiert heute die technische Psychologie. Die Anleger stehen vor der 25.000-Punkte-Marke wie Bergsteiger kurz vor dem Gipfelkreuz – fasziniert, aber zögerlich. Denn unter der Oberfläche des Rekordstands prallen zwei Welten aufeinander: Die visionäre Kraft der KI aus Las Vegas und die harte Realität der Absatzkrisen in Wolfsburg.

Hier ist, was Sie heute wissen müssen.

Höhenluft in Frankfurt: Selektion statt Breite

Der deutsche Leitindex pendelt heute Mittag um die 24.870 Punkte. Das sieht nach Stabilität aus, ist aber trügerisch. Technisch befinden wir uns im „Blue Sky Territory", also in charttechnischem Neuland ohne Widerstände nach oben. Fundamental jedoch wird die Marktbreite schmaler.

Es ist der Tag der Extreme:
* Die Gewinner: Infineon (+4 %) und Daimler Truck (+4-5 %) führen das Feld an. Der Halbleiterkonzern surft auf der Welle der CES-Neuigkeiten (dazu gleich mehr), während Rheinmetall (+1,7 %) beweist, dass der gestern besprochene Rüstungszyklus noch lange nicht ausgereizt ist.
* Die Verlierer: Ganz anders die Stimmung bei Adidas. Die Aktie stürzte um rund 7 % ab, nachdem die Bank of America den Daumen senkte – von „Buy" direkt auf „Underperform". Ein brutaler Reminder, wie empfindlich hoch bewertete Titel auf Analystenkommentare reagieren. Auch Brenntag (-2,8 %) muss nach einem Votum von Morgan Stanley Federn lassen.

Die Analyse: Der Markt will die 25.000, aber die Liquidität fließt hochgradig selektiv. Wir sehen keinen breiten Aufschwung, sondern einen gnadenlosen „Stock-Picker-Markt". Wer jetzt blind den Index kauft, kauft die Probleme der Nachzügler mit.

Nvidias CES-Feuerwerk: Vera Rubin und die Robotaxi-Wette

Während Frankfurt zögert, liefert Jensen Huang in der Wüste von Nevada die Argumente für die Bullen. Auf der CES in Las Vegas hat Nvidia nicht nur die neue KI-Chip-Generation „Vera Rubin" enthüllt, sondern auch eine strategische Bombe platzen lassen: Bereits 2026/2027 sollen Robotaxis auf die Straße kommen – in einer Partnerschaft mit Mercedes-Benz für den US-Markt.

Das ist der Treibstoff, der Titel wie Infineon heute beflügelt. Die Gleichung ist simpel: Wenn Nvidia das „Gehirn" für autonome Flotten liefert, benötigt die Peripherie Unmengen an spezialisierten Leistungshalbleitern und Sensoren. Auch Micron Technology wird von diesem Sog erfasst und notiert fest über 316 US-Dollar.

Der Kontext: Die KI-Story emanzipiert sich. Weg von der reinen Server-Infrastruktur, hin zur „Physical AI" – KI, die sich in der physischen Welt bewegt. Für deutsche Zulieferer ist das die Chance des Jahrzehnts; wer hier den Anschluss verpasst, wird irrelevant.

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Die jüngsten Entwicklungen im Halbleitersektor zeigen deutlich, warum Börsenexperte Bernd Wünsche von einem „Eine-Billion-Dollar-Chip" spricht. In seinem kostenlosen Webinar analysiert er, welche vier Chip-Aktien jetzt vor einer ähnlich spektakulären Entwicklung stehen könnten wie Nvidia in den vergangenen Jahren. Sie erfahren, warum Mikrochips das neue Öl sind und wie Regierungen weltweit hunderte Milliarden in diese Zukunftstechnologie investieren. Webinar: Die 4 Chip-Aktien für die KI-Revolution

Der Wolfsburger Winter: Ein Desaster in Zahlen

Der Kontrast zur Tech-Euphorie in Las Vegas könnte schmerzhafter kaum sein als beim Blick auf Volkswagen. Die heute bekannt gewordenen US-Absatzzahlen für das Jahr 2025 gleichen einem Offenbarungseid: Ein Rückgang von 13 % bei der Kernmarke VW ist bereits bitter. Doch was bei der Ertragsperle Audi passiert, ist alarmierend: Im vierten Quartal brachen die Verkäufe um dramatische 36 % ein.

