Milliarden für Glasfaser, regulatorischer Gegenwind und ein Dämpfer aus den USA – die Deutsche Telekom steht an einem Wendepunkt. Der Konzern erhöht seine Investitionen deutlich, muss aber gleichzeitig mit niedrigen Anschlussquoten und neuen Vorgaben aus Brüssel und Bonn umgehen. Wie wirkt sich dieses Spannungsfeld auf die Aktie aus?

Heute notiert der Titel im späten Handel bei rund 27,06 Euro und damit nur knapp über dem jüngsten 52‑Wochen‑Tief von 26,31 Euro. Auf 30‑Tage-Sicht ergibt sich ein Rückgang von rund 16 Prozent – ein klares Zeichen, dass Anleger die jüngsten Entwicklungen kritisch einordnen.

Netzetag 2026: Mehr Glasfaser, anderer Fokus

Der zentrale Impuls kommt vom „Netzetag 2026“. Das Management hat eine klare Ansage gemacht: Der Glasfaserausbau wird noch einmal beschleunigt. Zusätzlich 800 Millionen Euro sollen in den kommenden drei Jahren fließen, insgesamt sind bis 2030 Investitionen von 30 Milliarden Euro geplant.

Dabei geht es nicht mehr nur darum, Leitungen „am Haus vorbeizulegen“ („Homes Passed“), sondern tatsächlich Anschlüsse zu aktivieren („Homes Connected“). Hintergrund sind enttäuschende Anschlussquoten:

  • Take-Up-Rate in Mehrfamilienhäusern: rund 10 %
  • Take-Up-Rate in Einfamilienhaus-Gebieten: etwa ein Drittel
  • Ziel 2026: 2,5 Millionen weitere Haushalte und Unternehmen anschlussfähig machen
  • Gesamtinvestitionen Glasfaser bis 2030: 30 Mrd. Euro
  • Zusätzlicher Investitionsschub: 800 Mio. Euro in den nächsten drei Jahren

Für die Bilanz bedeutet das: Die Kapitalintensität bleibt hoch, während die Erträge aus den neuen Netzen nur schrittweise nachziehen. Der Strategiewechsel hin zu mehr tatsächlich zahlenden Kunden ist daher entscheidend, um die Investitionen langfristig zu rechtfertigen.

Regulierung: Druck auf das Kupfernetz

Zusätzliche Brisanz entsteht durch regulatorische Pläne zum Ausstieg aus der Kupfertechnologie. Bundesnetzagentur und EU-Kommission arbeiten an einem Rahmen, der den Umstieg auf Glasfaser beschleunigen soll.

Kernpunkte sind:

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  • Die Bundesnetzagentur erwägt, Kupfernetze in Regionen mit mindestens 80 % Glasfaserabdeckung stilllegen zu lassen.
  • Auf EU-Ebene zielt der geplante „Digital Networks Act“ auf einen vollständigen Ausstieg aus Kupfer bis 2035.

Für die Telekom ist das Chance und Risiko zugleich. Einerseits könnte die Migration in Glasfasernetze schneller und verbindlicher verlaufen – mit höheren Bandbreiten und tendenziell besseren Margen. Andererseits droht die Abschreibung von Millionen noch funktionierender Kupferanschlüsse. Kommt der eigene Ausbau in bestimmten Gebieten langsamer voran als der der Konkurrenz, könnten Kunden zu anderen Anbietern wechseln.

Die Aktie spiegelt diese Unsicherheit wider: Mit einem Abstand von gut 24 Prozent zum 52‑Wochen‑Hoch von 35,78 Euro und einem Minus von über 10 Prozent auf Sicht von zwölf Monaten steht der Titel unter moderatem Druck.

Belastung aus den USA: T-Mobile US schwächelt

Ein weiterer Faktor ist die Entwicklung der US-Tochter T-Mobile US. Sie gilt als wichtiger Gewinnbringer und ist damit ein zentraler Baustein für die Bewertung des Gesamtkonzerns. Der Kurs der US-Aktie bewegt sich derzeit um 185 US‑Dollar. Zuletzt haben einige Analysten ihre Kursziele gesenkt, auch wenn die grundsätzliche Einstufung mehrheitlich im positiven Bereich („Moderate Buy“) bleibt.

Die schwächere Performance der US-Tochter wirkt sich direkt auf die Bilanz der Deutschen Telekom aus und bremst damit auch die Fantasie für den Kurs in Frankfurt. In Kombination mit den hohen Investitionen im Heimatmarkt entsteht so ein Umfeld, in dem der Spielraum für positive Überraschungen begrenzt ist.

Vertriebsoffensive nach BGH-Urteil

Operativ reagiert der Konzern außerdem auf ein verbraucherfreundliches Urteil des Bundesgerichtshofs vom Januar 2026. Künftig beginnen Vertragslaufzeiten bereits mit der Unterschrift – nicht erst mit der tatsächlichen Anschlussschaltung. Verzögern sich Bauarbeiten, steigt das Risiko, dass Kunden vor Anschlussstichtag vom Vertrag zurücktreten.

Um gegenzusteuern, hat die Telekom heute das Konzept „Telekom Shop vor Ort“ bundesweit ausgerollt. Festangestellte Berater besuchen Kunden direkt zu Hause. Ziel ist es, die bislang niedrigen Anschlussquoten zu steigern, Stornierungen zu reduzieren und die Kundenbindung durch persönlichen Kontakt zu stärken. Das passt zur strategischen Verschiebung hin zu „Homes Connected“ und soll die Auslastung der teuren Glasfasernetze verbessern.

Fazit: Hohe Einsätze, begrenzter Puffer

Die Deutsche Telekom setzt klar auf Zukunftsinfrastruktur, muss dafür aber tief in die Kasse greifen und gleichzeitig regulatorische Vorgaben, rechtliche Änderungen und die Entwicklung der US-Tochter im Blick behalten. Kurzfristig belasten die hohe Kapitalintensität im Glasfaserausbau, die schwächere T-Mobile‑US-Performance und der politische Druck auf das Kupfernetz den Kurs – sichtbar im deutlichen Abstand zum Jahreshoch und im Rückgang der letzten Monate.

Entscheidend wird sein, ob es gelingt, die Investitionen rasch in höhere Anschlussquoten und damit in stabile Cashflows zu übersetzen. Gelingt das, könnte sich der aktuell im Bereich des 52‑Wochen‑Tiefs liegende Kurs als Konsolidierungszone erweisen; bleiben die Take-Up-Rates schwach oder verschärfen sich die regulatorischen Anforderungen, dürfte der Druck auf die Aktie anhalten.

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