Das ist keine konjunkturelle Delle mehr, das ist strukturelle Erosion im wichtigsten Profit-Pool der Welt. Während neue Player Marktanteile erobern, verliert Europas größter Autobauer den Anschluss. Dass Händler für 2026 bereits Preisanstiege erwarten, dürfte den Absatz kaum beleben.

Passend dazu wirkt die politische Kulisse in der Heimat fast schon symptomatisch: Bundeskanzler Friedrich Merz bezeichnete die wirtschaftliche Lage heute in einem Brief als „in einigen Bereichen sehr kritisch". Die politische Instabilität durch den Bruch der SPD/BSW-Koalition in Brandenburg liefert dazu den passenden Soundtrack der Unsicherheit.

Geopolitik: Zynismus in Caracas, Eskalation in Peking

Auf der globalen Bühne hallt der US-Zugriff in Venezuela nach. Die Märkte reagieren auf die Festnahme von Nicolás Maduro mit jenem kühlen Pragmatismus, der Außenstehende oft fassungslos macht: Venezolanische Staatsanleihen schossen steil nach oben. Die Wette ist klar – der Markt spekuliert auf einen „Regime Change" und eine Öffnung der Märkte unter US-Aufsicht. Der Ölpreis (Brent) bleibt indes gedämpft bei 61-62 US-Dollar; die Angst vor Versorgungsengpässen weicht der Erwartung amerikanischer Kontrolle.

Viel gefährlicher für die Weltwirtschaft ist jedoch eine Meldung aus Fernost: China verhängt einen Exportstopp für Dual-Use-Güter gegen Japan, offiziell begründet mit dem Streit um Taiwan. Das ist keine bloße Rhetorik, sondern ein gezielter Schlag in die Magengrube der globalen Lieferketten. Hier braut sich ein Konflikt zusammen, der weit gravierender ist als die Turbulenzen in Südamerika.

Krypto-Update: Das „Smart Money" kauft

Zum Abschluss ein Blick auf die digitalen Assets: Bitcoin konsolidiert stabil im Korridor zwischen 93.000 und 94.000 US-Dollar. Die eigentliche Nachricht verbirgt sich jedoch in den Flussdaten: Allein am gestrigen Montag flossen knapp 700 Millionen Dollar in die US-Spot-ETFs.

Das Muster ist eindeutig: Während Kleinanleger nervös auf die Kurse starren, nutzt das institutionelle „Smart Money" jeden Rücksetzer zum Einstieg. Auch XRP sendet mit einem Sprung von 10 % deutliche Lebenszeichen. Krypto etabliert sich zunehmend als Anlageklasse, die sich von kurzfristigen Launen entkoppelt.

Was das für Sie bedeutet

Der DAX am Allzeithoch erzählt nur die halbe Wahrheit. Die Schere zwischen den Gewinnern der Transformation (Infineon, Tech-Zulieferer) und den strukturellen Verlierern (klassische Auto-OEMs ohne klare Strategie) öffnet sich weiter. Ein Index-Investment verdeckt diese Risiken zunehmend. Die 25.000 Punkte mögen fallen, vielleicht schon heute Nachmittag mit Schützenhilfe der Wall Street – doch die Hausaufgaben der deutschen Wirtschaft, insbesondere in Wolfsburg, bleiben ungemacht.

Ich wünsche Ihnen ein glückliches Händchen bei Ihren Entscheidungen.

Herzlichst,

Ihr

Eduard Altmann